Raum für Workshops & Ausstellungen in der kölner Südstadt anmieten

Aufgeschnappt: Musik in der Südstadt +++ Johann Schäfer goes Rheinauhafen +++ Pastawerkstatt – Lokaleröffnung +++ „Beispiellose Entscheidung im Stadtrat“ +++ Bonbon-Workshop in den Sommerferien +++

Gesellschaft

Freie Wahl in Gefahr

Dienstag, 29. September 2015 | Text: Judith Levold | Bild: PARPAR Production

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Eine Wahl zu haben ist für viele wichtig, wenn es um die Frage geht, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten und wie sie dabei begleitet werden wollen. Im Fachsprech ist da hinsichtlich des Geburtsortes von „klinisch“ oder „außerklinisch“ die Rede. Das ist einer von vielen Aspekten, die der Dokumentarfilm „Einsame Geburt“ beleuchtet.

Sie sei als Elternteil in die großen Demos 2013 in Berlin geraten und habe sich umgehört, das komplexe Thema aber nicht gleich durchdringen können, erzählt mir Regisseurin Nadine Peschel am Telefon. Und da habe sie gedacht: Wie soll das denn dann die breite Gesellschaft verstehen? Ihr Film sei deshalb aus einem auch aufklärerischen Impuls heraus entstanden und ihr sei wichtig gewesen, „dass jedem seine Stimme gegeben wird“.

Die Hebammen, seit Jahrtausenden aus der Geburtshilfe nicht wegzudenken, sehen sich vom Berufs-Aus bedroht: schlecht bezahlt und von den Haftpflichtversicherern mit horrenden Beiträgen finanziell überfordert, geben viele von ihnen auf. Es droht das Aussterben eines traditionellen und zentralen Berufsbildes im Gesundheitswesen, oder besser gesagt im gesellschaftlichen Leben. Zugleich eben auch der Wegfall einer Option für werdende Eltern, die Umstände der Geburt ihres Kindes frei zu wählen.

Der Verein Mother-Hood e.V., Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt und 1. Lebensjahr, hat eine Vorstellung des Films im ODEON samt anschließender Diskussion organisiert – ich war im Kino.

Der Titel dieses gestalterisch angenehm wenig stylishen Films über den Themenkomplex „Hebammen in Not“ leitet zwar etwas in die Irre – eine Einsame Geburt kommt darin nicht vor, ebenso wie Worte von (werdenden) Eltern und/oder Betroffenen von haftpflichtversicherungsrelevanten „Fehlern“. Er ist insgesamt aber sehenswert.

 

Verschiedene Facetten der komplexen Gemengelage rund um die existenziell bedrohlichen Berufshaftpflichtversicherungsbeiträge für Hebammen macht Regisseurin Nadine Peschel sehbar, indem sie in ausbalancierter Dramaturgie die unterschiedlichsten Akteure mit ihren Interessen und Einschätzungen der Gesamtlage zu Wort kommen lässt. Da sprechen Hebammenverbandsvertreterin und Hebamme, die Bundesversicherungswirtschaft, Versicherungsunternehmer, Politiker und eine Rechtsanwältin für Arbeits- und Sozialrecht. Auch der Blick auf die Handhabung bei europäischen Nachbarn wie den Niederlanden oder England ist interessant. So kann sich wirklich Meinung bilden.

Aus meiner Sicht ein kleiner Makel: Einer der Zusammenhänge, den der Film mit der Anordnung der Wortbeiträge und ihrer Gewichtung nahelegt, überzeugt nicht zwingend. Nämlich dass mit dem Verschwinden freier Hebammen Paaren das „Ja“ zum Kind erschwert werde und dies mit ein Grund für den Geburtenrückgang in Deutschland sei. Das wirkt ein wenig zu hoch gegriffen, denn da wird anderen Gründen bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind sicher mehr Gewicht zukommen…

 

Frau Peschel, warum haben Sie diesen Film gemacht?
Ich wollte wissen, was da wirklich los ist, ich hab´s bei den Demos einfach nicht verstanden. Ich bin da mit dem Blick eines Elternteils und dem Blick der Dokumentarfilmerin rangegangen, erst mal ganz naiv, hab´ mich in die Recherche gestürzt.

