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Kultur

Tollster Tag, dramatische Situation

Freitag, 26. Oktober 2018 | Text: Alida Pisu | Bild: Theater Köln Süd

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Als ich den Probenraum des „Theater Köln – Süd“ betrete, gerate ich mitten in eine Gerichtsverhandlungs-Szene. Anwälte, Klägerin und Beklagter streiten sich, dass die Fetzen fliegen. Kennt man ja aus dem realen Leben. Was man eher nicht kennt: für die nächste Szene wird eine Leiche gebraucht. „Stirb mal schnell“, ruft Regisseurin Franziska Winterberg einem Freiwilligen unter dem Gelächter des Ensembles zu. Kaum ist er mausetot, wird er von einer Zofe, die sich als seine verkleidete Frau entpuppt, entdeckt und beweint.

„Der tollste Tag“, Peter Turrinis Version der „Hochzeit des Figaro“, ist die siebte Produktion des ambitionierten Amateurtheaters. Neben ihrer Arbeit als Lehrer, Journalisten und anderen „normalen“ Berufen investieren die Mitglieder viel Zeit, Engagement und Begeisterung in ihre Theaterleidenschaft. Grund genug, sich mit ihnen darüber zu unterhalten.

Wie kamt Ihr aus dem Alltagsleben zum Abenteuer der Schauspielerei?
Cornelia Matusch: Franziska hat vor zehn Jahren Flyer verteilt, dass sie Leute für eine Theatergruppe sucht. Wir haben uns im „Spielplatz“ am Ubierring getroffen. Sie hat uns dort improvisieren lassen zu „Liebe“ und „Hass“, mit vollkommen fremden Leuten.
Ingrid Peuster: Und sie hat alle genommen. Von den Allen sind einige geblieben, es sind aber auch neue dazu gekommen. Es gibt Leute, die haben schon als Schüler gespielt, ich habe mit der Gründung des Theaters erst angefangen. Ich bin damals in die Südstadt gezogen, das hat meinem Leben einen neuen Wandel gegeben, da passte das Theater gut rein.
Cornelia Matusch: Wir sind in der Südstadt tief verankert, deshalb sind wir sehr unglücklich darüber, dass unsere Spielstätte, die Theo-Burauen-Schule, nächstes Jahr geschlossen und abgerissen wird. Wir sind dann obdachlos und das ist für uns eine dramatische Situation. Einen Theater-Raum zu finden, den man sich als freies Theater leisten kann, ist in der Südstadt ein fast unlösbares Problem. Wir haben schon offizielle Anfragen an die Stadt gerichtet, aber bisher erfolglos.

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Jutta Hölscher: Im alten Rautenstrauch – Joest – Museum am Ubierring z. B. ist eine komplette Bühne. Ich verstehe nicht, warum es leer steht, das ist ein Skandal.

Dann rufen wir unsere Leser jetzt dazu auf, sich an Euch zu wenden, wenn sie eine mögliche Spielstätte für Euch kennen! Manchmal läuft es ja so: ich kenne jemanden, der jemanden kennt…! Zurück zum Thema. Was motiviert Euch, ein ganzes Jahr lang für eine Produktion, die dann zehn oder zwölf Aufführungen erlebt, zu arbeiten?

Ingrid Peuster: Man kommt der Kunst sehr nahe, wenn man sich ihr so intensiv widmet. Aus der Richtung der Musik, der Sprache und der wunderbaren Interpretation, wie Franziska sie leistet. In Hanspeter Katzenburg haben wir auch einen hervorragenden Musiker, der uns toll führt.
Cornelia Matusch: Es hat auch einen psychologischen Effekt. Man trainiert sich mehr Selbstbewusstsein an, es gehört Mut dazu, sich auf die Bühne zu stellen, zu sterben, zu schreien. Auch Menschen zu küssen, zu berühren, ist in unserer Kultur nicht so üblich. Und es ist ein wahnsinniges Erfolgs- und Gruppenerlebnis, wenn man hinterher da steht und Applaus bekommt. Das schweißt uns sehr zusammen.

Man muss während der Proben mit der harten Kritik der Regisseurin umgehen können.
Jutta Hölscher: Oh ja! Und es ist auch ein Prozess. Wir können nicht sagen: „Wir sind jetzt fertig und das üben wir so ein.“ Bis kurz vor der Generalprobe kann es noch radikale Änderungen geben.
Cornelia Matusch: Dass ganze Szenen gestrichen werden, weil sie vielleicht nicht funktionieren und Franziskas und unseren Ansprüchen nicht genügen.
Ingrid Peuster: Ich bin jetzt 61 Jahre und das Ganze bewirkt für Menschen in meinem Alter, dass man offen bleibt und dass man Anforderungen an sich selbst stellt. Auch die Gruppe und die Regisseurin stellen Anforderungen, denen man gerecht zu werden versucht. Das impliziert, dass man in einer Entwicklung bleibt.
Andrea Bänker: Wir bearbeiten ja immer Urthemen der Menschheit. Es geht nicht um irgendetwas, sondern es geht um das Thema darunter, meist urtypische Geschichten, mit denen wir uns herumschlagen. Da die Feinheiten herauszuarbeiten: worum geht es wirklich? Und was ist der Schein des Scheins? Wir spielen da ganz mehrschichtig und das ist eine tolle Herausforderung.

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Macht Ihr auch die Arbeit hinter den Kulissen?
Jutta Hölscher: Ja, wir haben Orga-Gruppen: für Pressearbeit, Bühne, Kostüm, wir machen aber alle irgendwie mit. Wir stecken da alle sehr viel Arbeit ein.
Andrea Bänker: Manchmal gibt es eine Spende, dieses Mal können wir uns einen Gewandmeister leisten, aber wir haben die Kostüme selbst entworfen.

Dann darf man sich ja auf ein farbenprächtiges Bild freuen. Vielen Dank für das Gespäch!
„Der tollste Tag“ von Peter Turrini
Termine: Premiere 28. Oktober (ausverkauft), 1. – 4., 9. – 11. 16. – 18, November
Theo-Burauen-Realschule, Severinswall 40, 50678 Köln

Text: Alida Pisu

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