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Südstadt

Rhein-Forschung

Montag, 13. Oktober 2014 | Text: Aslı Güleryüz | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Immer wieder radelt man am Rhein in Höhe Bayenthal vorbei und wundert sich, was das denn da für ein Schiff ist. Kein Schiff der KD, keine „Alte Liebe“ mit Kaffee und Kuchen und auch kein Bootshaus.
„Ökologische Rheinstation Universtität zu Köln“ besagt ein Schild. Also, ein Forschungsschiff. Was machen die da? Meine Südstadt wollte sich das Schiff und seinen Auftrag näher angucken und für Euch darüber berichten.

Der Rhein ist einer der größten Flüsse Mitteleuropas. Sein Quellegebiet liegt in der Schweiz. Er mündet in den Niederlanden in die Nordsee. Sein Name stammt möglicherweise von der indogermanischen Wortwurzel für „fließen“ ab. Daraus entstanden das deutsche Verb „rinnen,“, das altgriechische Verb für „fließen“, das altindische „ritih“ (Strom) und „rinah“ (fließend), das lateinische „rivus“ (Fluss) – daraus wiederum das spanische „rio“ und englische „river“. Die größte Rheinstadt ist Köln, gefolgt von Rotterdam, Düsseldorf und Duisburg. Die Regierungssitze dreier Bundesländer Deutschlands liegen am Rhein. Etlichen Sagen, Liedern & Versen diente der Rhein als Schauplatz. Liebe- und respektvoll wird er oft „Vater Rhein“ genannt. Auch Heinrich Heine schreibt 1844 in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ über den Rhein.

Ein solch prominenter Fluss mit rund 1230 km Länge verdient ein Forschungsschiff. 865 Kilometer fließen durch Deutschland und bei Rheinkilometer 684,5  liegt die Ökologische Rheinstation der Universität zu Köln seit 1998. Aus zwei alten Rheinschiffen wurde die Station gebaut, aus Baden 24 (1885) und der Desdemona (1912). Das ganze Jahr über wird hier geforscht, was einzigartig ist im deutschsprachigen Raum. Dr. Georg Becker öffnet uns die Gittertür und bittet uns auf das schwimmende Labor.

 

Meine Südstadt: Kann man den Fisch aus dem Rhein essen?
Dr. Georg Becker: Ja, das ist kein Problem mehr. Die Wasserqualität in der Wasserwelle ist gut. Schwermetalle sind im Bodensediment noch vorhanden und wenn sich das Wasser aufwühlt, kommen sie im Wasser vermehrt vor. Im Sediment gibt es noch kritische Werte. Der Aal vom Niederrhein darf nicht gegessen werden. Der buddelt sich in den Boden.

Was forschen Sie hier?
Wir erforschen, wie viele wirbellose Tiere, Mikroorganismen, Pflanzen und Fischarten im Rhein leben. Wir betreiben Grundlagenforschung. In welchem Verhältnis stehen die Lebewesen zueinander? Wie sind ihre Lebensbedingungen? Was passiert, wenn sich die Bedingungen verändern? Beispielsweise beträgt die Wassertemperatur im Rhein in der Regel 23 Grad Celsius. Steigt sie über 25 Grad Celsius wird es kritisch für die Lebewesen. Wie filtern Muscheln und Einzeller das Rheinwasser?

Es gibt auch Arten, die nicht ursprünglich aus dieser Region stammen, wie z. B. den Amerikanischen Flusskrebs und die Chinesische Wollhandkrabbe, wie sind die hierhin gekommen?
Der Amerikanische Flusskrebs ist ein so genannter Neueinwanderer  – Neozoa. Nach der Entdeckung Amerikas 1492 nahm die globale Schifffahrt zu und führte dazu, dass Tiere unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein ihnen zuvor nicht zugängliches Gebiet gelangt sind. So wurde der Amerikanische Flusskrebs vor ca. 100 Jahren eingeführt. Er hat sich sozusagen an den Schiffen festgeklebt und ist nach Europa gekommen. Der Europäische Flusskrebs galt als Delikatesse. Der Amerikanische Krebs hat ein Problem mitgebracht: eine toxische Alge. Die amerikanischen Flüsse sind immun dagegen. Doch in Europa kennt man diese Alge nicht. Daher sind die hiesigen Edelkrebse ausgestorben.


