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Lükes Liebes Leben

Schlank am Wochenende

Montag, 23. September 2019 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Haben wir den Längsten Desch auch wieder unbeschadet überstanden. Inklusiv der alljährlichen Fragerei in den Netzwerken, wozu wir diese Sause in der Südstadt eigentlich brauchen. Brauchen wir natürlich nicht, aber der Desch ist schon seit 40 Jahren da und damit weit länger als die meisten seiner Kritiker. Die zweitägige Veranstaltung war auch nie als pussierliches Nachbarschaftsfest geplant, sondern als Möglichkeit für die Gewerbetreibenden der Severinstraße, ihre Jahresumsätze ein wenig aufzubessern. Ob das in diesem Jahr funktioniert hat, weiß ich nicht. Überall, wo es was zu futtern und zu trinken gab, herrschte zumindest passabler Andrang. Aber die besten Umsätze dürften vermutlich die Kioske gemacht haben, die gekühltes Kölsch in Flaschen im Angebot hatten.

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Zumindest am späten Samstag Nachmittag, als ich den Film bei einem entspannten Espresso bei Ludari rund eine Stunde lang an mir vorüberziehen ließ, war da kaum ein Besucher ohne Wegbier unterwegs. Natürlich schiebt da an diesen zwei Tagen eine komplette Parallelwelt durch die Südstadt. Leute, bei denen ich mich unwillkürlich frage, wo diese Leute den Rest des Jahres zubringen.

Kaufen Tätowierte Dachfenster?

Bei den Damen 50+ geht der Trend noch immer zur gelederten Sonnenbank-Bräune, mit Strass besetzten Jeansjacken, T-Shirts mit Las-Vegas-Aufdrucken, kühnen Frisuren, Bein-Tatoos auf welligem Schenkelfleisch und sonstigen Accessoires, die einen einfach jugendlicher aussehen lassen. Auch bei den begleitenden Herren wenig Neuheiten. Die Schnauzbärte gern gezwirbelt, Sonnenbrillen, mindestens leicht verspiegelt im Piloten-Look, die Leibchen noch immer vorwiegend mit Harley-Davidson-, FC- oder Johnny-Walker-Logos versehen. Kann man so machen. Und wer wie unsereins gelegentlich damit hadert, ein paar Kilo zuviel auf den Rippen zu haben, durfte sich hier zwei Tage lang wie ein gertenschlanker Adonis fühlen. Für diese Erfahrung muss man sonst in den Mittleren Westen der USA fahren. Wir bekommen es an einem Wochenende gratis vor der Haustür. Ist doch prima. Ob jetzt die Anbieter von Dachfenstern und Markisen oder die Verkäufer von PKW-Anhängern für schlappe 3500 Euro gute Geschäfte gemacht haben, weiß ich nicht. Ist mir aber auch egal. Andererseits müssen sich offenbar aber irgendwelche Menschen für sowas interessieren. Die Betreiber dieser Stände zahlen ja immerhin Stand- und Personalkosten und wenn sich das nicht irgendwie rechnete, würde sie auf solchen Festivitäten wahrscheinlich nicht mehr rumstehen.

Dackel vorm Bauch

Neu waren für mich in diesem Jahr gleich mehrere Desch-Besucher, die ihre Hunde vorm Bauch hatten. Wie man es von praktischen Baby-Tragen kennt, in denen man den Nachwuchs körpernah und warm transportieren kann, gibt’s sowas inzwischen offenbar auch für Wauwis. Nicht als zweckentfremdeter Kinder-Transporter, sondern als Spezialanfertigung für Bello. Dass es gesonderte Fahrradanhänger für Vierbeiner mit Fressnapf- und Trinkschalen-Halterungen gibt, weiß ich seit meinem letzten Holland-Urlaub, aber die Tragegurte für Kläffer kannte ich bislang noch nicht. Die Hunde, die mir da, Blick und Pfoten nach vorn, entgegenkamen, sahen jetzt für mein Dafürhalten nicht übermäßig glücklich aus, aber ich kenne mich, zugegeben, mit diesen Tieren auch nicht aus.

Sex und Eisenbahn

Noch was aus der Erotik-Branche. Über Jahre gab es am Waidmarkt/Ecke Blaubach dieses wunderbare Geschäftsensemble von einem Laden für Modelleisenbahnen, der von zwei Sexshops eingerahmt wurde. Heute sagt man Erotic-Stores dazu. Ich fand das immer irgendwie schlüssig. Weil ich mir vorgestellten konnte, dass es da zwischen Männern, die im Keller Züge im Kreis fahren lassen und Kunden für Ehehygiene-Artikel (so hieß das früher mal) eine durchaus profitable Schnittmenge geben könnte.

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Seit knapp einem Jahr ist einer dieser Sex-Shops nun dicht. Ob das dem Modell-Laden zum Nachteil gereicht hat, weiß ich nicht. Der verliebende Erotik-Store hört jedenfalls auf den Namen Erdbeermund, bietet laut Homepage von „sexy Wäsche oder Sex-Toys bis zu kleinen Helfern wie Gleitmitteln, Kondomen oder Massageölen“ an und wirbt damit, bundesweit „über 18 Filialen“ zu betreiben. Über 18. Heißt das, es sind am Ende 19 oder gar 20? Lieber Erdbeeren, investiert doch zur Geschäftsgesundung mal in eine andere Werbeangentur. Oder macht ihr die Promotion selbst? Ab über 100 macht der Spruch womöglich Sinn, um flächendeckende Kompetenz zu suggerieren. Aber 18 ist diesbezüglich einfach ein bisschen schwach auf der Brust. Oder den Brüsten.

Text: Reinhard Lüke

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Kommentare

  • Arielle sagt:

    Über 18 vielleicht im doppeldeutige Sinne von Zutritt über 18 Jahre.
    Der Teil mit den Sexshops wirkte etwas drangebastelt.
    Sonst ein ganz lustiger Artikel. Eine Rechtschreibprüfung würde ich jedoch vor Veröffentlichung empfehlen.

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