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Eine Südstadt für alle! Gesellschaft Politik

Rettet die Severinstraße!

Mittwoch, 4. Mai 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

„Noch einmal üvver de Vringsstroß jonn“ – das sang Hans Knipp vor 33 Jahren über die fast einen Kilometer lange Severinstraße. Die Bedeutung für Köln ist unumstritten: An Karneval ist sie die Attraktion und wird für Fernsehen und Rosenmontagszug vermarktet. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken hat auf ihr „Laufen gelernt“, und Heinrich Böll war hier Stammgast. Die Severinstraße ist das Herz der Südstadt, sozusagen die Verlängerung der Altstadt in den Süden Kölns. Das ist die eine Seite.

 

Die andere: Heute stehen auf der Severinstraße sieben Ladenlokale leer, die meisten davon schon seit mehreren Wochen. In Kürze werden in zwei dieser Lokale Billig-Geschäfte eröffnen: ein 1-Euro-Shop und der Bekleidungs-Discounter Ernsting’s Family. Damit wächst die Zahl an Geschäften mit Niedrigpreisangebot weiter: Zwischen Severinstorburg und St. Johann Baptist scheinen Billigbäcker, Billiggemischtwarenläden, Billigbekleidungshops allmählich das Bild zu dominieren.

 

Noch immer gibt es auch Fischgeschäfte, Fleischereien, Obst- und Gemüsehändler, einen Kakaoladen, ein Kino, Kneipen, verschiedene Buchhandlungen, einen Elektromarkt, Boutiquen, Cafés, ein Pralinenlädchen, eine Weinhandlung, Lebensmittelgeschäfte und vieles mehr. Aber irgendwie scheint die Mischung nicht so recht anzukommen. Für viele Südstädter endet die Severinstrasse bereits am Severinskirchplatz, irgendwo zwischen Obs und Jemös und Ökomarkt. Aber auch in diesem belebten Teil, in einem Geschäft unweit der Severinstorburg, verrät uns eine Mitarbeiterin hinter vorgehaltener Hand: „In den letzten Monaten sind die Gehwege hier irgendwie leerer geworden. Die Geschäfte laufen nicht besonders gut„. Woran liegt das? Verderben zehn (!) Bäckereien den Südstädtern den Appetit aufs Bummeln?

Seit 2001 haben die Probleme der Straße greifbare Gründe. Erst verwandelte der U-Bahn-Bau die Hauptschlagader des Vringsveedels in eine riesige Dauer-Baustelle. Der Verkehr war blockiert, die Besucherzahlen stürzten ab. Auf die Peinlichkeit des schiefen Kirchturms folgte der Stadtarchiveinsturz. Der Nord-Süd-Verkehr in die Severinstraße war bis vor wenigen Monaten völlig ausgesetzt, das Image der Einkaufsstraße endgültig beschädigt. Zahlreiche alt eingesessene Geschäfte bangten ums Überleben, erhielten Zehntausende von Euro Überlebenszuschuss von der Stadt. Leerstände und häufige Wechsel zählen bis heute zum Alltag.

 

Die Straße vor dem Ausbluten zu retten, das sah und sieht vor allem die Interessengemeinschaft (IG) Severinstraße als Herausforderung. Angefangen hat sie vor 30 Jahren als reine Werbegemeinschaft, inzwischen tritt sie als Zusammenschluss von Geschäftsleuten, Händlern, Handwerkern, Hausbesitzern für das ganze Viertel auf – mit dem Anspruch auf Bürgerbeteiligung in allen Entscheidungen, die die Severinstraße und die angrenzenden Straßen betreffen. Erklärtes Ziel: Das Viertel soll als attraktives Wohn- und Geschäftsviertel erhalten werden.

 

Rein optisch hat die IG dieses Ziel auf der Severinstraße erreicht. Im vergangenen Jahr weihte der Oberbürgermeister die Severinstraße in neuem Glanz ein, mit breiteren und barrierefreien Fußgängerwegen, flughafen-artigen Bodenlampen, abgesenkten Bürgersteigen und weniger Parkplätzen. Der Stein, der für den Boden verwendet wurde, ist selbstreinigend, der Dreck „wäscht“ sich quasi nach jedem Regen selbst ab. Seitdem macht die Straße einen deutlich saubereren Eindruck. Die Abgänge zur künftigen U-Bahn-Linie wurden verschalt und mit Blumenkübeln besetzt.

 

Der Prozess hin zur Neugestaltung gab tatsächlich ein gutes Beispiel für Bürgerbeteiligung ab: In die Planung konnten sich auch Institutionen wie das Rote Kreuz, Behindertenverbände, Architekten und Anwohner einbringen. Koordiniert wurde das ganze von ihnen: Thorsten Fröhlich von „art+bijou“ und Jürgen Pfös von „EP: Ring Elektra“ auf der Severinstraße sind als ehrenamtliche Vorstände zwei der drei Köpfe hinter der IG Severinstraße. Der dritte: Jörg Aue, geschäftsführender Vorstand, auch „Veedelsmanager“ genannt. Ihn bezahlt die Stadt Köln – eine Maßnahme der Wiedergutmachung und Wirtschaftsförderung nach dem Archiveinsturz. 