Sie sagen, Sie wollten jedem seine Stimme geben, jeder sollte das von seiner Seite aus darstellen können…
…ja, das macht den Film aus. Und man sieht: Es wird viel geredet, alle sagen ja, ja, das ist ein Problem. Aber es wird nicht so viel gemacht. Obwohl zum Beispiel Bundesgesundheitsminister Gröhe bei einem Besuch im Geburtshaus Charlottenburg in Berlin damals betont hat, er werde sich persönlich für das Anliegen der Hebammen einsetzen, weil ihm das eine Herzensangelegenheit sei. Leider konnte ich ihn später dazu nicht mehr befragen, weil ich aus terminlichen Gründen kein Einzelinterview bekommen habe. Schwieriger finde ich persönlich aber, dass ich auch von keinem familienpolitischen Vertreter ein Interview bekommen konnte, da wird immer auf die Zuständigkeit des Gesundheitsministeriums verwiesen. Und das ist zu kurz gedacht, finde ich. Denn es betrifft ja Familien: Sie können, wenn es keine freien Hebammen mehr gibt, eben nicht mehr frei wählen, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen wollen und wie sie sich begleiten lassen möchten dabei. Da müssten die einzelnen Ministerien mehr zusammen arbeiten, denke ich.

Sind nicht weniger die Haftpflichtversicherer als vielmehr die Krankenversicherer das Problem für die Hebammen? Denn letztere bezahlen ja Hebammen so derart schlecht für ihre Arbeit, dass sie sich ihre Berufshaftpflicht nicht leisten können.
Absolut, das ist so. Und das sagen im Film ja auch nicht nur die Hebammen selbst.

Einer Ihrer Protagonisten im Film, von der Bundesversicherungswirtschaft, sagt ja, man mache eben in diesem „Segment“ derartige Verluste, dass man diese Risiken nur zu derart hohen Beiträgen versichern könne. Haben Sie ihn mal nach den Mega-Gewinnen in anderen Segmenten gefragt?
Klar, das ist ja auch das, was die Anwältin sagt im Film: OK, das ist aus deren Sicht nachvollziehbar, die Verluste in dem Segment sind da, aber dann muss man halt mal anders kalkulieren und das ausgleichen mit Gewinnen aus anderen Bereichen. Denn ein rein wirtschaftlicher Blick auf Familie ist eben nicht sinnvoll.

Ihr Anspruch in dieser Filmproduktion war, nicht parteiisch zu sein, bei mir ist hängen geblieben: wenn freien Hebammen das Berufs-Aus droht, werden weniger Paare Kinder kriegen und schon allein aus dem Grund darf das nicht passieren…
Ja, also ich finde schon, dass ein guter Film auch eine Botschaft haben muss. Ich hatte ja etwa elf Stunden Material und habe mich entscheiden können, ob ich das am Ende positiv oder negativ ausklingen lasse. Also ich hatte auch genug O-Ton-Schnipsel, die ein negatives Ende hergegeben hätten, aber das war ja der Sinn von meinem Film, ich wollte sagen: Habt Mut, aufgeben kann man immer noch!

Frau Peschel, vielen Dank für das Gespräch

 

Weitere Filmvorstellungen von „Einsame Geburt“ im ODEON Kino nach Ankündigung und alle aktuellen Kino Termine unter www.hebammeninnot.de bzw. www.facebook.com/HebammenInNot

 

Text: Judith Levold

Dir gefällt meinesuedstadt.de? Dann untestütze unsere Arbeit doch einfach mit einer Direktspende.

Paypal - danke@meinesuedstadt.de

i

Artikel kommentieren

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an kontaktnoSpam@meinesuedstadt.de widerrufen.

Meine Südstadt Partner

Alle Partner

Meine Südstadt Service


Parkstadt Süd

Eifelwall wird für Autoverkehr gesperrt

Parkstadt Süd: Stadtteilbüro öffnet

15 Geschosse an der Bonner Straße – Die Zukunft mit Parkstadt beginnt schon jetzt

Aufgeschnappt

Musik in der Südstadt

Johann Schäfer goes Rheinauhafen

Pastawerkstatt – Lokaleröffnung

Die Südstadt auf Instagram.