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Kolumne

Emmy, Frank und ich – Lükes liebes Leben

Donnerstag, 10. Oktober 2013 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich bin in keinem Verein. Ich gehöre auch keiner Partei an. Und bin auch nicht Mitglied in irgendeiner Religionsgemeinschaft,  Sozialem Netzwerk, Kleingarten-Kolonie oder sonst einer Organisation, die mir womöglich das Leben leichter machen könnte. Dachte ich jedenfalls. Doch unlängst fand ich in meiner Post einen braunen Din-A4-Umschlag, den mir laut Absender-Info „ver.di“ geschickt hatte. Dem Fühltest nach zu urteilen, bestand der Inhalt aus einer ziemlich stabilen Pappe im Format des Umschlags und einem kleinen, knubbeligen Irgendwas. Bei solch postalen Wundertüten werd´ ich neugierig. Die mach´ ich auf. Sofort. Drin fand ich ein Schriftstück auf hellblauem Starkpapier, das den Titel „Ehrenurkunde“ trug. Nanu, so was hab´ seit den Bundesjugendspielen zur Schulzeit nicht mehr bekommen. Weiter hieß es da „zur 25jährigen Mitgliedschaft in der Gewerkschaftsbewegung“.

Ich bin in keinem Verein. Ich gehöre auch keiner Partei an. Und bin auch nicht Mitglied in irgendeiner Religionsgemeinschaft,  Sozialem Netzwerk, Kleingarten-Kolonie oder sonst einer Organisation, die mir womöglich das Leben leichter machen könnte. Dachte ich jedenfalls. Doch unlängst fand ich in meiner Post einen braunen Din-A4-Umschlag, den mir laut Absender-Info „ver.di“ geschickt hatte. Dem Fühltest nach zu urteilen, bestand der Inhalt aus einer ziemlich stabilen Pappe im Format des Umschlags und einem kleinen, knubbeligen Irgendwas. Bei solch postalen Wundertüten werd´ ich neugierig. Die mach´ ich auf. Sofort. Drin fand ich ein Schriftstück auf hellblauem Starkpapier, das den Titel „Ehrenurkunde“ trug. Nanu, so was hab´ seit den Bundesjugendspielen zur Schulzeit nicht mehr bekommen. Weiter hieß es da „zur 25jährigen Mitgliedschaft in der Gewerkschaftsbewegung“. Noch weiter: „Unseren Dank und unsere Anerkennung für die Mitarbeit bei der Verwirklichung unserer gewerkschaftlichen Ziele, verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft.“ Darunter prangte die Unterschrift meines großen Vorsitzenden Frank Bsirske. Schluck. Ich, seit 25 Jahren im organisierten Kampf gegen das Kapital!? Kann doch gar nicht sein. Kurz innegehalten und nachgerechnet. Doch, ist so. Die Gewerkschaft und ich – wir haben Silberhochzeit!

Ich und das Feuer im Öl-Fass

Kennen gelernt haben wir uns noch zu Uni-Zeiten, als ich in einer Druckerei jobbte. Als da ein Streik anstand (das waren noch Zeiten!) und wir Studis den Kolleginnen und Kollegen (sagt man heute noch so unter Gewerkschaftlern?) nicht in den Rücken fallen wollten, bin ich damals der IG Druck beigetreten und durfte dann mitstreiken. So richtig mit Wache und Holz-Feuer in leerem Öl-Fass (war Winter) vor dem Werkstor zum Beginn der Frühschicht. Erhebendes Erlebnis, das. Auch wenn „Die Internationale“ nicht gesungen wurde. Soweit ich mich erinnere. Und irgendwie bin ich aus dem Verein nie wieder ausgetreten. Obwohl der für mich als freischaffenden Schreiberling kaum etwas tun kann. (Wie wär´s mit Mindestlohn?) Komplett irrationaler Romantik-Trip, den ich mich jeden Monat einen bescheidenen –steuerlich absetzbaren- Beitrag kosten lasse. Spontan wollte ich ja auch diese absolut piefige Gratulations-Urkunde (soll ich die rahmen lassen?), die bei jedem Taubenzüchter-Verband vermutlich auch nicht anders aussieht, zum Anlass nehmen, meinen Austritt zu erklären. Aber ich lass das jetzt mal. Für die nächsten Jahre. Einen Rest solidarische Unvernunft muss sich der Mensch ja auch noch leisten. Das knubbelige Irgendwas in dem Silberhochzeitsbrief entpuppte sich übrigens als Behältnis in Größe einer Streichholzschachtel. Und wo ich schon mit programmatischen Zündhölzern –so was wie „Macht den Bonzen Feuer unterm Arsch!“- rechnete, purzelte da allen Ernstes eine Anstecknadel „25 ver.di“ heraus. Jetzt muss ich mir dazu nur noch eine passende Jacke kaufen. Vielleicht gibt´s die ja im gewerkschaftlichen Online-Shop. Werde mal nachschauen. Andererseits: Ist ja auch bald wieder Karneval. Da gehen Orden doch immer.  

