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Umwelt

Gans ganz lecker

Sonntag, 7. Dezember 2014 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Francesca Magistro

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Letztes Jahr hat „Meine Südstadt“ für euch die Tannenbäume inspiziert, dieses Jahr sind die Gänse dran: Woher stammt die Weihnachtsgans, die für viele immer noch zum Festessen gehört? Nach dem Interview mit der Tierschützerin Esther Müller kommen heute die Fachgeschäfte der Severinstraße zu Wort: Gänse gibt es zum Beispiel bei Wild&Geflügel, Hausnummer 11, bei der Naturmetzgerei Hennes, Hausnummer 20, und bei der Metzgerei Stürmer, Hausnummer 103. Und in den Supermärkten natürlich, etwa bei REWE.

 

Diana Erhardt hat den Delikatessen-Laden „Wild&Geflügel“ vor zwei Jahren mit ihrem Mann Mark übernommen. Bei ihr ist die Herkunft der Weihnachtsgans schnell geklärt: Die Erhardts ziehen die Gänse selbst auf – auf dem „Neu-Subbelrather Hof“, wo sie auch einen Hofladen betreiben. Sprich: vor den Toren der Stadt, ganz im Westen.

 

„Mit Namen kenne ich unsere Gänse nicht“, sagt Diana Erhardt. „Aber uns ist die artgerechte Haltung wichtig“. Für sie heißt das: Die Gänse laufen im Freiland herum, und sie bekommen kein Mastfutter. Stattdessen hat der Hof eigene Weizenfelder, und aus dem Laden mit Obst und Gemüse kriegen die Gänse, „was eben übrigbleibt, so wie früher“.

 

Die Erhardts haben jedes Jahr Gänse „im Hunderterbereich, also vielleicht 200, 300 Stück“. Sie könnten mehr verkaufen, aber dann wäre zu viel zu koordinieren: zwei Geschäfte, zwei Kinder, und dazu noch die Tiere – irgendwo ist dann Schluss. Denn: „Gänse machen Arbeit“, erzählt Diana Erhardt. „Die fressen auf der Weide alles kahl, dann müssen sie auf die nächste Weide. Und sie machen auch richtig Radau, das sind lebendige Alarmanlagen.“

Bei der Schlachtung versuchen die Erhardts, Stress zu vermeiden. Deshalb schlachten sie selbst. Die Tiere werden eingefangen, in ganz kleinen Gruppen auf einen Holzwagen in eine Halle gebracht – und dort zugedeckt. „Das sind intelligente Tiere, die schauen sehr aufmerksam hin, ganz anders als die Hühner.“ Für das Schlachten werden die Gänse, etwas verkürzt gesagt, mit einem Schlag auf den Kopf betäubt – dann folgt der Schnitt durch die Halsschlagader.

 

Den Erhardts ist wichtig, dass bei ihnen alles transparent verläuft. Dass die Kunden im Hofladen selbst sehen können, wie die Gänse leben und gehalten werden. Vier bis sechs Kilogramm wiegt so eine Gans, und sie kostet 16,90 Euro das Kilo. Rezepttipp: Diana Erhardt mag die Gans am liebsten aus dem Bratschlauch, „da muss man dann nicht dauernd begießen“.

 

„Besonders tierartgerecht“

 

Gleich auf der anderen Straßenseite liegt die Naturmetzgerei Hennes. Edmund Hennes empfängt uns im Büro im ersten Stock, und er hat gleich ein paar Artikel über den Einsatz von Antibiotika in der Mast parat – so wie bei den Erhardts gibt es auch hier ein Bewusstsein für die Abgründe der Tierhaltung. 

 

Hennes bezieht seine Gänse, so wie das ganze Fleisch, vom „Thönes Natur Verbund“, der im quadratischen Prospekt mit „besonders tierartgerechter Haltung“ wirbt. Die Tiere kommen aus der Gegend von Wachtendonk am Niederrhein, und es gibt die Weihnachtsgans beim Hennes nur auf Bestellung. „Früher haben wir Busfahrten an den Niederrhein angeboten, damit die Kunden die Höfe unserer Bauern besichtigen konnten“, erzählt Edmund Hennes. Vor allem die Kinder sollten lernen, dass Kuh und Schwein tatsächlich von einer grünen Wiese kommen.

 

„Unsere Naturware wird auf Qualität hin gezüchtet“, betont er. Zertifizierte Bioprodukte sind die Gänse allerdings nicht: im Bio-Bereich, so Hennes, gebe es zuviel Zufall bei den Ergebnissen und zu viele Qualitätsunterschiede. Die Natur-Gans kostet bei Hennes 20 Euro das Kilogramm. 

 

Auch über den Tierschutz sprechen wir. „Ich kann jeden verstehen, der Vegetarier wird und sich vom Fleisch abwendet“, sagt Edmund Hennes offen. „Wir raten unseren Kunden: Esst weniger Fleisch. Und achtet dafür dann drauf, dass es ausgewählte Ware und aus tierartgerechter Haltung ist.“

 

 

„…sonst arbeiten die nicht genug“

 

Severinstraße, Hausnummer 103, Metzgerei Stürmer. Chef Bernd Stürmer hat seine Gänse früher immer aus der Eifel geholt, von drei, vier verschiedenen Höfen. Aber er war nicht zufrieden: Die Tiere waren mal nicht sauber gerupft, mal zu fett, und irgendwann dachte er sich: Da lasse ich es lieber.

