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Kultur

Stadtgeklimper

Dienstag, 18. Juli 2017 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Theo ist achtzehn und hat gerade sein Abi in der Tasche. Und wie viele junge Menschen zwischen Schulende und Ausbildung oder Studium will er erstmal reisen und sich ausprobieren. Eine Europatour steht an und dann mal in einen Beruf reinschnuppern, bei niemand Geringerem als Steinway will er sich bewerben.

„Um ein wirklich guter Klavierstimmer zu werden, braucht man viele Jahre, ich bin davon weit entfernt, aber ich würd´s gern lernen!“ sagt er mit Nachdruck, während er an den Saiten eines alten Klaviers mit dem Stimmschlüssel werkelt.

Jazzpianist als Vorbild

Theo spielt Klavier, seit er fünf Jahre alt ist und wenn man neben ihm im Erker seines Elternhauses im Vringsveedel sitzt, während er eine Chopin-Nocturne auf dem Flügel spielt, dann kommt man leicht ins Träumen. Mit Leichtigkeit wechselt er anschließend in ein anderes Fach und haut lässig das Chili-Gonzales-Stück „Oregano“ in die Tasten. „Ja, Chili Gonzales ist mein absolutes Vorbild, das war wirklich mein Highlight, als ich bei seinem Konzert in der Lutherkirche mit auf die Bühne zum Assistieren durfte“, begeistert er sich.

 

 

Und das, wo er nichtmal eine Karte gehabt habe, sondern auf gut Glück hingefahren sei. „Und ein Freund von mir, der da in der Gemeinde mitmacht, konnte mir und meiner Mutter dann doch noch ein Ticket beschaffen. Dann suchte Chili Gonzales einen Freiwilligen und ein paar Sekunden später war ich auf der Bühne, voll geflasht, nur noch mit breitem Grinsen, die ganze Zeit“, fährt Theo fort. Einzelne Sounds und Akkorde vom Synthesizer sollte er mit passendem Einsatz dem Live-Spiel des Jazz-Pianisten zuspielen und das Handyvideo, das seine Mutter davon drehte, zeigt, wie happy ihn das gemacht hat.

„Einfach nur toll!“

„Früher, am Anfang war das mehr so Üben, also so als Pflicht“, erinnert sich Theo an die Anfänge seines Klavierspiels. Inzwischen mache es einfach immer nur Spaß. Spaß, der ihn auch schon bei Jugend-musiziert-Wettbewerben hat gewinnen lassen und der ihn im Gespräch mit Freunden zu einem für viele Musiker nahe liegenden Thema führte: Straßenmusik. Mit Klavier? Aber ja. „Am Anfang war ich selbst ganz unsicher, ob ich mich das überhaupt traue, ob das überhaupt funktioniert mit dem Klavier auf der Straße. Aber als ich dann da stand, war es einfach nur toll.“

 

 

Mal davon abgesehen, dass er zuerst ein altes Klavier für hundert Euro ersteigerte, es auf ein Brett schraubte, unter das er mittig eine Achse mit zwei Ballonreifen montierte, Zylinder, Stützkeile und Klavierhocker verstaute und es dann, in Kippelstellung auf die Straße schob – erst nur hier in seinem Heimatviertel, später dann aber auch an allen möglichen anderen Orten in Köln. Ob Eierplätzchen, Severinstraße, Deutzer Rheinboulevard, Rheinbrücke oder Heumarkt – überall taucht Theo nach Lust und Laune nachmittags oder abends auf und spielt – zur Freude vieler Passanten, die ihm fröhlich ein paar Münzen in den aufgestellten Zylinder werfen.

„Immer passiert etwas Neues“

„Man erlebt ganz, ganz viel“, so Theo, der es als Bereicherung empfindet, dass er durch seine Straßenklaviermusik so viele positive Kontakte mit Menschen hat. Viele Leute schenkten ihm auch was, Bilder, Karten, Zettel mit „Danke für das schöne Konzert“ drauf oder Ähnlichem. All das hebt Theo auf und erzählt: „Oder dann setzt sich da so ein Obdachloser neben Dich und ich denke erst so, na, ob das ok ist, auch so wegen Alkohol und so und dann wünscht er sich was von Chopin und schmeißt mir noch eine Münze in den Hut – das sind Momente, die einen einfach sehr berühren. Das motiviert einen, jedes Mal wieder dann da draußen zu sitzen, denn immer passiert irgendwas Neues!“

 

Aber auch finanziell war das letzte Schuljahr am Humboldt-Gymnasium, in dem Theo als Straßenpianist unterwegs war, ganz ok – von dem Geld, das er sich zusammengeklimpert hat, konnte er sich einen alten Transporter leisten und umbauen. Und mit dem fährt er jetzt mit seiner Freundin durch Europa – das „kleine Straßen-Klavier“ kommt natürlich mit. „Damit will ich die Reise finanzieren, einfach überall spielen“, sagt Theo.

Wir sind gespannt auf seine Rückkehr und freuen uns schon, dass er dann wieder hier bei uns zu hören sein wird – gute Reise, Theo!
 

Text: Judith Levold

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