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Bildung & Erziehung Kultur

Ein Chagall, echt? Ab in die Kunstsprechstunde!

Donnerstag, 19. November 2015 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ja, er ist echt, oder: „Es spricht nichts dagegen, dass die Farbe aus genau der Zeit ist!“ wie Professor Robert Fuchs vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der TH nach einer farbspektroskopischen Untersuchung des Bildes sagt. Das freut Kunstberaterin Susanne von Frank, die im Auftrag des Eigentümers die Druckgrafik von Chagall auf die Messe EXPONATEC COLOGNE gebracht hat, um in der Kunstsprechstunde des CICS deren Kolorierung auf ihre Echtheit prüfen zu lassen. „Das ist ein Erfolg, mit dieser Beurteilung hier können wir dem Comité Marc Chagall das Bild erneut zur Autorisierung vorlegen.“ erklärt sie sichtlich erfreut, „denn die Absegnung durch das Comité (die Nachlassverwalter Chagalls, seine Enkel als Erben, Anm. der Redaktion) ist ja wertbestimmend!“.

 

Eine große Sache also am Stand der TH auf dieser Messe, die eintauchen lässt in die Welt von Museen, Archiven, Konservierung und Restaurierung. Ebenso groß, wenn auch für seinen Besitzer weniger beglückend, ist die Beurteilung eines angeblich vom tschechischen Kubisten Emil Filla stammenden Bildes: da deutet alles auf eine Fälschung hin, wie Professor Gunnar Heydenreich vom CICS erläutert: „Die Entstehungszeit ist auf der Rückseite mit 1917 angegeben, der Zeit, in der Filla kubistisch gemalt hat und das passt auch, er war ja sehr von Georges Braque inspiriert. Die Infrarot-Reflektografie zeigt einen ungewöhnlichen braunen Überzug, das sieht nicht aus wie normal gealterter Firnis, ist aber erstmal noch kein sicherer Befund.“ Doch eine weitere kunsttechnologische Methode habe dann gezeigt, dass es sich wohl nicht um einen echten Filla handele, „Mit der Röntgenfluoreszenzanalyse, einem zerstörungsfreien Verfahren (ohne Materialproben entnehmen zu müssen, Anm. der Redaktion), konnten wir Elemente der Farbe bestimmen, die einen Hinweis auf Titandioxyd liefern, was aber in der Synthetisierung von Pigmenten erst sehr viel später zum Einsatz kam, also ab 1920, zum Teil auch erst in der 1930ern.“ Das Bild ist demnach nicht von Filla 1917 gemalt, könnte ja aber einfach später von ihm gemacht sein, oder? „Da hat er dann aber nicht mehr kubistisch gemalt.“ argumentiert Heydenreich. Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken der Disziplinen Kunsttechnologie, Naturwissenschaft und Kunstgeschichte bei Echtheitsprüfungen aber auch für grundsätzliches Verständnis von Kunstwerken. Genau darauf komme es ihm auch für die Studierenden an, so Heydenreich, „wir wollen interdisziplinäres Denken und Arbeiten am CICS. Nicht nur die kunsthistorische Betrachtung bringt uns Verständnis für eine Arbeit, sondern auch die Materialität sagt viel aus über ein Bild etwa.“

 

Ein Ansatz, mit dessen konsequenter Anwendung einem Kunstfälscher wie Beltracchi  sicher schon früher das Handwerk gelegt worden wäre… Ebenso wie breiter gestreute Werks-Expertisen, die verhindern könnten, dass sich die Kunstwelt auf das Urteil von nur einem solitären Experten für ein Oeuvre verlassen muss – ein weiterer Studieninhalt am CICS. „Wir fördern das, wir haben etwa gerade zwei Master-Absolventinnen, die sich kunsthistorisch mit den rheinischen Expressionisten wie Campendonk und Nauen befasst und große Fachlichkeit für deren Oeuvre aufgebaut haben – sie bekommen beide jetzt schon Anfragen von Sammlern und Auktionshäusern für Echtheitsüberprüfungen und das freut uns natürlich am Institut.“ erzählt Professor Gunnar Heydenreich mit Stolz.

Vierzig bis fünfzig StudienanfängerInnen -mehrheitlich Frauen interessieren sich für das Fach- nimmt das Institut mit Sitz am Campus Südstadt der TH pro Semester auf, etwa zehn in jeder der fünf Studien- und Forschungsrichtungen. Die Konservierung und Restaurierung von Gemälden, Skulpturen und moderner Kunst ist nur eine davon, andere Richtungen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Schriftgut, Grafiken und Buchmalerei oder mit Textilien oder Holz oder aber: mit der Restaurierung von Wandmalerei und Kulturgut aus Stein.

 

Genau das Ding von Anne Holzgräfe und Karoline Santowski, beide im fünften Semester des Bachelorstudiums. Im Rahmen der EXPONATEC geben sie am Messestand ein bisschen Einblick in Studium und Arbeit des CICS und arbeiten an einem zu Demonstrationszwecken angelegten „Wandgemälde“. „Um die Techniken nachempfinden zu lernen, müssen wir eben in der Werkstatt selbst Wandmalereien anfertigen.“ erzählt Karoline und fährt fort „wir zerstören unsere Wandmalereien und restaurieren sie dann als nächste Übung wieder. Dabei muss man natürlich auch darauf achten, dass man Materialien wählt, die das Original nicht beschädigen. Da kommt es auch auf chemische Zusammensetzung an und so weiter.“ Der letzte Arbeitsgang sei dann die Retusche, fügt Anne hinzu „Es gibt ja verschiedene Techniken beim Retuschieren. Punkt- oder Strich-Retuschen, die beim näheren Betrachten eben auch die „Reparatur“ kenntlich machen, das soll ja bewusst so sein. Eine Ergänzung soll ja erkennbar sein.“
Die beiden sind sehr zufrieden mit ihrem Studium „Hochwertig und sehr vielfältig und abwechslungsreich“ finden sie übereinstimmend, und es gebe eben auch viel Gruppenarbeit, zumindest in ihrer Disziplin. Ob sie sich im Gerüst unterm Kuppeldach einer Kathedrale wie der sixtinischen Kapelle Fresken ausbessern sähen? „Ja, das ist natürlich das Nonplusultra, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg!“ lachen sie.

Auf der EXPONATEC COLOGNE in Halle 3.2. der Kölnmesse kann man noch bis Freitag, 20.11.2015 den Stand des Cologne Institute of Conservation Sciences besuchen.

 

Mehr im Netz
CICS Intitut der TH Köln

 

Text: Judith Levold

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