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Lükes Liebes Leben

Nackter Mann bei Netto

Montag, 21. Oktober 2019 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Was wäre der Handel ohne Jesus? Mit Ostern und Weihnachten halten sich manche Süßwarenhersteller ganzjährig über Wasser. Schließlich liegen Printen und Dominosteine bereits seit Ende September in den Regalen und werden auch fleißig gekauft. Wenn ich meinen Eindrücken bei meinen Supermarkt-Besuchen trauen darf. Und kaum sind die letzten Weihnachtsmänner Anfang Januar zu Spottpreisen verramscht, machen sich auch schon die lustigen Häschen in den Regalen breit. Nur zu Pfingsten ist dem Handel bislang noch nix eingefallen. Am nun bevorstehenden Allerheiligen ist Süßkram zwar weniger gefragt, aber ein paar Branchen können sich auch über diesen Gedenktag freuen. So die Hersteller und Verkäufer von Grablichtern in allen Formen und Größen und natürlich die Floristen. Auch in Bau- und Supermärkten werden derzeit Erika in Mengen unters Volk gebracht, mit denen man die Wahner Heide nachbilden könnte.

Kauft Graberde!

Besonders clever erscheint mir allerdings die Idee, den gedenkenden Christen zu Allerheiligen säckeweise Graberde anzudrehen. Liegt sogar bei Aldi rum. Ich bin jetzt nicht vom Fach, aber ich glaube einfach mal nicht, dass Grabpflanzen eine besondere Erde brauchen, um zu gedeihen. Und dieses Heidekraut, das in freier Wildbahn auf Sand wächst, schon gar nicht. Trotzdem wird fleißig Graberde erworben. Haben die Hinterbliebenen womöglich Angst, ihre verstorbenen Familienmitglieder könnten es ihnen übelnehmen, wenn ihre Gräber mit schnöder Blumenerde befüllt werden, während alle anderen in der Friedhofsnachbarschaft unter spezieller Graberde behaglich schlummern dürfen? Das könnte dann beim himmlischen Wiedersehen, von dem die Christen ja irgendwie ausgehen, gleich für unschöne Diskussionen sorgen. Also lieber Graberde kaufen. Sicher ist sicher.

Salaltkopf vorm Gemächt

Die Säcke gibt’s auch bei Netto auf der Severinstraße. Gleich am Eingang. Zudem werden dort auch schon Eimer mit Streusalz angeboten. Die gewiss noch nicht der Renner sind und vermutlich auch den ganzen Winter über nicht werden dürften. Doch diese Angebote übersieht man leicht. Denn unmittelbar daneben steht ein nackter Mann. Okay, er ist jetzt nicht komplett nackig. Vor sein Gemächt hält er, etwas schüchtern lächelnd, eine Salatkopf. Den Papp-Aufsteller in Lebensgröße ziert der Aufdruck: „Nackte Tatsache“. Verkauft Netto jetzt Karten für die Chippendales oder irgendeine andere Stripper-Truppe so wie Aldi Tickets für Die Fantastischen Vier? Nö. Der Nackedei mit dem Salat macht Werbung in Sachen Ökologie. Im Kleingedruckten neben seinem Astralkörper lässt Netto wissen, dass man neuerdings auch unverpacktes Obst und Gemüse im Angebot hat. Was zu begrüßen ist, aber letztlich wenig bringt, da die meisten Kunden die nackten Produkte im Laden dann doch wieder in Plastiktüten verpacken, die es da gratis von den Rolle gibt.

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Aber den Absatz von Obst und Gemüse mit einem nackten Typ zu bewerben, find´ ich durchaus bemerkenswert. Was wäre wohl passiert, hätte man zu diesem Zweck eine nackte Frau aufgestellt? Vielleicht zum Kopfsalat noch mit einer quer gelegten Gurke über den Brustwarzen. Ein Sturm der Entrüstung wegen sexistischer Werbung begleitet von Boykottaufrufen und einschlägigen Protestnoten auf den Schaufensterscheiben doch mindestens. Ich weiß jetzt nicht, wie lange der Nackte da schon steht, aber am Freitag sah er noch gänzlich unversehrt aus. Ich könnte natürlich beim Deutschen Werberat mal nachhören, ob da schon Klagen seitens irgendwelcher Männergruppen eingegangen sind.

Ich fühle mich diskriminiert

Oder mich selbst beschweren, weil ich mich von dem Kerl mit dem Salat doch stark diskriminiert fühle. Lasse ich jetzt aber mal. Denn eigentlich stört er mich nicht weiter. Womöglich fehlt´s mir da einfach an Sensibilität. Zudem gehöre ich ja wohl auch nicht zur Zielgruppe. So wie die Hersteller von Kettensägen und Betonmischern ihre Produkte gern mit vollbusigen Blondinen bewerben, weil sie nahezu ausschließlich von Männern erworben werden, geht man bei Netto oder der ungemein kreativen Werbeagentur offenbar davon aus, dass der Kauf von Obst und Gemüse nach wie vor Frauensache ist. Und da fühl´ ich mich nun wirklich diskriminiert. Weshalb ich eigentlich verlangen müsste, dass da neben dem nackten Typ mit dem Salat auch eine entsprechende Elfe mit Salat und Schlangengurke ins Foyer kommt. Ich glaube zwar nicht wirklich, dass ich deshalb unverpacktes Obst und Gemüse bei Netto kaufen würde, aber hier geht es ums Prinzip. Irgendwie.

Räder in Ketten

Die endlose Debatte um E-Scooter in den Netzwerken erheitert mich ja nahezu täglich. Ich weiß auch nicht, wozu man die Dinger eigentlich braucht, wo sich doch all die enormen Steigungen in Köln mühelos mit einem (Leih-)Rad bewältigen lassen. Aber vielleicht macht es einfach nur Spaß, damit durch die Gegend zu zockeln. Die argumentativ absurdeste Welle des Elektro-Roller-Bashings gab es neulich, nachdem ein paar besoffene Vollpfosten zwei dieser Dinger von einer Autobahnbrücke geworfen hatten. Da sehe man doch wieder, dass diese E-Scooter Teufelswerk seien und sofort verboten gehörten, stand dort – sinngemäß – massenhaft zu lesen.

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Wenn sie Holzklötze genommen hätten? Zur Gefahrenminimierung die Wälder abholzen und fachgerecht entsorgen? Und wenn einem als Autofahrer aus großer Höhe ein herkömmlicher Drahtesel auf die Windschutzscheibe kracht, ist das auch kein Spaß. Aber Radfahrer tun sowas natürlich nicht. Die stellen ihre Vehikel auch nicht einfach auf Gehwegen ab, sondern ketten sie dort, oft gleich zu mehreren Exemplaren, vorbildlich von beiden Seiten an Straßenschilder, wo sie nun wirklich niemanden behindern.

Text: Reinhard Lüke

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