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Sport

En d’r Südstadt jeiht et Leech an

Montag, 11. Februar 2019 | Text: Fortuna Fanreporter | Bild: Jens Wohlgemuth

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Es ist Samstag, für mich der schönste Tag der Woche. Ich bin mitten in der Klausurphase, insofern stellt sich mir die Frage: In der Universitätsbibliothek Machiavelli und Platon lesen, oder im Südstadion das Spiel der Fortuna gegen Zwickau schauen? Ich gebe zu, wirklich lange überlegt habe ich nicht. Es ist 13:30 Uhr, ich bin im Südstadion. Nun ist es so: Flutlicht braucht es bei einem Spiel, das um 14 Uhr beginnt, nicht unbedingt. Trotzdem denke ich mir, zumindest hymnentechnisch spielt Fortuna Köln in der ersten Liga mit. Von der ersten Liga spricht man heute im Südstadion nur noch, wenn es um den 1.FC Köln geht, das sportliche Schwergewicht der Stadt. Der Alltag für die Südstädter heißt hingegen Abstiegskampf in Liga 3, gegen Zwickau gilt es, um jeden Preis drei Punkte in Zollstock zu behalten.

Fortuna Fanreporter beim Spiel gegen FSV Zwickau

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Erwartungsgemäß drittklassig

Das Südstadion ist in Zeiten von Autobahnabfahrts-Arenen und Baukasten-Stadien ein Unikat. Meint man es böse mit dem Stadion, könnte man sagen, es sei marode, aus der Zeit gefallen. In meinen Augen ist es pure Fußball-Nostalgie, samt Laufbahn und analoger Spielstandanzeige. Dazu gibt es von der Stadionregie kölsche Chansons zu hören, es läuft „Drink doch ene met“, anstatt moderner Popmusik. So ist es auch kein Wunder, dass neben Karnevalisten, eingefleischten Fortuna-Fans, inklusive Tröte und Trikot aus Zweitligazeiten, sowie Familien nicht wenige Hamburger und Hamburgerinnen den Weg nach Zollstock gefunden haben. Wenn man schon mal in der Stadt ist (der FC St. Pauli spielte am Vorabend gegen den Effzeh), nimmt man ein Heimspiel des zweiten Kölner Traditionsvereins natürlich gerne mit. Insgesamt sind es rund 1800 Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich das Spiel anschauen wollen. Für mich persönlich dürfte es der fünfte Besuch im Südstadion sein, zum ersten Mal genieße ich das Privileg, auf der Haupttribüne zu sitzen. Das Maskottchen Fred winkt mir freundlich zu, ich hole mir ein Radler und eine Laugenbrezel, ein ziemlich spartanischer Samstagsbrunch. Dann geht das Spiel auch schon los; Fortuna-Rufe erklingen im Wechselgesang. Auch sportlich fühlt man sich ein wenig in der Zeit zurückgereist, das Spiel ist eher von Kick and- Rush denn von Kurzpassspiel geprägt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes drittklassig.

Nervosität im Abstiegskampf

Man merkt den beiden Vereinen die angespannte sportliche Lage an. Während die Gäste auf dem 13. Tabellenplatz stehen, ist die Fortuna noch ein Stück näher am Abgrund. Sie befindet sich auf Platz 17, dem ersten Abstiegsplatz. Einmal mehr ist die dritte Liga ein Haifischbecken, in dem – bis auf wenige Mannschaften – alle um ihr nacktes Überleben kämpfen. Fortuna kommt zu einigen Chancen, die leider vergeben werden. Von Zwickau kommt nicht viel. Insofern geht es mit 0:0 in die Kabine, Trainer Tomasz Kaczmarek beschwört in seinem Halbzeitinterview Genauigkeit beim Torabschluss und taktische Disziplin. Seine Worte scheinen zu fruchten, denn schon in der 47. Minuten schießt Michael Eberwein das 1:0. Da Fortuna gute Konterchancen auslässt, Zwickau sich gar keine Möglichkeiten erspielt und ab der 80. Minute sogar in Unterzahl agieren muss, ist das auch der Endstand. Entsprechend erleichtert ist die Stimmung nach dem Schlusspfiff. Während die Fortunaspieler verdientermaßen mit den Fans feiern, rollen die Weitgereisten aus Zwickau ihre Fahnen ein und treten frustriert die Busfahrt gen Heimat an.

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Auf den Sieg hole ich mir ein frisches Kölsch, im Hintergrund läuft ein weiteres Mal die Hymne „En d’r Südstadt jeiht et Leech an“ von den Bläck Fööss. Dort heißt es: „Denn Fortuna, dat simmer all he, dat bes du, ben ich, sin mir.“ Besser kann man den Veedel-Verein Fortuna Köln nicht beschreiben. Vom Rentner aus Zollstock, über die Familie aus Sülz bis zum zugezogenen Studenten: In jedem und jeder steckt ein bisschen Fortuna. Wer auf der Suche nach bodenständigem und ehrlichem Fußball ist, dem sei ein Besuch im Südstadion ans Herz gelegt.

Fanreporter berichten von den Heimspielen der Fortuna. Beim Spiel gegen Zwickau war Jens Wohlgemuth für uns im Südstadion. Wer selbst einmal Fan-Reporter sein und seine Sicht der Dinge auf dem Rasen teilen möchte, kann sich unter der Mail-Adresse kontaktnoSpam@meinesuedstadt.de bewerben. Wir freuen uns auf Eure Beiträge.

Text: Fortuna Fanreporter

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