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Südstadt

„Tunnel am Chlodwigplatz“ oder „Das römische Grabmal“

Donnerstag, 30. August 2012 | Text: Antje Kosubek | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

„Weißt Du eigentlich, in was für einem geschichtsträchtigen Haus Du wohnst?“ wurde ich früher ständig gefragt, nachdem ich meine Wohnung am Chlodwigplatz bezogen hatte. Mein damaliger Vermieter Heinz Gens schaffte meinem ahnungslosem Zustand sehr schnell Abhilfe und packte sofort Alben mit Zeitungsausschnitten und alten Fotos auf den Tresen seines Wäschegeschäftes. Andächtig und aufmerksam lauschte ich der spannenden Geschichte, die am Karfreitag 1965 begann.

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Die Eltern von Heinz und seinem Bruder Josef Gens wollten ihr zu klein gewordenes Haus am Chlodwigplatz 24 aufstocken. Mit Spitzhacke und Schaufel legten die Brüder im Keller das Fundament frei, um es zu verstärken. Dabei stießen sie auf riesige Steinblöcke und Quader eines fast 2000 Jahre alten Grabmals. Die Eltern informierten sofort das Römisch-Germanische Museum und ein Ausgrabungsverbot wurde angeordnet. Doch die Brüder ließen sich davon nicht beeindrucken. Zum Schein sicherten sie den Ausgrabungsplatz mit einer Bretterwand, platzierten vor dem Einstiegsloch eine Kommode ohne Rückwand und verschafften sich so heimlich weiter den Zugang. Unterstützt wurden sie in ihrer abenteuerlichen Mission von drei Freunden. Sie gruben immer weiter: „Heimlich, immer dienstags, wenn unsere Eltern ihren Theaterabend hatten.“ so Josef Gens. Sie wälzten Fachbücher und informieren sich im Deutschen Museum in München über den Bau von unterirdischen Stollen. Selbst der wöchentliche Kontrollbesuch der Museumsmitarbeiter konnte die Gruppe nicht stoppen: inspiriert von einem Film über einen Bankeinbruch, bei dem die Räuber mithilfe eines Tunnels den Tresor einer Bank ausgeraubt hatten, planten sie, ihren eigenen Tunnel so zu bauen, dass die Stelle, die die Kontrolleure einsehen konnten, stets unversehrt wirkte.

1967 – zwei Jahre später – gingen sie an die Presse und präsentierten Ihre Entdeckung. Die Sensation war perfekt. Das Kellergeschoss des Chlodwigplatzes 24 besuchten damals 15.000 Menschen, um den historischen Fund zu sehen. Josef Gens erhält nun den „Severins-Bürgerpreis 2012“ für sein Engagement, seine Leidenschaft und das, was er (und sein 2009 verstorbener Bruder) für die Archäologie und Kölner Stadtgeschichte geleistet hat, indem sie der Stadt Köln einen der bedeutendsten Funde aus der Römerzeit beschert hatten.

Meine Südsatdt: Damals waren Sie 22 Jahre alt und studierten Maschinenbau. War es nicht gefährlich, trotz des Ausgrabungsverbotes, quasi an den Eltern und der Stadt Köln vorbei, einfach weiterzumachen?
Josef Gens: „Nein, wir hatten alle im Studium Statik gehabt. Unser Team bestand aus Freunden. Einer studierte Maschinenbau, wie ich, und ein anderer Architektur. Am Anfang waren wir bei den Fundamentgrabungen noch sehr unvorsichtig. Aber nach dem Verbot wurde uns klar, dass wir nur weitermachen konnten, wenn wir in der Statik absolut sicher waren. Schließlich trugen wir die Verantwortung für die Menschen, die im Haus wohnten. So berechneten wir alles im Detail. Die Qualität dieser Berechnungen sollte uns viel später das Bauaufsichtsamt bestätigen, die unser „Bergwerk“– wir hatten immerhin bis neun Meter tief gegraben – untersuchte und danach freigegeben hat.

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1967 sind Sie mit Ihrem Geheimnis an die Presse, gegangen. Im Keller kamen damals Journalisten zu einer Pressekonferenz zusammen, sie wurden quasi über Nacht weltbekannt, denn sogar das „Time Magazine“ und die „New York Times“ berichten darüber. Erzählen Sie, was war das für ein Gefühl?
„Es gibt 180 Zeitungsartikel, die ich alle gesammelt habe. Wir hatten zuerst das Römisch-Germanische Museum benachrichtigt und danach eine Pressekonferenz mit circa 120 Journalisten anberaumt. Ich erinnere mich noch genau daran, als den einzelnen, anwesenden Redakteuren das Ausmaß des Fundes bewusst wurde – sie alarmierten sofort ihre jeweiligen Redaktionen und orderten Fotografen und weiteres Personal. Eigentlich war die Pressekonferenz nur für eine Stunde angesetzt, dauerte dann aber über drei Stunden. Uns selbst war schon bewusst, etwas Bedeutendes gefunden haben, aber diese enorme Tragweite war uns dann doch nicht klar gewesen.

Das Grabmal, neben dem bereits Clinton, Blair und Schröder 1999 während des G8-Gipfels tafelten, soll nach Ihren Erkenntnissen in seiner heutigen Re-Konstruktion nicht der historischen Realität entsprechen. Wieso?

„Ich bin der Meinung, dass dieses Grabmal anders ausgesehen hat, als es jetzt ausgestellt ist. Seit 1968 beschäftige ich mich damit und auch nach meiner Pensionierung 2006 forsche ich immer weiter. Aufgrund von Hinweisen in der Position der Statuen, sowie der Anordnung der Steine, denke ich, dass die Quader wahrscheinlich von drei verschiedenen Grabmälern stammen. Über meine Forschungsergebnisse habe ich ein Buch geschrieben, dass im kommenden  Frühjahr erscheinen wird. Außerdem halte ich zahlreiche Vorträge, wie zuletzt in der „Severinstorburg“ und im „Alten Pfandhaus“.
Sie sehen, die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Das Grabmal des Poblicius (14,70 Meter hoch) ist ein römisches Grabmonument für den pensionierten italienischen Legionär und Aufsteiger Lucius Poblicius und kann im Römisch-Germanischen Museum betrachtet werden.

Der „Severins-Bürgerpreis“, wird jedes Jahr an eine Person oder Institution verliehen, die sich in besonderem Maße um kölnische Sprache, Kultur und Lebensart sowie kölnisches Brauchtum verdient gemacht hat.
Die Verleihung des 29. Severins-Bürgerpreises an Josef Gens findet am Samstag, 1. September 2012 um 11 Uhr im Kölnischen Stadtmuseum statt.

Text: Antje Kosubek

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