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Bonner Straße: Bäume fallen im Halbstundentakt

Montag, 23. Oktober 2017 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das Geräusch, wenn Jahrzehnte altes Holz splittert, geht unter die Haut. Auch an diesem Montag (23. Oktober) ist der „Wood-Cracker“ seit 7.30 Uhr im Einsatz. Ast für Ast schneidet die Maschine von den Bäumen an der Bonner Straße/Ecke Gürtel ab, bis schließlich nur noch der nackte Stamm in den Himmel ragt. Es knackt, knarzt und knirscht, bis alle Äste im Container gelandet sind. Dann kommt die Kettensäge an die Reihe. Der Cracker hebt den Stamm anschließend in den Container. Zurück bleibt ein etwa ein Meter hoher Stumpf, der in nicht allzu ferner Zeit samt Wurzeln ausgegraben wird. Die Arbeiter des Baumfällungsbetriebs Hans Kinze GmbH aus Hemer haben an diesem Montag die Schlagzahl erhöht. Geschützt von mehr als 100 Polizisten, Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der Security-Firma W.I.S. wurden bis mittags um zwölf sechs Bäume gefällt. Und Feierabend ist noch lange nicht.

Sieger sehen anders aus

30 Demonstranten waren vor Ort und machten ihren Protest gegen die Fällungen auf zahlreichen Plakaten deutlich. Half aber alles nichts. Um halb zwölf erklärte Organisator Ottmar Lattorf gegenüber der Polizei die Demonstration für beendet. Frustriert und fröstelnd gingen die Protestler ihrer Wege. Sieger sehen anders aus.

Wie geht es weiter? „Wir denken über weitere Möglichkeiten nach, kreativ zu protestieren“, sagte Lattorf. Aber man will auch noch mal den „offiziellen“ Weg einschlagen und am Donnerstag versuchen, der Verkehrsdezernentin Andrea Blome im Technischen Rathaus eine Petition zu überreichen. „Und natürlich demonstrieren wir auch weiterhin hier vor Ort.“  Denn eins ist Lattorf klar: „Wenn die in dem Tempo weiter fällen, brauchen die nicht die drei Wochen, die sie angekündigt haben.“

Cracker im „Ställchen“

Die Kräfte, die zur Aufrechterhaltung der öffentlichen  Ordnung aufgeboten wurden, haben ihre Lektionen von Donnerstag und Freitag ebenfalls kreativ umgesetzt. An beiden Tagen war es Baumschützern gelungen, den Cracker zu besetzen und die Fällungen am Donnerstag gänzlich sowie am Freitag für ein paar Stunden zu blockieren. An diesem Montag wurde zunächst der Cracker mit Bauzäunen ins „Ställchen“ gesperrt, damit niemand den Ausleger entern konnte. Als dann die große Zaunabsperrung rund um etwa zehn Bäume stand, wurde der Cracker befreit und konnte sein Fällwerk beginnen. Bäume, die im Laufe des Tages noch zur Fällung vorgesehen aber noch nicht von Bauzäunen umgeben waren, wurden von W.I.S.-Frauen und -Männern vor befürchteten Baumbesetzungen geschützt: Drei bis vier Leute pro Baum.

Ende der Gespräche

Stand jetzt ist davon auszugehen, dass die Fällungen unter dem Schutz einer sehr großen Zahl von Sicherheitskräften so schnell wie möglich abgewickelt werden. Die Stadt gibt sich unnachgiebig. Sie teilt der interessierten Öffentlichkeit mit: „Zur Umsetzung der dritten Baustufe ist die Entfernung von 233 Straßenbäumen und rund 70 Bäumen (Gehölzfläche an der Straße Heidekaul) erforderlich. Die Stadt hat verschiedene Möglichkeiten zum Erhalt der Bäume untersucht. Die nach allen Abwägungen gewählte Variante wurde schließlich mit dem Planfeststellungsbeschluss zur dritten Baustufe bestätigt. Zum Ausgleich werden entsprechen der im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens durchgeführten landschaftspflegerischen Begleitplanung insgesamt 464 Einzelbäume neu gepflanzt. Davon sind 222 Bäume als Ersatz der bestehenden Straßenbäume entlang der Bonner Straße geplant, weitere 242 im Umfeld beziehungsweise im weiteren Stadtgebiet.“ Gespräche mit Bürgern wird man in dieser Sache nicht mehr führen.

Kontroverse Diskussion auf Facebook

Auf die Frage, warum so wenige Demonstranten vor Ort waren, hat Tanja Karuleit, die auch protestierte, eine entwaffnend einfache Antwort: „Jeder muss halt irgendwie seinen Job schaffen. Ich kenne viele, die gegen das Abholzen sind. Aber die müssen ihre Kinder in die Schule bringen und danach arbeiten. Ich konnte heute nur kommen, weil Herbstferien sind und meine Tochter und ich frei haben. Viele fahren ja auch in den Herbstferien weg.“ Sie ist auf die Baumfällungen im Internet aufmerksam geworden. Auf der Facebook-Seite von „Meine Südstadt“ wird das Thema breit und kontrovers diskutiert. Es gibt zahlreiche Südstädter, die Sympathien haben für die Nord-Süd-Bahn und deren ökologischen Nutzen, wenn sie denn einmal fährt. Den bestreiten die Gegner nicht. Sie wollen die Bahn allerdings unter den noch stehenden Bäumen fahren sehen.

Bald kommt das „Schönhauser Kreuz“

Die Bahntrasse steht aktuell im Mittelpunkt der Diskussionen rund um die Fällungen. Ein wenig außer Acht gerät dabei, dass die Stadt neben dem ÖPNV-Ausbau den Individualverkehr keinesfalls zurückzudrängen versucht: Fällt doch die Alternativplanung zum Bahnbau bei Erhalt der Bäume u.a. auch deshalb durch, weil sie minderbreite Fahrspuren und Verlust an Parkraum vorsieht. Das darf wohl nicht sein, stattdessen hat man städtischerseits Großes vor. Die Kreuzung Bonner Straße/Schönhauser Straße wird in nächster Zeit zum „Schönhauser Kreuz“ erweitert. Nach dem Endausbau können Autofahrer dort auf sage und schreibe 18 Spuren aus vier Richtungen im Stau stehen. Der Verkehr wird dann auf einer neu zu bauenden Straße über den Rewe-Parkplatz geführt. Baugrunduntersuchungen waren letzte Woche schon im Gange. Für das „Schönhauser Kreuz“ werden zahlreiche der imposanten Platanen am Rewe-Parkplatz gefällt. Aber das ist eine andere Geschichte. Oder etwa nicht?

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Text: Stefan Rahmann

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