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Verkehr

IHK-Vize Soenius: „Die Deutzer Freiheit sieht einfach scheiße aus“

Donnerstag, 25. April 2019 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Manchmal hat man ja das Gefühl, dass man mit dem Auto auf der Severinstraße nichts zu suchen hat. Das Thema Fußgängerzone wird schon diskutiert und wir blicken mal nach Deutz. Dort hat sich nämlich eine Initiative aufgemacht, die Deutzer Freiheit autofrei zu machen.

Ein Blick über den Tellerrand

Die Analyse aus berufenem Munde war kurz und knapp. Und ein Stück weit vernichtend. „Die Deutzer Freiheit sieht einfach scheiße aus“, fasste Dr. Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, seine Eindrücke von der Einkaufsmeile, praktisch gegenüber der Südstadt, zusammen. Soénius war einer der Experten, die die Initiative „Deutzer (Auto) Freiheit“ zu einem „Austausch über eine autofreie Deutzer Freiheit“ in das Bürgerzentrum eingeladen hatte. Dazu noch Bezirksbürgermeister Andreas Hupke, Roland Schüler, Verkehrsexperte und stellvertretender Bezirksbürgermeister in Lindenthal, und Dr. Maren Lüpitz, Lehrbeauftragte in Sachen Architektur an den Universitäten Dortmund und Dresden.

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Ziel ist ein Verkehrsversuch

Karin de Miguel Wessendorf von der Initiative stellte deren Ziele vor. „Unser Plan ist es, einen Verkehrsversuch durchzuführen, bei dem die Deutzer Freiheit über einen begrenzten Zeitraum von mehreren Monaten autofrei gehalten wird. Mit diesem Experiment wollen wir herausfinden, wie autofreie Tage von den Anwohnern, Besuchern, Käufern und Gewerbetreibenden angenommen werden, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich bieten und wie sich Ideen zur Nutzung der Deutzer Freiheit umsetzen lassen.“

Den ersten Schritt hat die Initiative schon hinter sich. Sie hat einen Antrag an die Politik formuliert, den aber noch nicht eingereicht. „Der Verkehrsversuch soll als Bürgereingabe bei der Bezirksvertretung Innenstadt oder dem Ausschuss für Anregungen und Beschwerden der Stadt Köln beantragt werden. Zur Zeit führen wir ausführliche Gespräche mit Deutzerinnen und Deutzern, Experten sowie den Geschäftsleuten.“ Lieferverkehr soll von morgens sechs bis zehn Uhr weiterhin möglich sein.

Deutzer Freiheit autofrei

Beim Tag des guten Lebens kamen die Deutzer auf den Geschmack.

Christoph Illigens von der Initiative moderierte den Nachmittag und eröffnete die Diskussion. „Wir alle sind Teil der Zukunft von Deutz und deshalb sollen wir alle auch mitreden.“ Die Initiative hat sich gegründet im Nachgang zum „Tag des guten Lebens“ in Deutz 2017. Damals waren die Deutzer Freiheit und angrenzende Nebenstraße für einen Tag autofrei. „Damals war Raum für neue Ideen, die Stadt zu gestalten, und für Begegnungen. Das hat vielen Deutzern gefallen. Und wir hatten weniger Lärm und bessere Luft.“

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80 Prozent Fußgänger auf der Freiheit

Die Befürworter für die autofreie Deutzer Freiheit haben gezählt. „Nur zehn Prozent der Leute, die auf der Deutzer Freiheit unterwegs sind, fahren da Auto. 80 Prozent sind zu Fuß unterwegs, zehn Prozent mit dem Rad“, berichtete Illigens. Ein Anwohner pflichtete ihm bei: „Niemand aus Deutz fährt mit dem Auto zum Einkaufen auf die Deutzer Freiheit. Dafür müsste er ja seinen Parkplatz aufgeben. So blöd ist hier keiner. Und Leute von außen kaufen nicht auf der Freiheit, weil sie hässlich ist und keine Plätze zum Verweilen hat.“

Soénius, der auch die Interessen der EinzelhändlerInnen auf der Deutzer Freiheit vertritt, nannte sich selbst einen „notorischen Radfahrer“. Und als solcher radele er regelmäßig über die Freiheit zur IHK-Zweigstelle in Kalk. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine autofreie Deutzer Freiheit. Aber wir müssen natürlich die Belange des Handels im Blick haben. Es muss sich auf jeden Fall etwas ändern hier. Wir von der IHK streben eine Stadt an, in der der Autoverkehr nur 30 Prozent des öffentlichen Verkehrs ausmacht.“

„Autofrei ist nicht möglich“

Wilhelm Schenk hat 20 Jahre für die CDU in der Bezirksvertretung Innenstadt gesessen und ist entschiedener Gegner der autofreien Deutzer Freiheit. „Das ist vom Straßenzuschnitt in Deutz nicht möglich. Das haben wir ja vor 30 Jahren schon mal versucht. Es war eine Katastrophe.“ Daniel Wolf von der Interessengemeinschaft (IG) Deutz sprach sich dagegen nicht so deutlich gegen die Autofreiheit aus. Er fragte, ob die Initiative überhaupt mal mit den Gewerbetreibenden auf der Freiheit gesprochen habe. „Wir haben viele Gespräche geführt und den Eindruck gewonnen, dass die Hälfte der LadeninhaberInnen eine autofreie Deutzer Freiheit begrüßen würde, die andere Hälfte noch nicht“, sagte Christoph Illigens. Es gibt allerdings auch andere Zahlen. „Wir haben alle Geschäfte schriftlich abgefragt“, entgegnete Wolf. „75 Prozent sind gegen die Sperrung für Autos, 20 Prozent sind dafür, fünf Prozent ist es egal. Was wir auf jeden Fall brauchen, ist eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität.“

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Betonkästen statt eines Boulevards

Karin du Miguel Wessendorf hielt dagegen, dass viele in Gesprächen sicher umzustimmen seien. Einig waren sich aber alle, dass die großen Betonkästen, aus denen mittlere Bäume wachsen, unbedingt verschwinden müssen. „Die IG Deutz hat vor vielen Jahren einen Stadtplaner beauftragt, sich Gedanken über die Freiheit zu machen. Der hatte einen echten Boulevard geplant. Gekommen sind dann die Betonkästen“, erinnerte sich ein Deutzer.

Text: Stefan Rahmann

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Kommentare

  • Harald von der Stein sagt:

    Für einen vernünftigen Straßenbaumbestand auf der Deutzer Freiheit müsste die Unterflursituation mal seriös untersucht werden. Das ist nach meiner Kenntnis noch nie gemacht worden.

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