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Kultur

Sex mit 17? Macht euch keinen Druck!

Montag, 12. Januar 2015 | Text: Alida Pisu | Bild: Comedia Theater

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wie eine Seite aus dem Lehrbuch für Ornithologie sieht der Bühnenprospekt aus: bunte Vögel, Federn, Vogelköpfe mit Kämmen und Hauben. Und wie eine Lehrstunde in Sachen Sexualität kommt im Comedia Theater das Stück „Am Ende ist man immer nur wer anderes“ daher. Welche Probleme und Ängste Jugendliche in Bezug auf Sexualität haben, wie sie über Sex denken, ihn erleben, kurz und gut: alles, was man übers „Vögeln“ wissen muss, zeigt uns das Jugendtheater Strahl in einer dichten Folge teils sehr origineller Bilder. Und überraschender Erkenntnisse.

Gleich zu Beginn die erste Erkenntnis: „Die Zahlen von heute: ihr seid 87 Zuschauer, davon 64 Mädchen und 23 Jungen. Mit 17 Jahren hatten zwei Drittel von euch schon Sex. 29 % der Mädchen und 76 % der Jungen haben in den letzten 12 Monaten mastubiert“, so Anna, eine der Akteure. Spricht‘s, steigt herab von der Bühne und zählt im Zuschauerraum ab: „Jedes dritte Mädchen hatte schon Sex: 1, 2, 3; 1, 2, 3…“ Schon ist das Bühnengeschehen auf das Leben der Zuschauer übertragen. Das ist nur konsequent, denn ihr „Arbeitsmaterial“ haben Regisseurin Hannah Biedermann und Autorin Azar Mortazavi aus Interviews und Gesprächen, die sie mit Berliner Jugendlichen geführt haben.

Aus ihren Recherche-Ergebnissen, eigenen Erinnerungen, Studien und Zeitungsartikeln, entwickelten sie eine Spielfassung, die von Randolph Herbst, Selin Kavak, Mehrdad Taheri und Anna Trageser locker vom Hocker, pardon: vom Hüpfball, dem wichtigsten Requisit, präsentiert wird. Dabei sind sie Suchende, sie stellen Fragen, die man sich kaum zu stellen wagte und die ehrlich zu beantworten, mitunter überaus peinlich wäre. Aber von Peinlichkeit keine Spur, es macht sich eher Heiterkeit breit, wenn die Schauspieler nervende Eltern geben: „Bringst du denn bald mal jemanden mit?“ „Du weißt, dass du mit uns über alles sprechen kannst.“ „Wir sollten über die Pille reden.“

Nach der Pille der Porno. 89 % der Jungen und 63 % der Mädchen hatten mit 16 Jahren bereits Kontakt mit Pornos. (Diese Zahlen werden, wie alle anderen Zahlen auch, auf der Leinwand zum Mitlesen präsentiert.) Was sich besorgniserregend anhört, löst sich in der Szene, in der das Schauspieler-Quartett „Porno gucken“ spielt, in einer Absurdität sondergleichen auf. Da sitzen sie nebeneinander auf ihren Hüpfbällen, ein Lutscher geht von Hand zu Hand und ein Porno flimmert vor aller Augen über die Leinwand. Allerdings nicht in Bildern, sondern nur im Text: „Nahaufnahme einer wackelnden Brust. / Zoom auf die Brustwarze. / Komm, gib‘s mir. / Schnitt. / Das verschwitzte Gesicht des Mannes.“ Ein wunderbarer Regie-Einfall, der den Blödsinn, Sexualität und Liebe auf bloßes Gerammel und Gestöhne und auf nacktes Fleisch zu reduzieren, ebenso einfach wie effektiv in seiner ganzen Hohlheit entlarvt.  

Denn es geht Jugendlichen heute wie gestern ja nicht nur um den Akt an sich, es geht ihnen viel drängender auch um Themen wie die der sexuellen Identität. Ob Hetero oder Homo, das sucht sich niemand aus. Wer aufkeimende Gefühle für das eigene Geschlecht entdeckt, ist erst einmal verunsichert. Hat in der Schule Getuschel auszuhalten, muss sich rechtfertigen: „Bist du sicher?“, Kommentare anhören: „Das wächst sich wieder aus.“ Nein, es wächst sich eben nicht wieder aus.
Und auch da wieder herrlich, wie der Spieß umgedreht und Normalität hinterfragt wird. Über die Leinwand flimmern hanebüchene Fragen: „Woher kommt deine Heterosexualität?“ „Wissen deine Eltern, Familie und Bekannte, dass du heterosexuell bist?“ „Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und du diese Phase überwinden wirst?“ Da kann man eigentlich nur drüber lachen, obwohl es für diejenigen, die es betrifft, bitterer Ernst ist.

Wie der Pott seinen Deckel findet, verrät uns das Kapitel über die peinlichsten Flirt-Tipps. Die Bühne wird zum Laufsteg, die Akteure sitzen wie Models auf ihren Hüpfbällen und schlendern einer nach dem anderen hüftenschwingend über den Laufsteg, um ihre Tipps zum Besten zu geben. „Mein Name ist Mehrdad und du wirst ihn heute Nacht mehrmals schreien.“ „Ey, komm doch zu mir, sonst nehme ich die Pille umsonst.“ Das ist urkomisch anzusehen und erweitert das eigene Anbagger-Repertoire immens.

Und trotzdem: es ist gut, dass die Szenerie in Ratlosigkeit endet. Denn zum Schluss steht jeder für sich allein, hat noch eine letzte Frage: „Wird es mir irgendwann egal sein, was andere über mich denken?“ Eine Frage, auf die niemand eine Antwort gibt. Nur eines ist klar, die Message des Stücks: wenn es um Sex geht, dann macht euch keinen Druck!

 

 

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Die nächsten Termine:
12., 13., (11.00 und 19.00 Uhr), 14. Januar 2015 (11.00 Uhr)
COMEDIA Theater, Vondelstraße 4-8, 50677 Köln

Text: Alida Pisu

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