 

Eine Menge Engagement und Herzblut dieser drei Menschen steckt in der Straße, auf der wir heute flanieren können. Warum bleibt sie dennoch ein Sorgenkind der Südstadt? Thorsten Fröhlich sieht das Problem in der Wirtschaftsentwicklung des Severinsviertels. Zwar sei die Severinstraße früher baulich in einem viel schlechteren Zustand als heute gewesen. Doch habe es damals durch Firmen wie zum Beispiel die Schokoladenfabrik Stollwerck viel mehr Menschen gegeben, die ihren Einkauf in der Mittagspause oder nach Feierabend hier erledigt hätten. Bis heute leide zudem der nördliche Teil der Severinstrasse durch den Archiveinsturz und den Umzug der „Comedia“ immens. Offenbar kann auch die Nähe zum neu entstandenen Rheinauhafen dieses Vakuum nicht füllen – die kaufkräftigen Hafenbewohner geben ihr Geld offenbar lieber woanders aus.

 

Obwohl sie mit der Neugestaltung grundsätzlich zufrieden sind, beklagen einige Geschäftsleute bis heute den Mangel an Parkplätzen. Der hat sich durch den Umbau der Straße verschärft. So muss etwa das Modegeschäft Di Perri, seit 30 Jahren ansässig, nach eigenen Angaben deutliche Abstriche machen, denn die Stammkundschaft käme auch von außerhalb der Südstadt: „Viele fahren nun doch eher in die Innenstadt“.

 

Eingeweihte Auswärtige, die mit dem Auto anreisen, nutzen den Parkplatz an der Jakobstraße. Ein richtiges Parkhaus für die Südstadt war vor einigen Jahren zwischen Joseph- und Jakobstrasse geplant, doch verhinderte der damalige Baudezernent Béla Dören das Projekt. Die wenigen Parkplätze auf der Severinstraße sind nun fast immer besetzt, häufig übrigens von den Geschäftsleuten selbst und ihren Anlieferern.

 

Ein weiterer Grund für die Flaute: Die Bewohner von angrenzenden Stadtteilen haben in den vergangenen Jahren bessere Einkaufsmöglichkeiten vor Ort erhalten und müssen nicht mehr ins Severinsviertel kommen. Besorgungen können sie vor ihrer eigenen Haustür erledigen, zum Beispiel im Goltsteinforum in Bayenthal.

 

Doch es könnte noch eine andere Erklärung geben. Zahlreiche Vringsstroß-Geschäfte scheinen die jüngste Entwicklung des Stadtteils und der Welt überhaupt verschlafen zu haben. Dem Angebot anderer Einkaufsstraßen und auch der Einkaufswelt Internet haben sie bislang noch nicht genug Eigenes, Spezielles, Kreatives entgegenzusetzen.

 

Klar, es gibt Ausnahmen. Peter Metternich von der Metzgerei Hennes zieht mit seinen kreativen Würsten und Gourmet-Aktionen Feinschmecker aus ganz Köln in die Südstadt. Familie Rinaldi vom italienischen Feinkostladen Ludari hat schnell gemerkt, dass der Südstadt einen bezahlbar-leckerer Mittagstisch fehlt. Gastronomin Ruth lockt mit schönem Ambiente, feinem Kuchen und einem sympathischen Lächeln in Pauls Schwester. Und die Jungs und Mädels vom Odeon-Kino machen mit einem spannenden Programm und interessanten Premieren auf sich aufmerksam.

 

Aber wo sind die Buchhandlungen, die mit Lesungen locken? Wo das Hotel, das  einladend, modern daherkommt? Wo ist der Bäcker, der mit Liebe gebackenes Ausnahmebrot und exzellente Brötchen anbietet? Viele Südstädter würden dafür  an den Billigbäckern vorbei in die Severinstraße pilgern! Es fehlt ein Straßencafé, in dem eine breite Auswahl an Tageszeitungen auf entspannte Gäste wartet. Und wann wird das Vringsveedel ein Bar haben, die es mit dem Kaimax aufnehmen kann? Da ist noch jede Menge Raum für Entwicklung.

 

 

So etwas braucht Zeit. Die muss man neuen, kleinen Geschäftsleuten erst einmal geben. Durch Gewerbemieten am oberen Rand, wie sie Billigbäcker und Bekleidungsketten bezahlen können, sichern sich einzelne Hausbesitzer zwar hohe und vielleicht auch sichere Einkünfte. Die Entwicklung der Straße unterstützen sie so nicht. Genau das ist das Problem, das die IG Severinstraße jetzt lösen muss.

 

Und noch eins: Es ist verwunderlich, wenn wochentags nach 18:30 Uhr außer türkischen Imbissbuden nur noch Helmut Thielen vom Buchladen „Büchermann“ Belletristik und Fachliteratur verkauft, während fast allen anderen Geschäfte in der Severinstrasse schließen. Viele Südstädter würden sicherlich auch gern noch samstags nach 14 Uhr über ihre Severinstrasse schlendern, anstatt lediglich Lebensmittelgeschäfte zu besuchen oder hochgeklappte Bürgersteige zu betreten.

 

Unser Appell an alle Immobilienbesitzer auf der Severinstraße: Gebt auch den Kleinen eine Chance!


Unser Appell an die Südstädter: Ergreift die Chance! Eröffnet Läden!  Macht endlich was aus dieser Straße!

 

Unser Appell an die Ladenbesitzer: Macht mehr aus Euch – überlasst die Zukunft nicht den anonymen Ketten!

 

P.S.: Am kommenden Wochenende (So. 15.05.2011) ist verkaufsoffener Sonntag auf der Severinstraße.

 

Antje Kosubek und Doro Hohengarten

 

 

Weitere Artikel aus der Serie „Eine Südstadt für alle!“ lesen Sie hier.

Text: Gastbeitrag

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