Ich und Mr. Abrams

Letzte Woche kam auch wieder Post aus Übersee. Wie in jedem Frühherbst. Edel aufgemacht, schwarzer, überdimensionierter Umschlag mit Golddruck. Absender: „GALA. International Emmy Awards. 25 West 52nd Street, NY 10019 USA.“ J.J. Abrams, Founder & President of Robot Productions, lädt mich zur diesjährigen Verleihung der Fernseh-Oscars am 25. November im New York Hilton Hotel. Ich kenne Herrn Abrams zwar nicht persönlich, aber ich finde das ausgesprochen nett von ihm. Wie ich zu der Ehre dieser alljährlichen, generösen Einladung komme? Ich habe vor ungefähr zwanzig Jahren mal in der Jury der deutschen Vorauswahl-Kommission zum Emmy-Award gesessen, wo es um die Frage ging, welche inländischen TV-Beiträge denn in das Rennen um die internationalen Trophäen geschickt werden sollten. Für wen oder was ich da gestimmt habe? Keine Ahnung mehr. Abends gab es jedenfalls für alle Juroren eine bescheidene Party auf einem KD-Schiff. Kartoffelsalat, Würstchen, Kölsch. Dann kam im selben Jahr, so Ende September, erstmals dieser glamouröse Brief aus New York. „Oh, prima“, dachte ich damals, „eine Einladung zur EMMY-Verleihung. Das ist aber schön“. Und schon malte ich mir ein entspanntes Wochenende (sicherlich doch mit Begleitung) in Manhattan, mit rotem Teppich, Gala-Dinner, Tuchfühlung zu leibhaftigen Hollywood-Stars  und Übernachtung im (mindestens) 5-Sterne Etablissement aus. Erster Klasse-Flüge und Shuttle-Service natürlich inklusive.

Ich und Angelia Jolie

Doch bei genauerem Studium der generösen Einladung erwiesen sich die Konditionen der Erlebnis-Reise schon damals als genauso ruinös wie heute. Denn umsonst sollte da für mich als Klein-Juror absolut nix sein. Möglich, dass es etwas preiswerter war als heute. Ich hab´ die Einladung nicht aufgehoben. Jedenfalls soll ich in diesem Jahr für eine Eintrittskarte, je nach Sitzplatz, zwischen 500 und 1500 $ berappen. Und ab 19 Uhr könnte ich mich an fraglos exquisiten Speisen laben. Wo mich der Tisch in der Platin-Version allerdings 15000 $ kosten würde. Es gibt auch die preiswerte Silber-Version für 5000 $. Aber die Tische sind dann wahrscheinlich neben dem Toiletteneingang und es zieht wie Hechtsuppe. Und da sitzt man dann statt neben Angelina Jolie womöglich an der Seite von Arnold Schwarzenegger bei der Suppe. Ich kenne Angestellte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die auf Gebührenzahler-Kosten an diesen Partys teilgenommen haben. Soll nett gewesen sein. Und reichlich Überstunden konnten sie anschließend vermutlich auch noch geltend machen. Wie das bei quasi verbeamteten Kulturschaffenden nun mal so ist. Aber uns Freiberuflern bleiben solche Lustreisen ja nun mal verwehrt. Kurzum, ich habe auf diese alljährlichen Einladungen noch nie geantwortet, bekomme sie aber nach wie vor jedes Jahr. Womöglich könnte ich mich mit minimalem Aufwand aus dem Verteiler streichen lassen. Mache ich aber nicht. Irgendwo möchte ich doch einmal im Jahr auch dazu gehören, zu den Berühmten, Wichtigen und Schönen. Und wer weiß, vielleicht gibt´s ja zu meiner Silberhochzeit mit EMMY auch eine schöne Ehrenurkunde. Bitte mit Anstecknadel.    
 

Text: Reinhard Lüke

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