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Südstadt

Hören, lesen, grillen – Lükes liebes Leben

Montag, 8. Juli 2013 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Pelpet/CC-BY-SA-3.0

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich werde abgehört. Hier in der Südstadt. Vermutlich jedenfalls. Ich weiß das natürlich nicht genau. Man bekommt das ja nicht mitgeteilt. Aber zumindest kann ich nicht ausschließen, dass in der amerikanischen Pampa im Mormonenstaat Utah irgendein Sachbearbeiter mithört, wenn ich zum Telefon greife, um Dienstliches zu regeln, mich zum Umtrunk zu verabreden oder die Gattin zu bitten, sie möge auf dem Heimweg von der Arbeit doch bitte ein Brot mitbringen. Dass der Amerikaner das mithört, finde ich nicht schön. Natürlich nicht. Dennoch hält sich meine Empörung ob des ungebetenen Teilhabers an meinem unspektakulären Leben in Grenzen. Vielmehr beschäftigt mich die Frage, was der Hörer im fernen Amerika mit diesen Informationen eigentlich anfangen will. Wobei er ja keineswegs wirklich mithört. Er zeichnet das nur auf. Genau wie meine E-Mails und sonstigen Netz-Bewegungen. Dann lagert er das in einer großen Schublade. Server nennt man so was heute. Was einem gigantischen Heuhaufen entspricht, in dem man irgendwann eine Stecknadel zu finden hofft. Im Interesse der Staatssicherheit, wie es heißt. Macht natürlich alles der Computer. Ist ja nicht mehr so wie in der DDR, wo  IMs sich erst eifrig Notizen machten, diese anschließend in ihre mechanischen Schreibmaschinen hackten, um sie schließlich auf dem Postweg, vermutlich ordentlich frankiert, an die STASI weiterzuleiten. Das war gewiss nicht schön, wenn man nach der Wende feststellen musste, dass der (vermeintlich) beste Freund akribisch aufgelistet hatte, wer bei der privaten Geburtstagfeier alles zugegen war, was gegessen und geredet wurde. Da war viel persönliche Tragik im Spiel. Auch wenn unter dem Strich feststeht, dass mindestens 95 Prozent dieser, in Kilometer langen Aktenordner-Regalen aufgereihten IM-Protokolle, belangloser, blanker Müll waren. Reichte aber, um dem Ost-Mitbürger ein Unsicherheits-Gefühl der permanenten Beobachtung einzuimpfen. Bei PRISM läuft das ja anders. Ich vermute zumindest nicht, dass da irgendein Bekannter von mir auf Lauschstation ist.  

Ich plane einen Anschlag

Aber irgendwann, wenn ich das halbwegs richtig verstehe, muss auch da nach allen Vorsortierungen des Kollegen Computer irgendwann mal der Mensch ran. Nachdem die Maschine den Datensalat im Stil einer Rasterfahndung nach allerlei verdächtigen Codes durchforstet hat, müssen irgendwelche Staatsdiener in abgedunkelten Räumen das Zeugs doch mal hören, resp. lesen und entscheiden, ob da irgendeine Bedrohung im Anmarsch ist.   
Im Grunde werde ich ja gern gelesen. Egal, von wem. Fürchte aber, dass ich mit meinen belanglosen Mitteilungen da immer durchs Raster falle. Also mache ich jetzt mal einen Selbstversuch: Ich kündige hiermit ein Pudding-Attentat auf den Disney-Park in Orlando/Florida an. (Oder doch besser direkt das Pentagon anvisieren?) Bei „Attentat“ müsste ich doch wohl im Raster hängen bleiben. Und dann? Muss/Darf ich jetzt damit rechnen, dass mir demnächst ein (US-)befreundetes SEK-Sonderkommando im Morgengrauen die Wohnungstür aufsprengt und mich mit vorgehaltenen Sturmgewehren aus dem Bett holt? Wohl eher nicht. Ich hab´ ja grundsätzlich Vertrauen in unseren Rechtsstaat.  Auf der anderen Seite: Was weiß ich, wie gut die Sachbearbeiter in Utah des Deutschen mächtig sind? Können die Ironie? Also gehe ich mal lieber auf Nummer sicher. Will ja schließlich auch noch mal nach New York: DON´T GET ME WRONG FOLKS! I`M JUST KIDDING! Reicht das, um aus der Nummer raus zu kommen? Wie geht es diesbezüglich eigentlich dem Redakteur eines Medien-Fachorgans, der immer meine Texte abdruckt und mit Nachnamen „Anschlag“ heißt? Hat der letztens mal versucht, in die USA einzureisen oder fühlt er sich zumindest unter permanenter Beobachtung? Ich werde ihn fragen, wenn er aus dem (Frankreich-)Urlaub zurück ist. Aber ich vermute mal, dass die Abhörer im fernen Utah, Männer zumeist, in  ihrer Arbeitszeit ohnehin vor allem scharf darauf sind, Gespräche zu belauschen, in denen Jungs in Konversation mit Tele-Liebesdamen auf der heimischen Couch brünstig zu ihrem Ejakulat zu kommen suchen. Sollte mich jedenfalls nicht wunden, wenn sie in der Zentrale Controller beschäftigen würden, deren Job es ist, derlei Missbrauch schonungslos aufzudecken.

