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Gesellschaft

Vom muffelnden Geist und dem Mut zu kämpfen (Teil III)

Dienstag, 12. Oktober 2010 | Text: Betsy de Torres | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Klaus von Wrochem wohnt auf der Mainzer Straße. Als „Klaus der Geiger“ hat er viel erlebt in seinem Leben zwischen Straße und Knast – nur wenige Südstädter haben Zeitgeschichte von unten so mitgestaltet wie er. Wir widmen Klaus von Wrochem deshalb ein ausführliches Interview in drei Teilen. Heute lest Ihr den dritten und letzten Teil auf „Meine Südstadt“.

 

 Meine Südstadt: Zurück zur Südstadt der 80er Jahre…
Klaus von Wrochem: Das hier war eine Sponti-Ecke.

„Sponti“?

Spontis sind so wie ich. Spontan. Fällt dir gerade was ein (klatscht in die Hände), musst es gemacht werden. Fertig!

So wie die Stollwerck-Besetzung Pfingsten 1980, als du dich gemeinsam mit 500 anderen Südstädtern gegen den Abriss der Stollwerck-Fabrik durch die Stadt zur Wehr gesetzt hast? Wie war das?
Wir wollten uns wehren! Zum Beispiel gegen die zu hohen Mietpreise. Es war eine sehr starke, anarchistische Bewegung. Das Stollwerck war ein rechtsfreier Raum.

300 Menschen haben dort „normal“ gewohnt. Manche haben sich das toll mit Tüchern abgetrennt und andere wohnten in ihrer eigenen Scheiße. Beide waren sie akzeptiert. Manche waren echt blöd, die wollten nur saufen und „H“ (Heroin, Anm. d. Red.) und Koks und so Zeugs nehmen, am laufenden Band. Es gab Klopperei und Siff. BOAH (schüttelt den Kopf), unglaublich viel Siff. Die dicke Drogenszene hat es im Endeffekt dann auch kaputt gemacht. Da sind wir wirklich auf dem Prüfstand gekommen mit unserer Art des Gerechtigkeitsempfinden und -suche. Das war eine höchst interessante Nummer.

„…Nein, nein, wir woll´n nicht euere Welt, wir woll´n nicht eure Macht, wir woll´n nicht euer Geld!  Wir wollen nichts von eurem ganzen Schwindel hör´n: Wir wollen euren Schwindel zerstören!“
(Stollwerck-Lied 1)

Würdest Du das heute genauso machen?
(lacht) Nein! Meine anarchistische Einstellung, dass jeder machen darf, was er will, wäre nicht mehr drin. Die Leute müssen sich schon engagieren in einer Sache. Auf gar keinen Fall darf es so sein, dass ein Individuum machen kann wat et will, rücksichtslos gegenüber den anderen. Man hat eine Verantwortung, wenn man zusammenlebt. Eine Verantwortung füreinander.

Wofür kämpfst Du heute?
Ich kämpfe seit 1973 für das gleiche: Für die Friedensbewegung und gegen Kriege, gegen Atomkraftwerke, für Gerechtigkeit…

Ist der Kampf anders?
Ja. Die Menschen heute haben scheinbar noch weniger Interesse, sich gegen die Machtverhältnisse zu wenden und sich für ein gerechteres und sinnvolleres Leben zu engagieren.

Erzähl mal, worum ging dein letztes Lied?
Mein letztes Lied ist ganz interessant. Möchtest Du es hören?

Gerne!
Das Lied habe ich vor einer Woche geschrieben. Es heißt: „Hör mal, Mann!“

„Hör mal, Mann, du motzt ja nur noch rum, das Wetter ist zu heiß, die Menschheit zu dumm, die Zivilisation, sie hat uns korrumpiert, jeder hat nur Angst, dass er was verliert. Angst und Bange – das leitet dich. Hör mal Mann, wen meinst du eigentlich?  Also, ich meine mich!
Dabei ist das Leben doch so schön, deine Augen tun das nicht sehen und deine Ohren hören nicht den Klang des Lebens, oh nein, dieser Klang der macht Bang und dein Geist der muffelt so vor sich hin und die Seele sehnt sich nach Lebenssinn, du bist ein Knacki im eigenen Ich… oh Mann, wen mein‘ ich eigentlich….?“
(Hör mal, Mann!) (guckt hoch und lächelt)

Ganz schön persönlich. Richtet sich Dein Kampf nicht mehr nach außen?
Nicht nur, du kannst dich einfach nicht immer selber außen vor lassen. Auf Dauer geht das nicht. Es sei denn, du belügst dich selber…(schüttelt den Kopf, nachdenklich). Kannst du machen.

Spielst Du noch auf der Straße?
Früher bin jeden Tag auf die Straße gegangen. Da habe ich es wieder hammerhart getrieben, aber es war gut! Heute komme ich leider Gottes überhaupt nicht mehr dazu, weil ich selber so viel Krempel am Hals habe – klassische und Politkonzerte, Kunstsalonorchester. Schade. Neuerdings aber gehe ich wieder ein Mal die Woche auf die Straße.

Und Du stehst ganz alleine da? Was ist aus den alten Mitkämpfern geworden?

Viele von damals haben aufgegeben zu kämpfen. Sie sagen sich, es hat ja keinen Zweck, die machen sowieso, was sie wollen, die da oben. Wobei genau dieses Argument ein echtes Totschlagargument ist und absolut nicht stimmt. Viele haben vergessen, dass die Qualität bei einem Kampf nicht etwa darin liegt, ob man gewinnt oder verliert, sondern dass man ihn macht! Das ist die Qualität, um die es geht.

„’s gibt Träume, die vergehen, noch eh du aufgewacht. Doch mancher Traum ist stärker, als diese lange Nacht. Den Traum vom freien Menschen, den träum‘ ich auch am Tag, so lang mein Kopf noch gerade sitzt und ich zu hoffen wag. Doch heißt ’ne alte Wahrheit: Wer sich nicht rührt bleibt stehen, und wer dem Herrn den Arsch küsst, wird mit ihm untergehen.
´s gibt Träume, die vergehen, noch eh du aufgewacht. Doch mancher Traum ist stärker, als diese lange Nacht.
(Es gibt Träume)

 

Damit endet das dreiteilige Interview mit Klaus von Wrochem. Zu den beiden ersten Teilen geht’s hier:

Teil I: Musik zwischen Straße und Knast

Teil II: „Flieg, Sanierung, flieg, denn morgen gibt es Krieg!“

Link:

Die Geschichte der Stollwerck-Besetzung auf Köln-Südstadt.de

 

Text: Betsy de Torres

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