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„Ich muss die Zahl der Betreuungsstunden erhöhen“

Donnerstag, 24. Oktober 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die Dielen in der Wohnung von Roger Hagel sind uralt und wunderschön. Der Altbau in der Lothringer Straße strahlt Ruhe und Geborgenheit aus – und Ruhe strahlt auch Roger Hagel aus, bei allem Unmut, den er empfindet. „Für fünf Euro die Stunde kann ich wirtschaftlich nicht arbeiten“, sagt der Tagesvater im Gespräch mit „Meine Südstadt“. Der Hintergrund: Die Stadt Köln ändert zum 1. November die Finanzierung der privaten Tagespflege für Kinder unter 3. Fortan bekommen Tageseltern statt 3,50 Euro pro Stunde pro Kind zwar 5 Euro. Dafür aber dürfen sie nun keinen eigenen Betrag mehr erheben, und das müssen sie sogar unterschreiben.

Meine Südstadt: Herr Hagel, was hat die Neuregelung für Sie für Folgen?
Ich habe bislang 3,50 Euro zusätzlich von den Eltern genommen, landete also bei einem Stundensatz von sieben Euro. Jetzt sollen wir nur noch fünf Euro bekommen. Die zwei Euro, die mir da fehlen: Das war mein Gewinn. Von den zwei Euro konnte ich leben, wenn auch ohne große Sprünge. Ich will aber auch eine gewisse Qualität anbieten, nicht zuletzt beim Essen.

Aber für die Verpflegung dürfen Sie ja weiterhin Geld von den Eltern nehmen.
Es ist trotzdem schwierig, die Kosten, die ich habe, abzudecken. Das ist eine knappe Kiste. Wenn ich die Deckelung auf 5 Euro pro Stunde unterschreibe, dann bin ich gezwungen, die Zahl der Betreuungsstunden zu erhöhen.

Wieviel bieten Sie bislang an?
Ich mache das von montags bis donnerstags, immer zwischen 8 und 17 Uhr. In Zukunft muss ich dann wohl den Freitag dazunehmen und noch Randzeiten anbieten, also von 7 bis 18 Uhr. Ich muss mehr Stunden anbieten, um den Verlust finanziell aufzufangen.

Aber für die Eltern ist die Neuregelung doch gut. Sie zahlen jetzt das Gleiche, egal, ob das Kind in eine Kita geht oder zu einem Tagesvater.
Ja, für die Eltern ist das gut. Für die weniger Verdienenden ist es vorteilhaft. Die Eltern zahlen ja jetzt nur noch den normalen Kita-Betrag. Aus sozialer Sicht ist das neue Modell gut. Aus pädagogischer und inhaltlicher Sicht ist es aber problematisch.

Warum?
Die Stadt hat einfach alle Tagespflegeeltern zugelassen. Da ging es nur darum, die Statistiken zu erfüllen wegen des Rechtsanspruchs seit dem 1. August. Wie kann eine Behörde zum Beispiel eine Tagespflege zulassen, die im 5. Stock liegt ohne Aufzug mit vier Kindern? Da muss man doch sagen: In einer anderen Wohnung ja, aber nicht hier.

Was heißt Qualitätssicherung für Sie?
Qualität heißt inhaltliche Arbeit mit Kindern. Wie sollen das zwei Erzieher in einer Gruppe von 20 Kindern in einer Kita schaffen? Ich habe von Eltern gehört, dass es dort sehr laut sein kann und unübersichtlich – und dass die Kinder dann nachmittags ganz durchgerasselt sind.

Sie gehören einem Aktionsbündnis an, das sich das Thema Qualität in der Kinderbetreuung auf die Fahnen geschrieben hat. Was ist Ihr Ziel?
Kommunikation. Zwischen Eltern. Zwischen Jugendamt und Tagespflegepersonen. Zwischen Tagespflegepersonen und den Kontaktstellen, die Kinder vermitteln. Es gibt noch keine vernünftige Vernetzung.

Es soll einen Runden Tisch geben.
Das wäre ein erster Schritt.

 


„Qualität heißt inhaltliche Arbeit mit Kindern“, sagt Roger Hagel.

Was meinen Sie mit Kommunikation?
Das ist für meine Orientierung wichtig. Im Moment sehe ich überall Fragezeichen. Wir haben bislang von der Stadt kein Schreiben bekommen, was die neuen Regeln angeht. Es gab eine Beschlussvorlage für die Ratssitzung, aber die ganzen Informationen mussten wir uns selbst angeln. Das Gesetz zum Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, das gibt es doch schon seit dem 1. August. Da hätte man uns von Seiten der Behörden informieren müssen, dass es Änderungen geben wird und wie die aussehen könnten.

Was ist denn da passiert?
Eben nichts. Das ist ein Armutszeugnis. Eine Mail würde ja schon reichen. Wir sind ja nicht wirklich selbständig, wir sind ja abhängig vom Jugendamt und den Kontaktstellen. Die Alternative ist, sich tatsächlich, sich ganz selbständig zu machen.

Das wäre rechtlich möglich?
Dann würde ich alle Risiken selbst tragen und müsste mit Mund-zu-Mund-Propaganda sehen, wie ich Betreuungskinder finde. Ich möchte mich zum Beispiel gerade auf Kinestaetics spezialisieren, da geht es um Bewegung und Wahrnehmung – auch für Menschen mit Behinderungen. Ich bedauere es, dass das Jugendamt bei solchen Zusatzleistungen nicht die Ohren spitzt.

Was schwebt Ihnen vor?
Es gibt viele Tagespflegepersonen, die mit Kindergärten kooperieren könnten. Also dass ein Kindergarten auf uns zukommt und sagt: Wir haben da zwei Kinder, mit denen ist es schwierig, das schaffen wir nicht, wir sind überfordert. Und dass dann eben diese Kinder zu Tagespflegeeltern kommen, die speziell dafür zuständig wären und das auffangen könnten. Und ich habe noch eine Idee.

Welche?
Es gibt Familien mit wenig Geld, die Kinder haben. Es müsste einen Weg geben, dass die finanziell subventioniert werden. Da geht es um solidarisches Verhalten. Darum, dass das schwächere Mitglied in einer Gruppe getragen wird. Es ist doch kein Zustand, dass eine Mutter sich beruflich abrackert, nur um Beiträge an die Stadt zu zahlen.
 

Wir danken für das Gespräch.

 

 

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Text: Jörg-Christian Schillmöller

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