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Gesellschaft Kultur

„Heute grabe ich nicht mehr in der Erde – ich grabe nur noch in Archiven!“

Dienstag, 5. Februar 2019 | Text: Jana Riegert | Bild: Josef Gens & Markus Küll

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Bei Arbeiten am Fundament seines Elternhauses am Chlodwigplatz 24 entdeckte Josef Gens ein römisches Grabmal, das heute eine der Hauptattraktionen im Römisch-Germanischen Museum ist. Die Geschichte rund um den Sensationsfund liest sich wie ein Krimi und ist zugleich Zeitbild der späten 1960er Jahre in der Südstadt. Josef Gens hat darüber ein Buch geschrieben: „Grabungsfieber“ Anlässlich der Lesung mit Josef Gens am 07. Februar im Haus Balchem (19:30, Eintritt frei) haben wir uns mit Josef Gens zu einem Interview getroffen.

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Römer am Chlodwigplatz

1965 bis 1967 haben Josef Gens, sein Bruder und fünf weitere Freunde das Grabmal des Poblicius während einer Grabung im Elternhaus am Chlodwigplatz entdeckt. Die vier Freunde setzten sich über ein Grabungsverbot der Stadt Köln hinweg und entdeckten das fortan größte und bedeutendste Exponat des Römisch Germanischen Museums in Köln. Bevor das Grabmal ins Museum wanderte, organisierte das Team eigenständig eine Ausstellung, zu der mehr als 15.000 Besucher kamen – in den Keller des Hauses am Chlodwigplatz 24.

Josef Gens im Gespräch mit meine suedstadt

Der Autor im Gespräch

Warum gab es für die Hobby-Archäologen Ihres Teams kein Halten mehr, nachdem Sie den ersten Quader gefunden haben?// Sie waren im Fieber, nachdem Sie den ersten Quader gefunden haben, oder?
Josef Gens: Ja, das ist auch der Titel meines Buches, „Grabungsfieber“. Das ist einfach, wenn Sie etwas finden, so tief unten, und Sie haben einen Steinquader mit Muster vor sich, dann wollen Sie von dem Muster immer mehr sehen. Sie müssen sich die Faszination vorstellen. Sie sitzen da und holen ganz vorsichtig Lehm weg. Und mit jedem Stückchen erschließt sich Ihnen ein Muster, das 2000 Jahre niemand gesehen hat. Das ist eine Faszination, die kann man gar nicht beschreiben.

Woher kam dieses Interesse?
Es gab eigentlich nichts, was wir über die Kölner Geschichte nicht wussten. Das war unser Antrieb. Da unser Vater so begeistert war, waren wir das natürlich auch.

Woher kam Ihr Mut, daran zu glauben, dass das Haus bei den Grabungen nicht zusammenstürzt?
Wir haben genau erkannt, wie die Statik des Hauses war. Wir haben alle Baumaßnahmen natürlich statisch berechnet, weil wir wussten, wenn wir fertig sind, kommt das Aufsichtsamt und kontrolliert das. Außerdem haben mein Freund Bernhardt und ich im Studium Statik belegt, um die statischen Berechnungen machen zu können.

Wenn man zwei Jahre gräbt, findet man jeden Tag etwas neues?
Ja, jeden Tag. Wir haben in den zwei Jahren 70 tonnenschwere Steinquader und eine große Menge an Scherben aus dem Keller geholt.

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Wie lange dauert es, einen Quader freizulegen?
Das hängt ganz davon ab, ob man den Grabungstunnel absichern muss oder ob man den Quader direkt bergen kann. Aber so ein Muster freizulegen dauert Stunden. Da muss man vorsichtig sein

Hatten Sie Angst, Fehler zu machen während der Grabungsarbeiten?
Ja natürlich. Wer ist denn perfekt. Ich hatte zum Glück meinen Mentor, den ich immer wieder fragen konnte.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Gens!

Und wen noch mehr Details rund um diesen spektakulären Fund einer Gruppe junger Burschen im Köln der Spät-Sechziger interessieren, der ist herzlich eingeladen: Zu Josef Gens Lesung aus „Grabungsfieber“ am Donnerstag, den 7. Februar um 19:30h in der Stadtteilbibliothek Haus Balchem auf der Severinsstraße.

Text: Jana Riegert

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