Raum für Workshops & Ausstellungen in der kölner Südstadt anmieten

Aufgeschnappt: Bürger messen selbst! +++ Köln auf der Berlinale +++ Ist das Krach oder kann das in den Mischer? +++ Portugiesisches Café statt Fußballkneipe +++ Neu: enthält keine Spuren von Verpackung! +++

Kultur

Hart, UND: fair.

Sonntag, 20. Januar 2013 | Text: Kathrin Rindfleisch | Bild: Barbara Siewer

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Die Immisitzung 2013 greift die Beschneidungsdebatte auf und lässt endlich die zu Wort kommen, die es betrifft.
Donnerstag, 17. Januar, 2013, 20:49 Uhr, Bürgerhaus Stollwerck, Südstadt, Köln. Zwei Penisse, namentlich vorgestellt als Herr Pullert und Herr Ständer, diskutieren über die Vor- und Nachteile der männlichen Vorhaut. Stolzer Vorhautträger gegen Beschneidungsbefürworter mit Durchblick. Der Saal tobt. Jetzt, 38 Minuten nach Premierenbeginn, haben sie ihr Publikum und als Moderatorin Franka Plasberg pathetisch verkündet „Beurteilen Sie nie einen Menschen nach der Haut“, ist sie noch einmal um 10 Zentimeter geschrumpft, die Mauer der Vorurteile in den Köpfen der Menschen. Denn, dass alle, das Publikum der Immisitzung ebenso wie die Darsteller, größtenteils Kölner mit Migrationshintergrund, rassistisch sind, darüber singen im Anschluss Obst und Gemüse. Und, mal ehrlich: eine Banane weggeworfen wegen ihrer schwarzen Flecken, wer hat das noch nicht getan? Und das Biogemüse singt „Wir sind nicht alle dumm, wir bringen keine Juden um“… aber wir diskriminieren die Banane aus konventionellem Anbau und bevorzugen Bio. Und freuen uns über lecker Popcorn aus amerikanischem Genmais.

Leuchtbild mit Wasserfall hat medizinischen Effekt

Herrlich komisch und unerhört politisch unkorrekt, führt das Ensemble der Immisitzung 2013 den kleinen, engstirnigen Rassisten in jedem von uns vor. Und bringt zum Lachen, und, im Anschluss daran zum Nachdenken. Denn die Sketche, Lieder und Zwiegespräche im knapp dreistündigen Programm sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern basieren auf Erfahrungen und Beobachtungen der Ensemblemitglieder. Kölner mit Wurzeln in Afrika, Belgien, Brasilien, Deutschland, Griechenland, der Türkei und den USA. Als Ausländer in Köln erlebt man was, im Kontakt mit Kölnern genauso wie mit den eigenen Landsleuten und so gibt`s Lacher für das Aufs-Korn-Nehmen der korrekten Deutschen etwa bei der Grammadisch-Kontrolle in der Deutschen Bahn, genauso wie für die Türkin, die feststellt, dass das obligate Leuchtbild mit Wasserfall türkische Männer mit Prostataproblemen zum Pinkeln anregen soll.

 

 

Von der Frau, die aussieht, wie der Technische Leiter heißt: Mohr

Die Immisitzung mit dem Untertitel „Jeder Jeck ist von woanders“ ist keine Karnevalssitzung im üblichen Sinne. Nicht allein wegen des internationalen Ensembles, auch gibt es weder Elferrat noch Büttenredner. Die Sitzung ist vielmehr aufgebaut wie eine Revue mit Sketchen, Songs und Tanzeinlagen. Einzig die Sitzungspräsidentin erinnert an den Kölner Sitzungskarneval. Aber auch erst auf den zweiten Blick, nämlich genau dann, wenn die in Köln geborene Katja Solange Wiesner mit Kameruner Wurzeln loslegt und man Gaby Köster auf der Bühne wähnt. Im breitesten Kölsch moderiert sie charmant und unterhaltsam durch den Abend und ist dabei offiziell die Sitzungspräsidentin mit der größten Dichte an Schwarzen-Witze. Das Publikum lacht und weiß gleichzeitig: der Witz geht auf meine Kosten, oder wie meint die farbige Deutsche mit der kölschen Klappe das, wenn sie vom rassistischsten aller Spiele spricht, dem Pool-Billard, bei dem der gewinnt, der mit Hilfe der weißen, die schwarze Kugel ins Loch befördert.

Humor vereint Unterschiede

Gemeinsam lachen über Vorurteile, das ist das Konzept der Macher, in diesem Jahr zum vierten Mal. Das 12-köpfige Ensemble aus Schauspielern, Tänzern und Musikern, schließt sich dafür eine Woche in einem Haus in der Eifel ein, um im Anschluss innerhalb von 48 Tagen die aus dieser Kreativwoche entsprungenen Sketche und Lieder, immerhin knapp 40 Programmpunkte, unter der Leitung von Regisseur Joschi Vogel zu proben.
Herausgekommen ist ein amüsantes, kurzweiliges und freches Programm, über eine Menge Unterschiede, noch mehr Gemeinsamkeiten und am Ende die Gewissheit dass, egal ob man nun Deutscher, Türke oder Grieche ist, gemeinsam Lachen am meisten Spaß macht!

6 der 16 Sitzungstermine sind schon ausverkauft, also nix wie los und Karten besorgen!? Die gibt es bei den Verkaufsstellen von KölnTicket, im Internet unter koelnticket.de sowie immisitzung.de für 21 Euro, ermäßigt 19 Euro plus VVK-Gebühren, in der Modeboutique „Chamäleon“ auf der Merowingerstraße 35 für 25 Euro, ermäßigt 23 Euro und an der Abendkasse für 27 Euro, ermäßigt 25 Euro.
Die Termine sowie weitere Infos rund um die Immisitzung gibt es unter www.immisitzung.de

Text: Kathrin Rindfleisch

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