 

Darum kommen seine Gänse in diesem Jahr zum ersten Mal vom Bauerngut Schiefelbusch in Lohmar. „Da sind die Tiere immer draußen und haben Auslauf. Die werden aufs Feld getrieben, sie dürfen ins Maisfeld, und sie werden von Hand geschlachtet.“ Wichtig ist ihm auch: Die Tiere müssen sich selbst ernähren, „sonst arbeiten die nicht genug.“

 

Vier bis maximal fünfeinhalb Kilo wiegt am Ende die Gans, und bei Stürmer kostet sie 14,90 Euro das Kilo. Die Menge ist aber begrenzt: „Wir haben 70 Stück, dann ist Schluss, dann sind sie weg.“ Beim Thema Bio zeigt sich Bernd Stürmer skeptisch: „Da wird viel Schmu getrieben, das können Sie gar nicht kontrollieren.“ Sprich: auch seine Gänse sind keine zertifizierten Bio-Gänse. Dafür bezieht er sein Fleisch komplett aus Schwäbisch Hall,  „eine Stufe unter Bio, die sind relativ streng.“ Für die Gänse steht er auf der Warteliste.

 

REWE lässt kontrollieren

 

Bleibt noch REWE. Die Mail an den Konzern beantwortet Thomas Bonrath so wie im vergangenen Jahr zu unserer Reportage über die Weihnachtsbäume schnell und professionell. Bei REWE gibt es nach seinen Worten Gänse „aus Polen und Deutschland“, Preisangaben macht er keine. Beim Bio-Zweig Temma kommen die Gänse von regionalen, deutschen Lieferanten und sind original zertifizierte Bioware – und kosten dann auch 30 Euro das Kilo.

 

Aber was ist mit Polen? Da fragen wir lieber nach, denn aus Polen gibt es noch immer Berichte über Gänsehaltung, die man nicht lesen mag. Herr Bonrath stellt klar: Das deutsche Angebot sei extrem limitiert, darum brauche man „alternative Bezugsquellen“. Zitat:

 

„REWE hat sich in dem Zusammenhang schon vor vielen Jahren bzgl. der Haltungsbedingungen von Wassergeflügel Gedanken gemacht und Maßnahmen eingeführt. So verbieten interne Einkaufsrichtlinien u.a. die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die in irgendeiner Art und Weise Aktivitäten in der Stopfmast betreiben. Des Weiteren lehnt REWE Lebendrupf grundsätzlich ab. Dies wird von unabhängigen Institutionen mehrfach während der Mastphasen überprüft.“

 

Lebendrupf bedeutet, Gänse bei lebendigem Leibe zu rupfen – wegen der Daunen für die Betten- und Outdoor-Branche. Das Lebendrupfen ist in Deutschland nach EU-Recht untersagt, das Stopfen sowieso, siehe Tierschutzgesetz, Paragraph 3.

 

Alle Argumente wertlos

 

Womit wir wieder bei den Tierschützern sind – und bei der Frage, ob es auch eine Alternative zur Weihnachtsgans gibt, wenn das Gewissen zu sehr drückt. Gestern kam ja schon Esther Müller vom Deutschen Tierschutzbund zu Wort. Noch strenger beurteilt Lisa Wittmann von PETA Deutschland die Sache. Sie hält die ganzen Argumente (Freilandhaltung, kein Mastfutter, kein Stress beim Schlachten, tierartgerechte Haltung) für wertlos und lebt aus Überzeugung vegan.

 

Drei Punkte liegen ihr am Herzen: 1. das Wasser: die Gänse als Wasservögel brauchen es zum Wohlbefinden (genau das Gleiche hatte Esther Müller schon gesagt). 2. die Herde: Gänse sind ganz kleine Gruppen gewöhnt, und sie bilden gern Paare, die ein Leben lang halten. Für die Mast werden sie dagegen in größere Herden gezwungen – und müssen mit Artgenossen ausharren, die sie vielleicht gar nicht ausstehen können. Und 3. die Schlachtung: sie kann niemals human sein, oft gehe auch etwas schief dabei, und ignoriert werde einfach etwas Grundsätzliches: Das Recht der Tiere auf Leben. So einfach ist das.

 

Lisa Wittmann empfiehlt darum zu Weihnachten ein veganes Bratenrezept, das ihre Mutter letztes Jahr gemacht hat: Maronenbraten, dazu Grün- und Rosenkohl und eine Mandelmousse-Soße. Klingt auch lecker. Auf der Seite von PETA gibt es auch ganz explizit einen „Gänsefreundlichen Gänsebraten“ – sehr gehaltvoll und garantiert fleischlos.

 

„Meine Südstadt“ kann sich nicht so recht entscheiden: Wir essen gerne einen Gänsebraten oder eine Keule, aber uns ist das Schicksal der Tiere auch nicht egal. Vielleicht machen wir es darum so: Ein Jahr Gans, ein Jahr vegan. Kann beides gans ganz lecker sein.

 

Und noch ein Tipp: Wer die Gans nicht essen, sondern lieber draußen beobachten möchte, kann das mit dem NABU tun. Denn die Organisation bietet Exkursionen zum Niederrhein an.

 

 

 

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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