Fremdschämen in der U-Bahn

Egal, ich sorge mich wegen der Abhörerei nicht wirklich. Und ein Großteil meiner Mitmenschen offenbar auch nicht. Im selben Maße, wie sie sich mit monströsen Kopfhörern akustisch von der Außenwelt abschotten, haben sie kein Problem damit, überall per Handy lauthals ihre intimsten Befindlichkeiten kundzutun. Ich weiß gar nicht, wie viele Beziehungs-Endgespräche und Dramen aller Art ich in den letzten Jahren in U-Bahnen, Parks  und sonst welchen öffentlichen Räumen ungefragt mit anhören musste. Da fremdschämt man sich doch, ganz persönlich. Kennt der Mann in Utah das Gefühl überhaupt?

Ich hatte das am Freitag. Da stand auf „meinesüdstadt.de“ ein fraglos löblicher Artikel einer Schülerin zur Aktion des örtlichen Humboldt-Gymnasiums gegen Homophobie zu lesen. Irritierend war nur das beigefügte Foto eines Transparentes, auf dem in großen Lettern zu lesen  stand: „Humbold gegen Homophobie“ Wie bitte? Sollten da Hunderte an Schülern und Lehrkörpern womöglich nicht gewusst haben, dass sich der Alexander von (genau wie sein Bruder Wilhelm) zeitlebens hinten mit „dt“ schrieb!? Nö, Entwarnung. War nicht so. Bei dem Foto war lediglich das „t“ in einer Falte des Transparentes verschwunden. Erstaunlich nur, dass sich da nicht ganze Heerscharen an pensionierten Studienräten via E-Mail gemeldet haben, um den (scheinbaren) Lapsus in Form einer geisteswissenschaftlich fundierten  Protest-Note anzuprangern. Bei meinen Fernsehkritiken melden die sich jedenfalls immer ganz  ausführlich. Folgerung: Studienräte im Ruhestand gehören offenbar noch nicht zu unserer Leserschaft. Daran müssen wir arbeiten.

Sonst noch? Sommerferien stehen ins Haus. Gut so. Doch vor den ersehnten Ferien stehen die Abschlussfeierlichkeiten. Und da muss heutzutage ja so einiges abgeschlossen werden. Nicht genug, dass die Klasse des Juniors zum Schuljahrsabschlussgrillen lädt. Natürlich möchte sich auch die Schule als ganze noch mit einem Sommerfest in die Ferien verabschieden. Von der ÜMI ganz zu schweigen. Und wer sich im Interesse des Nachwuchses auch in irgendeinem Förderverein engagiert, steht kurz darauf schon wieder am Grill, um fürs Gemeinwesen zu schwitzen. Und dann ist der Nachwuchs womöglich auch noch in irgendeinem Verein. Hat man gar zwei oder mehr Kinder in verschiedenen Einrichtungen, kann man die letzten beiden Schulwochen eigentlich nur frei nehmen, wenn man das Pensum einigermaßen bewältigen will. Wer sich bis dahin noch nicht urlaubsreif gefühlt hat, ist es nach diesem Grill-Marathon definitiv. Zumal wenn er, wie unsereins, ohnehin kein großer Freund dieser steinzeitlichen Methode der Nahrungszubereitung ist.
 

Text: Reinhard Lüke

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