Die Chinesische Wollhandkrabbe ist als Larve im Ballastwasser von Schiffen hierher gekommen. Sie ist das größte wirbellose Tier im gesamten Rheinsystem. Wie überleb sie hier? Ihre Besonderheit ist, dass sie sich nur im Salzwasser fortpflanzt. Die Krabben laufen am Niederrhein los und wandern dann als Erwachsene wieder bis zur Mündung. Sie entwickeln sich nur im Salzwasser. Sie graben Röhren in die Ufer. Sie können Nylon durchbeißen. Wir wissen nicht, wie viele sie sind. Sie sind schwierig zu fangen und könnten gefährlich für die Lebensgemeinschaft werden.
Die Dreikant-Muscheln sind zum Problem geworden. Sie graben sich nicht ein, sondern sie sitzen auf Steinen. Sie setzen auch Wasserrohre zu und verstopfen sie. Es kostet viel Geld, sie zu säubern. So werden sie zum wirtschaftlichen Problem.

Sie haben ein Fließwasser-Labor auf dem Schiff. Was ist das? Hier plätschert es überall durch verschiedene Behälter
Wir haben die Situation im Rhein auf Land nachgebaut. Der Rhein fließt sozusagen durch das Labor. Die Lebewesen, die man im Rhein findet, leben hier in unseren künstlichen Kanälen. Mein Vorgänger war ein großer Tüftler. Er hat fast die ganze Anlage selbst gebaut. Das Wasser, das durch die Kanäle fließt ist dem Rhein entnommen. So können wir die natürlichen Bedingungen nachempfinden und darüber forschen. Selbst die Fließgeschwindigkeit des Wassers können wir einstellen. Das Rheinwasser fließt durch die verschiedenen Muschel- oder Biofilmkulturen unter ähnlichen Bedingungen wie im Rhein. So können wir die Qualität des Wassers und des Bodens erforschen. Beispielsweise öffnen sich die Muscheln, wenn sie atmen. Das deutet auf eine gute Wasserqualität hin. Wenn sie schlecht ist, sind die Muscheln geschlossen. Wir befestigen Magneten an den Muscheln, die mit dem Computer verbunden sind und überwachen die Muscheln. Wir forschen über die Entwicklungsstrategien der Lebewesen. Stehen sie in Konkurrenz zueinander? Wie sieht ihre Lebensgemeinschaft aus? Stehen sie in Raumkonkurrenz? Wie reagieren die Schnecken auf ihr Futter? Welchen Biofilm bevorzugen sie? Wir forschen auch über die Rückkehr der Eintagsfliege Ephoron virgo hier. Die Fliege war plötzlich verschwunden und tauchte nach fast 50 Jahren wieder auf. Sie verursachte große Schäden an Brücken, da sie sie in Massen belegten, die Sicht der Autofahrer behinderten und einen rutschigen Film bildeten, wie Glatteis. Im Labor ist die Aufzucht der Larven aus Eiern sehr aufwändig. Im fließenden Rheinwasser, das den filtrierenden Larven ihr Futter bringt, ist es leichter. In unserem Fließwasserlabor lassen sich die Ephoron-Larven unter naturnahen Bedingungen gut beobachten.
Außerdem kontrolliert die RheinEnergie die Wasserqualität. Zwei bis drei Mal die Woche entnehmen sie Proben, messen Sauerstoff, PH-Wert und Schwermetalle im Wasser. Die sind inzwischen alle unter der kritischen Grenze.

 

Was geschieht noch an Bord?
Wir haben hier einen Seminarraum. Regelmäßig kommen die Studenten im Rahmen ihrer teilweise englischen Studiengänge hierhin. Außerdem hat der Ruderverein der Universität fünf Boote hier, die ständig in Nutzung sind. Wir versuchen, einen Tag der Offenen Tür zu organisieren. Für Schulklassen bieten wir Führungen auf Termin an. Und der Hausmeister wohnt an Bord.

Vielen Dank für die lehrreiche Führung, das Gespräch und die Möglichkeit, Sie an Bord besuchen zu dürfen.
 

 

Mehr im Netz

Rheinstation Uni Köln: http://rheinstation.uni-koeln.de/rheinstation.html?&L=0

Text: Aslı Güleryüz

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