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Kultur

Wenn Rotkäppchen den G7-Bären trifft

Freitag, 2. Januar 2015 | Text: Alida Pisu | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das idyllisch am Alpenrand gelegene Schloss Elmau in Bayern wird im Juni 2015 Schauplatz des G7-Gipfels der mächtigsten Industrienationen der Welt. Dieses Ereignis wirft seine Schatten weit voraus, nicht nur im politischen Geschehen.  
„Gipfelstürmer“, eine zwischen höchst unterhaltsamer Ironie und bestürzendem Ernst changierende Inszenierung im „Freien Werkstatt Theater“, zeigt uns das Ereignis aus Demonstranten-Sicht. An Überraschungen und charmanten Regie-Einfällen wird dabei nicht gespart. Erste Überraschung im Zuschauerraum: wo ist das Bühnenbild? Wieso stehen hier keine Stühle? Was ist das für ein komisches Gebilde?

Nun, das Bühnenbild besteht aus wenigen Baumstämmen. Das komische Gebilde entpuppt sich als ineinander verkeilte Stühle, die prima als Barrikade geeignet wären, jetzt aber erst mal entkeilt werden müssen, um als Sitzgelegenheit zu dienen. Und schon sitzt man im Plenum und die Demotauglichkeit wird unterstützt durch allerlei nützliche Accessoires, die verteilt werden: klassische Palästinenserschals, Masken, Rasseln, Hüte, Trillerpfeifen. Jeder Gut-Bürger ein Wut-Demonstrant!

Vor der Demo wartet aber noch das Plenum, in dem alle wichtigen Menschheits-Fragen besprochen werden: wer schreibt das Protokoll? Tja, wer? Und wem kommt diese Frage nicht auch bekannt vor? Irgendwo habe ich das doch schon mal gehört und aha, das kommt mir auch bekannt vor, dass der eine Hansel den anderen Hansel nicht ausreden lässt. Da wird das Plenum zur Posse über die Alltäglichkeit, die in der Aufregung über eine Rede-Unterbrechung gipfelt. Wenn das Basis-Demokratie sein soll…

 

Ein Bild, man könnte auch sagen, ein Schlaglicht, reiht sich munter an das andere. Teils absurd, wie in der Szene, in der ein Demonstrant auf Wunsch des Bürgermeisters von Klais die Alpenwelt des Karwendel bewirbt. Da ist die Werbung abgestimmt auf die Zielgruppe und preist wortreich die Vielzahl an Festen, sprich Demonstrationen an. Teils aber auch trivial, wenn die BILD-Zeitung zitiert wird, die den „Schwarzen Block“ erklärt: „Rund 5.000 Radikale marschieren am Abend durch Rostock. Bei Demos bilden sie Ketten…“

Niedlich anzusehen ist das Rotkäppchen, das auf den dickbäuchigen G7-Bären trifft. „Warum bist du traurig?“ „Weil der nächste Gipfel so teuer wird, das meine Stelle gestrichen wird.“ „Dann sing ich dir ein Lied, damit du wieder glücklich wirst: Heidi, Heidi.“

Ironie, Farce und Satire, ist das schon alles, was das Stück zu bieten hat? Falls es so wäre, dann hätte man einen netten Theater-Abend erlebt, den man getrost zügig wieder abhaken könnte. Denn so witzig das Stück auch daher kommt, manches wirkt doch austauschbar und beliebig. Vielleicht ist das so gewollt, da „Gipfelstürmer“ sich als im Prozess begriffen versteht, der auf aktuelle Ereignisse Bezug nimmt und darauf reagiert. Trotzdem bleibt die Frage, wo die Substanz ist, wo etwas aufblitzt, was eben nicht nur lachen lässt, sondern packend und nicht mehr loslassend ist.

Diesen Schwenk schaffen die drei Akteure in Gestalt von Felix Höfner, Asta Nechajute, Janosch Roloff. Gerade noch so eben. Irgendwann fällt es ihnen auch auf: „Eigentlich wollen wir etwas machen über Zukunft und Veränderbarkeit von Zukunft. Aber es kommt nur Ironie dabei raus. Wo bleibt die Hoffnung?“ Ja, wo bleibt sie. Etwa in den zahllosen Online-Petitionen, die zitiert werden oder in der Antwort auf die Frage, ob in den letzten Jahren Demonstrationen irgendetwas bewirkt haben?

Das wirkt verstörend und desillusionierend, hat man doch noch vor Augen, wie intensiv die Vorbereitungen auf den G7-Gipfel waren. Wie detailliert die Blockaden geplant wurden. Wie sehr darauf gesetzt wurde, dass irgendwann Nebel aufkommt, damit die Hubschrauber nicht aufsteigen können, um die Staatschefs ins Schloss Elmau zu bringen. Tatsächlich steigt der Nebel auch auf und hüllt das Panorama des wunderschön und idyllisch anzusehenden Karwendel-Gebirges immer dichter ein, zieht auch durch den Zuschauerraum.

 

Ein beängstigender Anblick. Alles verschwimmt und es ist nicht auszumachen, ob es wirklich nur Nebel ist, der die Demonstration unterstützen würde. Oder ob es sich um Tränengas handelt, das alle Pläne über den Haufen werfen, alle Hoffnungen zerstören würde.

Dann hieße es, auf den nächsten Gipfel zu warten. Seit 1975 haben sich die Inhalte nämlich nicht geändert. Das Einzige, was sich verändert hat, sind die Menüs, die den Staatschefs serviert werden. Wohl bekomm’s!

Das Stück ist allemal einen Besuch wert. Ob es leichte oder harte Kost ist, das möge jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.

 

Die nächsten Termine:

?4., 7., 9., 10., 16., Januar 2015
Freies Werkstatt Theater

Zugweg 10, 50677 Köln

Text: Alida Pisu

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