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Kultur

Finne dich selbst oder dies und das

Montag, 14. März 2016 | Text: Alida Pisu | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Unter dem Motto: „Das komische Wort“ startete gestern die neue Literaturreihe „Tu etwas Mond an das, was du schreibst.“, im Theater am Sachsenring. Zu Wort kamen neben Bernd Gieseking, profilierter Autor und Kabarettist, zwei Newcomer: Alina Becker und Tilmann Strasser. Meine Südstadt hat vorab mit Gerlis Zillgens, der Initiatorin und Moderatorin, über die Reihe gesprochen und sich das Programm auch angesehen.

Meine Südstadt: Frau Zillgens, mit fast 20 Romanveröffentlichungen darf man Sie als erfolgreiche Autorin bezeichnen. Sie sind außerdem noch Kabarettistin und Leiterin von Schreibseminaren, in denen Sie den Nachwuchs fördern. Wie kamen Sie auf die Idee, eine eigene Lesereihe zu starten?
Gerlis Zillgens: Die Idee, einen etablierten Autor mit Newcomern auf die Bühne zu bringen, ist schon seit Jahren da. Aber es war auch klar, dass so eine Reihe gefördert werden muss. Der etablierte Autor muss auf jeden Fall bezahlt werden, ich wollte aber auch den Nachwuchs bezahlen. Dann habe ich den Joe vom Theater am Sachsenring getroffen und gesagt: „Ich gehe jetzt mal gucken, ob es Gelder dafür gibt und hättest du Lust, wenn wir es finanzieren können, dass wir es bei dir machen?“ Und der Joe hat gesagt: „Ja, das finde ich super.“

Warum die Kombination von etabliert und Nachwuchs??

Gerlis Zillgens: Etablierte Autoren ziehen Publikum, so hoffen wir zumindest. Die Verbindung mit Nachwuchs-Autoren ist sinnvoll, weil sie sich kennenlernen und wenn es gut läuft, kann es zu einer Vernetzung kommen. Vielleicht sogar zu einer Unterstützung des Nachwuchses durch die Etablierten oder umgekehrt. Wie schnell ist ein neuer Autor vielleicht auch ein bekannter Autor! Für das Publikum ist natürlich auch interessant: wer schreibt denn da so neu? Neu heißt übrigens nicht unbedingt jung, wir haben im August auch einen Newcomer, der um die 50 ist. Er ist Fernsehautor und hat jetzt seinen Debütroman geschrieben.

Was verbindet die Künstler miteinander?
Die Abende sind immer zu einem bestimmten Thema, heute lautet es: „Das komische Wort.“ D.h., alle Autoren an dem Abend, so wie Bernd Gieseking, der seit 25 Jahren komisch schreibt und auch die beiden anderen, schreiben sehr witzig. Nicht unbedingt nur witzig, aber sie können sehr witzig schreiben, das ist die Verbindung. Im April haben wir drei Texte, in denen ermittelt wird, im weitesten Sinne also Krimi. Als Star-Autorin mit dabei: Petra Hammesfahr. Im Mai ist das Thema „Flucht“. Da haben wir Hanna Jansen, die aus ihrem preisgekrönten Buch „Über 1000 Hügel wandere ich mit dir“ lesen wird. Hanna selbst hat 13 Kinder, vornehmlich aus Kriegsgebieten, adoptiert. Inzwischen sind die alle schon erwachsen, eine tolle Frau, ein tolles Buch. Dabei sind noch Babak Ghassim und Usama Elyas, der eine mit iranisch-deutschen, der andere mit saudi-arabischen Wurzeln. Die haben einen unheimlich berührenden Text geschrieben: „Hinter mir mein Land.“ Ich habe ihn durch Zufall übers Internet, bei YouTube, entdeckt. Den habe ich der Hanna geschickt und wir hatten das Gefühl, dass es passt. Wir wollten gerne Künstler mit Migrationshintergrund, die zum Thema aus eigener Erfahrung etwas sagen können.

