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„Fast wie verheiratet“

Donnerstag, 6. September 2012 | Text: Elke Tonscheidt | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Ein ungleiches Paar sitzt mir gegenüber: Professor Oliver Tobolski und Axel Lankes. Im Teatro essen wir später Rote Beete und Fisch. Und haben nur ein Thema: Den Boxkampf am 8. September 2012 in Moskau, übermorgen also. Denn dann wird Manuel Charr (wir berichteten) von Weltmeister Vitali Klitschko „sicher verprügelt, aber er wird nicht liegen bleiben“, steht für Oliver Tobolski fest. Axel Lankes wagt sich nicht so weit und so oft aus der Deckung, der Unternehmer ist zurückhaltend. Vom Typ her – der Mann ist 1960 in Wanne Eickel geboren und wie Manuel ein großer Schalke-Fan – kann man sich leicht vorstellen, dass auch er gern kommuniziert. Aber im Gegensatz zum gesprächigen Mediziner ist Axel Lankes sehr konzentriert: „Ich will mich auf keinen Fall in den Vordergrund spielen“, sagt er gleich zweimal.

Das muss er auch nicht. Das hat Manuel, der seit Sonntag in Moskau weilt und sich dort mental auf seinen Kampf vorbereitet, bereits für ihn erledigt. „Eine Art Ziehvater“ sei der Unternehmer für ihn geworden, hatte Manuel auf seiner Pressekonferenz im Rhein-Energie-Stadion in die Mikros gerufen und so dem Mann aus dem Kölner Süden gedankt. Auch anderen Menschen, die ihn unterstützen – Zitat: „Aus Investoren wurde Freunde.“

Neben ihm saß da Oliver Tobolski, Geschäftsführer der Sporthomedic Praxisklinik auf der Bonner Straße. Seit gut drei Monaten sieht der Sportmediziner, der kürzlich noch Olympia-Athleten in London betreut hat, den Boxer fast jeden Tag. Er begleitet Manuel als Arzt zum Kampf, als selbsternannter „Feinmechaniker am 1000-PS-Rennwagen“. Im Teatro schmunzelt der Professor: „Wir sind fast wie verheiratet.“

Zwei Männer an Manuels Seite. Sie sind nicht die einzigen, es gibt natürlich ein ganzes Management, aber diese beiden kennen ihn sehr gut. Und dann ist da noch ein Dritter: Lillo, der Chef des Teatro. Der Italiener mit dem gebürtigen Namen Calogero Spatola verlegte sein Ristorante aus Sürth, wo er Manuel vor vier Jahren kennenlernte, in den Zugweg. Dort essen heute viele aus TV, Show-Business und Sport bekannte Sterne und Sternchen. Auch Charr geht hier ein und aus. Von Küchenchef Kevin, Lillos Sohn, ließ er sich die letzten Wochen fast täglich mittags bekochen.
„Gern auf unsere Kosten“, versichert Lillo. Warum sie ihn so unterstützen, will man da natürlich wissen.

Bei Axel Lankes beginnt alles vor etwa drei Jahren, als er Manuel, beide sind bei Lillo zu Gast, begegnet. Der Italiener wird gern von Boxern besucht. Mittlerweile wurde das Plakat, das für den vergangenen Samstag verlorenen Kampf von Felix Sturm warb, aus dem Fenster entfernt. „Traurig, dass Felix verloren hat“, sagt Lillo, „aber dem Manuel gebe ich jetzt Chancen von 60:40!“ Lankes lernt mit Manuel einen Boxer kennen, den er sich so nicht vorgestellt hat: „Smart, sieht megamäßig aus, ein absoluter Menschenfänger.“

Wie sich Charr durchbeißt, das beeindruckt den Unternehmer sehr. Denn Manuel muss jetzt alles selbst organisieren, nachdem kein prominenter Boxstall mehr hinter ihm steht: Sauerland, Universum, zuletzt Felix Sturm am Bonner Wall. Aber auch das passte nicht. Manuel gründet sein eigenes Unternehmen, die ‚Diamondboy Promotion‘, plündert sein Sparkonto, verschuldet sich: „Ein bisschen viel“, gesteht er. Aber aufhalten lässt er sich nicht, kämpft  ohne Gage. „Das hat er alles selbst in die Hand genommen“, sagt Lankes anerkennend. Leicht vorstellbar, dass da jede Hilfe von außen gern gesehen war, nicht nur finanzielle. „Ich war wirklich pleite“, gesteht Manuel, der sich gern mit Rocky vergleicht, „aber ich habe mir geschworen: Du wirst Köln nicht verlassen.“

Menschenfänger Manuel, das behauptet auch Oliver Tobolski, verliert fast nie seine Lockerheit, „kann sich aber total fokussieren, alles ausblenden dann, wenn es darauf ankommt.“ Der Arzt „rutscht“ vor sechs Jahren beruflich in den Boxsport rein, hat großen Respekt vor Menschen, „die sich so quälen und erfolgreich sind“. Er selbst hat es leider nie in die Welt des Hochleistungssports geschafft. Aber genau da fühlt er sich zuhause, jetzt behandelt er die Promis. Seine Frau, plaudert der auf Knie- und Schultergelenke spezialisierte Dr.-med., meckere ja manchmal, wenn er so viel Zeit mit all den Sportlern verbringe. „Aber bei Manuel ist das anders“, grinst er, „auch meine Kinder lieben ihn, er ist einfach total unkompliziert.“ Lankes bestätigt: „Wenn er zu Besuch kommt, vergisst er die Blumen nicht.“

Ein Geben und Nehmen? Sicher ein Mix aus Faszination und Anerkennung. „Der Junge trainiert wie ein Wilder“, sagt Lillo, und man hört raus, das da mehr ist als schlichte Sympathie. „Manuel hat immer gesagt, keiner glaubt an mich, aber Du, Du glaubst an mich“, erinnert sich der Italiener. Und das wird er auch Samstagabend, wenn 150 TV-Sender die Schlacht übertragen. Man weiß ja, Boxen, aber auch das Boxmilieu, beides ist nicht so einfach …
 

Text: Elke Tonscheidt

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