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Südstadt

„Oma Köln“

Donnerstag, 24. Juni 2010 | Text: Sonja Alexa Schmitz | Bild: Thomas Robbin, Wikipedia

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Diesmal streife ich nicht an schöne Südstadtpläze, plaudere nicht mit netten Wirtinnen und beschreibe auch nicht irgendwelche Südstadtveranstaltungen. Heute kommt es ganz anders. Schuld daran ist meine Oma.

„Oma Köln“ hätte ich sie nennen sollen, das wäre eine passende Überschrift. „Oma Südstadt“ noch idealer. Wäre aber gelogen. Ich nannte sie „Oma Königsdorf“, weil sie in Frechen-Königsdorf  geboren wurde. Vor neunzig Jahren! In einem schönen, alten Bauernhof, wo sie Kind war, Teenager (gab es die damals schon?!), Verlobte, Ehefrau, Mutter, Oma.

Am Mittwoch ist sie gestorben. Darum möchte ich einen Streifzug in ihr Leben machen. Der hat mit der Südstadt nichts zu tun. Denn sie hatte mit der Südstadt nichts zu tun. Köln nannte sie „Heimat“, aber zu ihrem Köln gehörte eigentlich nur der Hauptbahnhof, die Hohe Strasse und die Schildergasse. In einer Seitenstrasse zur Fussgängerzone machte sie ihre Ausbildung als Schneiderin und arbeitete ein paar Jahre dort. Aber das Leben war damals ja so anders. Da wurde sich morgens früh in den Zug gesetzt, zur Arbeit gelaufen, Mittagspause neben der Nähmaschine mit der metallischen Butterbrotdose, und nach Feierabend ging es schnell wieder nach Hause, weil man dort erwartet wurde. Da war die Mutter, die einen im Haushalt brauchte. Der Vater, der einen noch mit aufs Feld nahm, um dort noch ein paar Arbeiten zu verrichten.
Als sie Mann und Kind hatte wurde ihr Bezug zu Köln anders (den Mann hatte man ihr übrigens als jungen Soldat ins Haus gesetzt. Ein 17Jähriger frecher Typ, der dann einfach nicht mehr gegangen ist. Ausser in den Krieg, aber von da kam er wieder zurück). Köln war irgendwann, als sie ein bisschen Geld in den Taschen hatten, der Anlass, sich mal schick zu machen. Besuche im Theater, Kerzen anzünden im Dom, Einkaufen bei Jacobi und die alljährliche Karnevalssitzung im Gürzenich. Köln war Ausflugsziel. Kölner Zoo und Rheinspaziergänge, Picknick mit Butterbroten und hartgekochten Eiern. Keine Seilbahn über den Rhein, da fehlte der Mut.  
In Köln ging man Kaffee trinken bei Café Reichard. Wenn es ganz einen besonderen Anlass gab, auch mal Essen in einem Restaurant in der Altstadt.

„Ausgehen“ nannte man das, was für uns heute selbstverständlich geworden ist. An wie vielen Tagen in der Woche essen wir auswärts?! Wie oft gehen wir einen Kaffee trinken? Wie oft ziehen wir uns dafür um? Wie sehr freuen wir uns darauf? Erzählen wir nachher davon?

Ich werde gerade altmodisch. Ich bedaure gerade unsere Gesellschaft, wo man so vieles, was früher einmal etwas Besonderes gewesen ist, einfach so macht. Täglich.

„Zieh doch mal einen Rock an, ein Kostüm. Mach dich doch mal schick!“ sagt mein Opa sehr oft zu mir. Er versteht nicht, warum man keine Hüte mehr trägt. Damals ohne Hut hinaus zu gehen, wäre unfein gewesen. Ich habe mich immer geärgert, wenn er meine Kleidung kritisierte, warf ihm vor, nicht sehen zu wollen, dass die Welt sich verändert. „Frauen tragen Hosen Opa, ob du willst oder nicht!“ Und nun denke ich plötzlich: War doch auch schön damals. Nicht unbedingt die Kleidung, aber der Wert der Dinge. 

Ich möchte mich mal wieder freuen auf ein Restaurant. Kann ich die Zeit für mich noch einmal zurückdrehen? Mich noch einmal entwöhnen, um so aufgeregt zu werden wie die Oma einst, wenn es hieß: „Wir fahren in die Stadt.“

 

Text: Sonja Alexa Schmitz

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