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Südstadt

Freitag ist Schluss

Mittwoch, 29. Juli 2015 | Text: Alida Pisu | Bild: Francesca Magistro

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

 

Auf der Severinstraße geht das Ladensterben weiter. Ende Juli schließt die Traditions-Bäckerei Konrad Saitner für immer ihre Pforten. Dann wird es sie nicht mehr geben, die kleinen Nussecken (die besten der Südstadt). Und vor allem: das schöne Weihnachtsfenster mit den Bergen von Plätzchen: für uns in der Redaktion immer „der“ kulinarische Hingucker im Advent. „Meine Südstadt“ hat mit dem jetzigen Inhaber, Michael Saitner, gesprochen.

 

Meine Südstadt: Herr Saitner, am 31. Juli 2015 werden Sie Ihr Geschäft endgültig schließen. Wie lange war die Bäckerei-Konditorei Saitner dann auf der Severinstraße ansässig?

Michael Saitner: Meine Familie ist seit 1980 in dem Laden. Als mein Vater vor vier Jahren gestorben ist, hat mein Bruder für zwei Jahre übernommen, danach ich. 

 

Bei Ihnen wird noch nach traditionellen Rezepten gebacken…

Wurde, ja. Freitag ist Schluss. Der Bedarf, die Nachfrage ist einfach nicht mehr da. Wir haben noch einen Qualitäts-Anspruch, aber der Kunde hat ihn nicht mehr. Der Kunde hat einen anderen Qualitäts-Anspruch als wir. Das ist der preisliche Anspruch. Es muss möglichst billig sein. Und zweitens achtet der Kunde heute auf möglichst gleichmäßige Ware. Die Industrie-Ware ist gleichmäßig. Der Kunde weiß immer, was er kriegt. Das weiß er im Handwerk nicht. Sobald die Ware etwas abweicht, hat der Kunde schon Produkt-Schwierigkeiten.

 

Sie sind trotzdem dabei geblieben…

Ich bin dabei geblieben, ja. Aber hauptsächlich, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Die Leute sind fünfundzwanzig Jahre beschäftigt gewesen, da wollte ich nicht einfach so Schluss machen. 

 

Das ist ja sehr sozial gedacht! Haben Sie das Bäckerei-Handwerk bei Ihrem Vater, der das Geschäft gegründet hat, gelernt?

Nein und das ist das nächste Problem. Sie brauchen immer einen Meister, und der ist sehr kostenaufwendig. Wenn man es nicht selbst macht, trägt das eben dazu bei, dass es sich nicht mehr rechnet. So kleine Betriebe laufen nur noch, wenn alle Faktoren stimmen. Wenn ein oder zwei Faktoren nicht mehr stimmen, kommt man in große Probleme. 

 

Sie meinen, sofern die Kunden die Qualität nicht mehr honorieren und die Kosten zu hoch sind?

Richtig. Sie müssen bedenken: die Groß-Bäckereien gibt es schon seit über zwanzig Jahren. Die haben immer einen Teil Umsatz abgenommen. Wenn ihnen da oben zehn bis fünfzehn Prozent fehlen, ist das der Gewinn. Das kriegen Sie nicht mehr kompensiert. Das ist halt einfach so. Der Kunde hat es so entschieden. 

 

Sie machen also nur deshalb dicht, weil die Zahlen nicht mehr stimmen?

Aus wirtschaftlichen Gründen. Der Aufwand, auch der zeitliche, ist dermaßen hoch… 

 

 

Es muss aber doch auch Kunden, vielleicht sogar Familien gegeben haben, die Ihnen über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg, die Treue gehalten haben.

Ja, sicher und trotzdem: Es reicht einfach nicht mehr. 

 

Sie haben viele leckere Sachen. Was war das am besten verkaufte Brot oder Gebäck?

Die Nussecken. Die waren immer begehrt. Und auch unsere von Hand gemachten Brötchen. 

 

Was haben Sie für ein Gefühl, wenn Sie an die Geschäftsaufgabe denken? Vielleicht so etwas wie Bitterkeit oder Wehmut?

Eigentlich weder noch. Ich sehe das ganz rational. Es wird nicht mehr nachgefragt, und es wird auch kaum einer vermissen. Es sind schon Dutzende Betriebe auf der Severinstraße weg. In diesem Jahr war es Samen Bluhme, nach achtzig Jahren!

 

Jetzt gerade aktuell der Büchermann. Ende des Jahres auch Fischhaus Klöppel.

Dann kommt noch der Internet-Handel dazu.

 

Aber der betrifft Sie doch nicht?

Nein, einige der wenigen Sachen, die mich nicht betreffen. Aber das wäre mal eine Aktion: Recherchieren Sie mal ganz genau, wie viele Geschäfte seit dem U-Bahn-Bau gewechselt haben. Und wie lange sich die Geschäfte hier gehalten haben. Sie werden eine sehr hohe Fluktuation feststellen. Es sind kaum noch die alten Geschäfte da, die es vor dem U-Bahn-Bau gab. Und die neuen, die zwischenzeitlich gekommen sind, die halten zwei Jahre durch. Danach ist Ende. Alles Nachwirkungen des U-Bahn-Baus. Und die katastrophale Parkplatz-Situation. Der Kunde hat keine Park-Möglichkeit. Und keiner kauft heute noch was und schleppt das drei Kilometer durch die Gegend. 

 

Wie sehen Sie denn die Zukunft der Severinstraße?

Die traditionellen Geschäfte wird es kaum noch geben. Zu 90 % werden es Filial-Betriebe sein. 

 

Was kann denn die Interessen-Gemeinschaft Severinstraße dagegen tun?

Die sind tätig, die sind gut und tun viel, können aber auch kein Allheilmittel sein, wenn die Kaufkraft nicht mehr gegeben ist. Schauen sie sich die Straße an. Sie ist bis 10.00 Uhr morgens praktisch tot. Es gibt zwei Zufahrtstraßen, die man erst mal finden muss. Und wenn sie auf der Straße sind, finden sie keinen Parkplatz. Damit sind sie praktisch auf ihre Nachbarschaft angewiesen. Laufkundschaft werden sie hier nicht mehr finden. Das Angebot, das es hier gibt, finden sie auf der Neusser Straße, auf der Dürener Straße, auf der Venloer Straße. Dafür brauchen sie nicht zu kommen. Ein Laden wie unserer müsste immer voll stehen, damit es sich lohnt. Aber das gibt die Straße nicht her. 

 

Was wird aus Ihren Angestellten?

Im Moment sind fast alle noch ohne Arbeit.

 

Das ist bitter.

Ja. Den Betrieb zuzumachen, da hängt noch was dran…

 

Herr Saitner, schade, dass Sie schließen und vielen Dank für das Gespräch. Kommenden Freitag ist letzter Verkaufs-Tag. Ist den ganzen Tag über geöffnet?

Ja, nur wenn ausverkauft ist, machen wir irgendwann Schluss.

 

Nichts wie hin und ein letztes Mal genießen:
Bäckerei-Konditorei Konrad-Saitner, Severinstraße 59, 50678 Köln.

 

 

 

Text: Alida Pisu

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