Das ist ja ein sehr vielseitiges Programm mit spannenden Themen, auch mit politischem Bezug wie bei den Flüchtlingen. In welchem Kontext steht das zu dem poetischen Titel der Reihe: „Tu etwas Mond an das, was du schreibst.“?
Gerlis Zillgens: Ich bin dem Titel begegnet, als die Reihe im Kopf anfing zu wachsen. Das ist ein toller Titel dafür. Er ist von Jules Renard und über 100 Jahre alt, hat also Gott sei Dank keinen Urheberschutz mehr. Für mich passt er perfekt. Da ist eben auch der Nachwuchsförderungsaspekt mit drin. Wir lesen ja nicht nur, es gibt auch einen kleinen Talk, das Publikum kann Fragen stellen. Vielleicht entwickelt sich ein schönes Gespräch, in dem man ein bisschen beleuchtet, wie viel Mond schon im Text ist und was an Mond noch hinzukommen könnte.

Frau Zillgens, vielen Dank schon mal für das Gespräch. Ich freue mich auf einen komischen Literatur-Abend!

Und der wird tatsächlich nicht nur komisch, sondern saukomisch. Großen Anteil daran hat Bernd Gieseking, der sich für Finnland begeistert und aus seinem Roman „Finne dich selbst“ liest. Eine biographische Geschichte: eigentlich will der Autor nach Bali reisen, fährt aber dann doch mit seinen 70+ ostwestfälischen Eltern nach Finnland, um den ausgewanderten Bruder zu besuchen. Das erzählt er mit einem witzigen, gleichwohl liebevollen Blick auf die Figuren und zeigt ganz nebenbei, wie Völkerverständigung funktioniert. Seine Mutter und die Mutter der Schwägerin gehen in den Wald, um Blaubeeren zu sammeln, die eine redet unentwegt finnisch, die andere deutsch. Als sie wiederkommen, fragt sein Vater: „Worüber habt Ihr denn geredet?“ „Ach, über dies und das.“

Alina Becker, die mit ihrem Text „Lonesome George“ Gewinnerin im Umweltschutzpreis Green Fiction war, las einen Auszug daraus. Er dreht sich um das hundertjährige Pinta-Riesenschildkrötenmännchen „lonesome George“, der allen Verkuppelungsversuchen mit zwei bedeutend jüngeren Schildkrötendamen widersteht. Konsequent und witzig aus der Tierperspektive erzählt, wobei die Anklänge an menschliche Irrungen und Wirrungen nicht zu übersehen sind. Im Gespräch mit Gerlis Zillgens verrät Alina noch, dass sie bereits mit 6 Jahren (!) ihre erste Geschichte über einen Kastanienbaum geschrieben hat.

Gerlis Zillgens zeichnet sich durch eine sehr humorvolle Moderation aus und kündigt den 2. Newcomer an mit: „Tilmann Strasser hat in seinen jungen Jahren schon mehr gemacht als Bernd. Jedenfalls wirkt es so…“ Wenn sein Debütroman „Hasenmeister“ das Resultat seines Machens ist, dann kann man nur sagen: Hut ab vor diesem vielversprechenden jungen Mann, dem es gelingt, in seinem Roman Drama und Komik meisterhaft miteinander zu verweben. Selten war eine derart spannende Schilderung eines Konzertes zu hören, die darin gipfelte, dass die schwangere Mutter des Ich-Erzählers im Triumphzug vom Orchester aus dem Konzertsaal getragen wird.

Fazit: ein rundum gelungener Abend, der vom Mond geradezu durchleuchtet war. Kluge Auswahl der Gäste und der Texte, die vom Publikum mit viel Vergnügen, vielen Lachern und Applaus honoriert wurden. Ein Gespräch zwischen dem Publikum und den Autoren entwickelte sich zwar (noch) nicht, aber das tat dem schönen Auftakt der Reihe keinen Abbruch. In ihren Danksagungen, die sich u. a. an die Förderer der Reihe richteten, wies Gerlis Zillgens noch mal auf die wichtige Unterstützung und Vernetzung der Schreiber hin, da Schreiben nun mal „so eine einsame Sache“ ist. Wohl wahr. Wenn sie aber beispielsweise so wunderbar komische Texte hervorbringen kann, dann ist der einsame Autor letztlich derjenige, der ganz vielen etwas zu sagen hat und damit aus seiner Einsamkeit heraustritt.

 

„Tu etwas Mond an das, was du schreibst“
Theater am Sachsenring, Sachsenring 3, 50677 Köln
Die nächsten Termine: 10. April, 22. Mai 2016

 

Text: Alida Pisu

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