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Südstadt

Ein letztes großes Trommeln? – Das 7. Kölner Percussion Festival in der Lutherkirche

Donnerstag, 1. Oktober 2026 | Text: | Bild: Yoshi Toscani

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Drei Tage, internationale Musiker*innen und jede Menge Rhythmus: Vom 9. bis 11. Oktober wird die Lutherkirche noch einmal zum Treffpunkt für Musikbegeisterte aus der Südstadt und weit darüber hinaus. Beim 7. Kölner Percussion Festival treffen persische, griechische, türkische und diverse mediterrane Musiktraditionen aufeinander. Es wird musiziert, gesungen und gemeinsam getrommelt.

In diesem Jahr schwingt bei aller Vorfreude auch ein wenig Wehmut mit: Denn die Lutherkirche steht als Veranstaltungsort vor dem Aus. Die Evangelische Gemeinde Köln hat die Kirche im Mai dieses Jahres offiziell entwidmet; am 18. Juli fand der letzte Gottesdienst statt. Die Gemeinde begründet die Entscheidung unter anderem mit ihrer angespannten finanziellen Situation, sinkenden Mitgliederzahlen und dem hohen Investitionsbedarf. Auch die Anforderungen der Versammlungsstättenverordnung spielen bei der künftigen Nutzung eine Rolle.

Ein großer Verlust, denn jährlich fanden dort rund 120 Konzerte statt. Für den kulturellen Betrieb gibt es allerdings noch eine letzte Frist: Die Veranstaltungen des Vereins Südstadt Leben sollen bis zum 31. Dezember 2026 weiterlaufen. Damit könnte das Percussion Festival zu einem der letzten großen internationalen Kulturwochenenden in der Lutherkirche gehören.

Festival Opener: Das Fevronia Quintett (Foto: artist)

Die Welt kommt ins Veedel

Wer die Lutherkirche kennt, weiß, dass hier schon lange mehr passiert als Gottesdienste. Konzerte, Weltmusik, Tanz, soziale Projekte und Veranstaltungen unterschiedlichster Communities haben den Ort zu einem kulturellen Treffpunkt gemacht. Gerade das Percussion Festival zeigt noch einmal besonders eindrucksvoll, was diesen Ort ausmacht: Musiker*innen aus Griechenland, dem Iran, der Türkei, Portugal, Österreich und Deutschland kommen zusammen – und das Publikum sitzt mitten in dieser musikalischen Begegnung.

Der Mediterran-Persische Konzertabend am Freitag, 9. Oktober, eröffnet das Festival. Fevronia & Band verbinden Rebetiko, griechische Volks- und Modernmusik, Balkansounds und Einflüsse des Greek Psych’ Rock.

Das Duo Murat Coşkun und Beatrice Picas bringt Rahmentrommel, Gesang und Cello zusammen. Portugiesische und türkische Wurzeln treffen dabei aufeinander. Für den rhythmischen Puls sorgt das Percussion Trio mit Behnam Samani (Tombak), Claudio Spieler (Cajon) und Syavash Rastani (Daf).

Behnam Samani (Foto: André Elbing), Claudio Spieler (Foto: Salar Baygan), Syavash Rastani (Foto: Gerhard Richter)

Am Samstag, 10. Oktober, folgt der griechisch-persische Konzertabend mit Matthaios Tsahouridis, dem Afsari Rad Ensemble, Sängerin Samin Ghorbani sowie Behnam und Reza Samani.

Matthaios Tsahouridis ist in diesem Jahr ein besonderer Gast: Der griechische Musiker gilt als herausragender Spieler der pontischen Lyra, eines traditionellen Saiteninstruments aus der pontischen Musiktradition.

Matthaios Tsahouridis (Foto: artist)

Nicht nur zuhören – selber trommeln

Wer selbst aktiv werden möchte, kann bei den zahlreichen Percussion-Workshops einsteigen. Auf dem Programm stehen unter anderem Bodypercussion, Rahmentrommel, Cajon, Kanjira, Tombak und Daf. Auch die Verbindung von Percussion und Gesang gehört zum Angebot.

Die Workshops richten sich an Anfänger*innen ebenso wie an Fortgeschrittene. Mit dabei sind unter anderem Murat Coşkun, Leiter des Tamburi Mundi Festivals in Freiburg, Claudio Spiele, Behnam Samani, Reza Saman und Syavash Rastani.

Murat Coskun (Foto: Ellen Schmauss)

Und zwischen den Workshops? Bleibt Zeit zum multikulturellen Austausch und Kennenlernen im Atrium.

Was bleibt, wenn die Trommeln verstummen?

Genau darin liegt die besondere Bedeutung dieses Festivalwochenendes. Es geht nicht nur um gute Musik. Es geht auch um die Frage, welche Räume eine Stadt für Kultur, Begegnung und gesellschaftliches Miteinander braucht.

Die Initiative „Rettet die Lutherkirche“ kämpft für den Erhalt des Kulturortes. Im Sommer demonstrierten rund 1.000 Menschen bei einer Klangdemo für die Lutherkirche und machten damit deutlich, welchen Stellenwert der Ort für viele Menschen im Veedel hat.

Die Anhänger*innen der Lutherkirche protestieren gegen das Verschwinden dieses „Dritten Ortes“ (Bild: Jeannette Fentroß)

Die Evangelische Gemeinde wiederum betont, dass sie sich nicht aus der Südstadt zurückzieht und künftig die nahe gelegene Kartäuserkirche zum Zentrum ihrer kirchlichen, sozialen und kulturellen Arbeit machen will. Gleichzeitig ist nach Angaben der Gemeinde der bisherige Veranstaltungsbetrieb in der Lutherkirche unabhängig von der Entwidmung nicht dauerhaft fortführbar.

Noch gibt es die Lutherkirche. Gerade deshalb darf beim 7. Kölner Percussion Festival ordentlich getrommelt werden. Vielleicht ist es dieser Klang, der noch einmal hörbar macht, was einen solchen Ort im Veedel ausmacht: Menschen kommen zusammen, unterschiedliche Kulturen begegnen sich – und für ein paar Stunden zählt nur der gemeinsame Rhythmus.

Weitere Infos zum Programm und Workshop-Anmeldung bei Südstadt Leben Köln (0221 376 29 90). Tickets gibt es hier.

Text: Jeannette Fentroß

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