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Kolumne

Simma dabei!

Dienstag, 12. November 2013 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Letztens fand sich in meiner täglichen Elektropost vom WDR eine Mail mit einer Pressemappe zum Karneval im Anhang. Umfang: sieben Seiten. Och, dachte ich bei mir, da übt sich unser Heimatsender diesmal aber in lobenswerter Zurückhaltung. In der Vergangenheit übertrug der Jecken-Kanal doch in den letzten Wochen vor Rosenmontag so ziemlich jede Kappensitzung zwischen Würselen und Bad Sassendorf. Und die dazugehörige Mappe der WDR-Pressestelle mit allen Sendungen in Radio und Fernsehen hatte ungefähr Stärke eines Quelle-Kataloges. Aber diesmal nur sieben Seiten. Respekt. Sollte da womöglich der neue Intendant ein Machtwort gegen den galoppierenden Schwachsinn…? Kaum. Herr Buhrow lässt ja keine Gelegenheit aus, um sich als rheinische Frohnatur zu präsentieren. Aber lesen hilft. Auch in diesem Fall. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Schriftstück als Pressemappe zum 11.11.!

Letztens fand sich in meiner täglichen Elektropost vom WDR eine Mail mit einer Pressemappe zum Karneval im Anhang. Umfang: sieben Seiten. Och, dachte ich bei mir, da übt sich unser Heimatsender diesmal aber in lobenswerter Zurückhaltung. In der Vergangenheit übertrug der Jecken-Kanal doch in den letzten Wochen vor Rosenmontag so ziemlich jede Kappensitzung zwischen Würselen und Bad Sassendorf. Und die dazugehörige Mappe der WDR-Pressestelle mit allen Sendungen in Radio und Fernsehen hatte ungefähr Stärke eines Quelle-Kataloges. Aber diesmal nur sieben Seiten. Respekt. Sollte da womöglich der neue Intendant ein Machtwort gegen den galoppierenden Schwachsinn…? Kaum. Herr Buhrow lässt ja keine Gelegenheit aus, um sich als rheinische Frohnatur zu präsentieren. Aber lesen hilft. Auch in diesem Fall. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Schriftstück als Pressemappe zum 11.11.! Sieben Seiten! Nur fürs Humptata an diesem Gaga-Tag im November! Der Elfte im Elften – hoher kölscher Feiertag. Endlich wieder ein Anlass, sich zum Lappenclown zu machen, schon tagsüber Kölsch zu bechern, Lieder mit schlichten Melodien und sinnfreien Texte zu grölen und zu feiern. Aber was feiern die Kölner da eigentlich? In erster Linie sich selbst. Wie immer. Ich kenne zumindest keine deutsche Ansiedlung, deren Bewohner sich derart an ihrer Stadt und sich selbst berauschen wie wir das tun. Klar, es gibt auch Lieder über New York, London, Paris und Gütersloh. Aber alle zusammengenommen, dürften sie nicht an die Menge kölschen Liedguts heranreichen, im dem unaufhörlich die Schönheit und Liebenswürdigkeit der Stadt gepriesen wird. Und das völlig grundlos. Oder muss man Immi sein, um zu diesem Urteil zu gelangen?  Okay, ich bin einer. Westfale. Schlimmer noch: Ost-Westfale. Stamme also aus einer Gegend, in der ein Begrüßungs-Dialog exakt zwei Worte umfasst: „Und?“ – „Muss.“ Wer mehr sagt, gilt als Frohnatur und Plaudertasche.

Schunkel-Stau?

