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Politik Umwelt Verkehr

Im Zweifel werden die Bäume besetzt

Freitag, 29. September 2017 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Im Kampf um die Bäume auf der Bonner Straße haben die Bürger die nächste Eskalationsstufe aufgerufen. Auch Baumbesetzungen sind eine Option. An Aufgeben jedenfalls dachte niemand bei der Bürgerversammlung in der All-Saints-Kirche am Bonner Verteiler.

 

„Wir werden nicht zulassen, dass die Bäume auf der Bonner Straße gefällt werden“, erklärte Ottmar Lattorf mit Nachdruck. Der Vorsitzende des Vereins Natur, Bildung und Soziales, Bürger informieren Bürger (Nabis) sprach im Namen des Initiativkreises Bayenthal-Marienburg (IKBM), zu dem sich zahlreiche Vereine und Gruppen der Stadtteile zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel: den Weiterbau der Nord-Süd-Stadtbahn auf der Bonner Straße, wie ihn Politik und Verwaltung geplant haben, zu verhindern.

 

„Das muss nicht sein“

 

Gemeinsam mit Verkehrsexperten haben sie eine Alternativplanung entwickelt und nun vor 300 Bürgern in der Kirche vorgestellt. Die Zeit drängt. Ab dem 1. Oktober gilt die Vegetationsphase als abgeschlossen. Danach dürfen Bäume bis Ende Februar gefällt werden. 300 sollen auf der Bonner Straße für die Bahntrasse und eine geänderte Verkehrsführung weichen.

 

„Das muss nicht sein“, sagt Professor Heiner Monheim, emeritierter Verkehrswissenschaftler an der Universität Trier und zehn Jahre Referatsleiter für Verkehr im Landesverkehrsministerium. Monheim berät den IKBM von Anfang an. In Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten hat er eine Planungsvariante entwickelt, in der fast alle Bäume stehen bleiben können.

Tram-Allee mit mittiger Baumreihe

Entscheidender Unterschied zu den Plänen der Stadtverwaltung: Zwischen Gürtel und Arnoldshöhe soll nach den Vorstellungen des IKBM eine „Tramtrasse als Allee“ gebaut werden. Auf der Ostseite verläuft eine dreispurige Fahrbahn mit zwei Spuren in Richtung Chlodwigplatz und einer in Richtung Verteiler. Daneben verläuft die Bahntrasse. Die bestehende Baumreihe aus größtenteils Linden bleibt stehen, die Gleise verlaufen rechts und links der Bäume.

 

Man plant, und hier ist man sich einig mit der Verwaltung: Rasengleise. Der Clou der Alternativplanung: Auf der Westseite der Trasse verläuft eine weitere Fahrspur in Richtung Verteiler. „Im Unterschied zu den städtischen Plänen verläuft bei uns die Stadtbahntrasse nicht mittig, weil dann die Bäume im Weg stünden. Unser Plan opfert die Linden nicht den Bedingungen der Symetrie“, erläuterte Monheim. Eine wesentliche Verbesserung zur Planung der Verwaltung sieht er auch darin, dass die Gleise vor und hinter den Haltestellen nicht verschwenkt werden müssen: „Wir fahren immer geradeaus.“

 


Südblick auf Bonner Straße unter Beibehaltung der bestehenden Bäume. /Grafik: oculus 3ds design group GmbH

Neu nachzudenken ist keine Katastrophe

Dem Vorwurf, der IKBM sei mit der Alternativplanung „spät dran“, schließlich sei das Planfeststellungsverfahren bereits abgeschlossen, begegnet Monheim mit dem Hinweis, „dass es doch wohl keine Katastrophe ist, nochmal neu nachzudenken“. Als man vor zehn Jahren in der Stadtverwaltung angefangen habe, sich über die Umgestaltung der Bonner Straße Gedanken zu machen, hätten die Veranwortlichen Themen wie Feinstaubbelastung, Kohlendioxid in der Luft und der Diesel-Skandal noch nicht in dem Maße wie heute „auf dem Schirm“ gehabt. „Simulationen haben ergeben, dass die geplanten Ersatzbäume in 60 Jahren nicht das Blattvolumen erreichen werden, das die Bestandsbäume heute haben.

 

Die zu fällen wäre ein klimatisches Desaster, fuhr Monheim fort und redete sich in Rage: „Wenn einem Verkehrsvorhaben Häuser im Weg stehen, zuckt man zurück und die Pläne werden geändert, weil private Immobilien in diesem Land als fast unantastbar gelten. Für Bäume gilt das nicht. Autoritäre Staatsführer wie Putin und Erdogan können sicher einfach so mal eben 300 Bäume fällen lassen. Wenn hier die Kettensägen anrücken, ist das für Köln ein weiterer weltweit einmaliger Nackenschlag. Und das wird dann sicherlich alles sehr konfrontativ ablaufen.“ Monheim schloss ausdrücklich Baumbesetzungen und so weiter nicht aus. „Es wissen ja alle, was da möglich ist.“  

Noch redet man miteinander

Im Moment setze man jedoch auf den konstruktiven Dialog mit dem städtischen Verkehrsdezernat. Dabei habe man sich schon auf manchen Kuhhandel eingelassen. „Wenn die Stadt sagt, sie bestehe an der Haltestelle Gürtel auf Bahnsteigbreiten von fünf Metern, sind wir bereit, auf die Rettung von 20 Bäumen zu verzichten“, nannte Monheim als Beispiel. Er geht davon aus, dass die Bäume stehen bleiben, solange man miteinander verhandle.

 

Robert Rademacher spricht für die IKBM: „Wir haben allerdings einen Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht in Münster gestellt, in dem wir darum bitten, die Baumfällung so lange zu verschieben, bis die Umsetzbarkeit unserer Planungen eindeutig positiv oder negativ geklärt ist. Das kann in zwei oder drei Monaten der Fall sein.“ Das Gericht habe den Antrag angenommen und an die Stadtverwaltung und die Bezirksregierung zur Stellungnahme weitergeleitet.

Stadt geht ins Risiko

Jürgen Müllenberg von der städtischen Pressestelle macht den IKBM-Aktivisten nur vorübergehend Hoffnung: „Bis zum 11. Oktober bleiben die Bäume auf jeden Fall stehen. Dann werden sich die Stadtverwaltung und die KVB in einer Pressekonferenz mit allen beteiligten Ämtern äußern. Bis dahin wird es keine Stellungnahmen seitens der Stadt geben.“ Eines sei allerdings klar: Der Planfeststellungsbeschluss sehe die Fällung der Bäume vor. Daran werde sich Stand jetzt auch nichts ändern. Und das Vorgehen der Bürger vor Gericht gegen die Pläne der Stadt? „Da gehen wir ins Risiko. Wir wollen nicht länger warten.“

 

Text: Stefan Rahmann

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