Derart sozialisiert, erinnere ich mich noch genau an meine erste Begegnung mit dem Elften Elften in Köln. Ich hatte gerade zum Wintersemester mein Studium an der Uni (mehr oder weniger) aufgenommen, als an einem trüben Novembertag plötzlich ein paar Kostümierte in der Vorlesung saßen. Nette Studenten, die in den wenigen Wochen davor eigentlich keinerlei Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hatte. Auf meine Frage, ob das womöglich irgendeine originelle Protestform gegen irgendwas sein sollte, hieß es nur: „Häh? 11.11.! 11 Uhr 11, Altermarkt! Sessionseröffnung!“ Den Begriff „Session“ kannte ich bis dahin nur in der englischen Variante als musikalische „Jam Session“, aber man lernt ja dazu. Und nach mehreren Jahrzehnten Südstadt bin ich zwar noch immer kein Karnevals-Jeck, habe aber inzwischen ein relativ entspanntes Verhältnis zu der ganzen Narretei. Nur dieser Elfte im Elften ist mir nach wie vor ein Rätsel. Ist das einfach Schunkelstau nach der entbehrungsreichen Zeit seit Aschermittwoch? Hält der Kölner es einfach nicht mehr aus? Waren die Oktoberfest- und Après-Ski-Sausen dann doch kein vollwertiger Ersatz? Und warum ausgerechnet der 11.11. Weil´s irgendwie lustig ist? Schnapszahl und so? Ginge also auch am 12.12? Nö. Da ist in der Altstadt schon Weihnachtsmarkt. Aber warum drängt es die Massen dann nicht schon am 10.10. ins Kostüm? Wäre doch die Durststrecke kürzer.
Habe ich inzwischen schlau gemacht und weiß nun, warum im November geschunkelt werden muss. Steckt natürlich mal wieder die katholische Kirche dahinter. Die hatte im 19. Jahrhundert ihren Schafen auch vor Weihnachten eine vierwöchige Fastenzeit verordnet. Was in Köln natürlich ein willkommener Anlass war, es vorher noch mal richtig krachen zu lassen. Fasten is nich mehr, aber Lustigsein auf Knopfdruck läuft noch immer wie geschmiert. Wundere mich nur, dass noch kein Funktionärs-Jeck auf die Idee gekommen ist, am 11. 11. einen Umzug zu veranstalten. (Oder sollte mir das was entgangen sein?) Macht aber vielleicht auch nix. Wer sich heute unbedingt kostümiert im Klump bewegen will, kann sich ja einem der Martinszüge anschließen, die doch sicher auch noch irgendwo unterwegs sind.  

Närrische Demos

Wie der der Kölner an sich ja überhaupt gern umherzieht. Schließlich gewinnt hier so ziemlich jede Demo irgendwann Züge eines Karnevalszuges. Das mit dem Geisterzug ist ja auch so eine irre Nummer. Sowat jibbet nur in Kölle. Zur Erinnerung für die Vergesslichen und Spätgeborenen: Nachdem die Iraker Ende 1990 dreist in Kuwait einmarschiert waren, kündigten die USA militärische Gegenmaßnahmen an. Logisch, der Wüstenstaat wurde ja auf Erdöl errichtet. Die Invasion der US-Boys fand dann unter nächtlichem Bombardement im Januar 91 statt und wurde live im Fernsehen übertragen. Woraufhin die rheinischen Frohsinnsfunktionäre für diese Session aus Pietätsgründen, wegen Krieg und so, den Straßenkarneval absagten. Also: kein Rosenmontagszug in Köln und Konfetti nur hinter verschlossen Türen. Was nun ein paar links-alternative Spaß-Anhänger nachvollziehbar einigermaßen lächerlich bis verlogen fanden. Irgendwo ist schließlich immer Krieg. Also rief man den Geisterzug ins Leben. Eine Mischung aus Anti-Kriegs-Demo und Protestmarsch gegen die Verlogenheit des offiziösen Karnevals. Schön und gut. Im Jahr darauf war eigentlich alles wieder normal. Die kuwaitischen Öl-Lieferungen waren wieder sicher, andere Kriege spielten keine Rolle und in Köln liefen die Vorbereitungen für die diversen Umzüge wie gehabt. Also, bei Licht betrachtet, eigentlich kein Grund mehr, noch einmal einen Geisterzug zu veranstalten. „Och, das ist aber schade, war doch so schön gewesen“, dachten sich die Verantwortlichen und beschlossen, auch in der aktuellen Session samstags wieder mit Samba trommelnden Studienräten ums Eck zu ziehen. Irgendein politisches Motto („Für noch mehr Abrüstung“ oder so)  würde sich wohl finden lassen. 22 Jahre später ist aus der ursprünglichen Protest-Demo ein fester Bestandteil des kölschen Straßenkarnevals geworden, der in den offiziellen Touri-Prospekten  der Stadt zur fünften Jahreszeit als originelle Attraktion beworben wird. Letztmals für heute: irre!

Eigentlich wäre jetzt hier auch der Ort, sich mal über die Lächerlichkeit der Stunksitzung auszulassen. Aber ich lass das jetzt mal. Ist ja noch Zeit bis zu deren Start Ende Dezember. Muss ja schließlich fit sein für die Sessionseröffnung. Da simma doch dabei. Zumindest im TV. Sieben Seiten!  

 

 

Foto: Weiberfastnacht in Köln, 2013/Fotograf: Dirk Gebhardt

Text: Reinhard Lüke

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