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Gesellschaft

Wie früher – nur ohne Ei

Freitag, 12. Januar 2018 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es ist alles wie früher. Nur ohne Ei. Hans Süper sitzt im Café des Odeon-Kinos vor einer Tasse Kaffee und erzählt. Und erzählt. Der 81-Jährige blickt auf ein intensives Leben zurück. Und hat dementsprechend viel zu erzählen. Cornel Wachter hat Süper gebeten, ins Odeon zu kommen. Wachter zeigt dort in der Kölschen Film-Matineé im Odeon am kommenden Sonntag, 14. Januar, ab 11.30 Uhr eine WDR-Dokumentation über das Leben der Karnevals-Legende Hans Süper, der in den 80er Jahren als Star des Colonia-Duetts zusammen mit Hans „Zimmermann, du Ei“ in den Sälen gefeiert wurde. Süpers Weg in die Musik und den Karneval war eigentlich von Anfang an vorgezeichnet. Sein Vater war Mitglied des Quartetts „De vier Botze“. „Aber mit der Musik meines Vaters konnte ich nie viel anfangen“, erinnert sich Süper.

Perfekter Autodidakt

Er hat sich auf seiner Flitsch – kölsche Bezeichnung für Mandoline – alles selbst beigebracht. Und viel gelernt von guten Musikern, die er kennengelernt hat: „Es gibt ja Musikanten und welche, die was von Musik kannten.“ Zu Letzteren zählt er auf jeden Fall Hartmut Prieß von den „Bläck Fööss“, mit dem er seit den 60er Jahren befreundet ist. Mit Hans Zimmermann eher nicht. Die Trennung des Colonia-Duetts zählt zu den weniger schönen Erinnerungen: „Die Trennung war schwer. Ich musste an meine Gesundheit denken.“ Aber „Zimmernann, Du Ei“ sei schon ein starker Partner gewesen. „Wir haben uns auf der Bühne so zur Sau gemacht, wie es sich gehört. Die Leute haben auf das Ei gewartet. Es reichte schon, wenn ich Eierlikör sagte.“ In Erinnerung geblieben sind nicht zuletzt die Auftritte in der „Hölle von Vettweiß“. Gemeint sind die – zurückhaltend gesagt – sehr stimmungsvollen Mädchensitzungen in der Voreifel. „Da hattest Du keine Knöpfe mehr an der Hose, wenn Du endlich die Bühne erreicht hattest“, fasst Süper den Wahnsinn in einem Satz zusammen.

„Bin in einem Meeting“

Pause, Süpers Handy klingelt: „Ja Klaus, ich rufe Dich später an.“ Blick in die Journalistenrunde: „Ich bin gerade in einem Meeting.“ Was denkt er über den aktuellen Karneval? Nichts liegt ihm ferner, die Vergangenheit zu verklären. „Alles ist gut so, wie es ist.“ Allerdings: Alles ist eben auch sehr laut. „Wir brauchten nur zwei Mikrofone, die Gitarre und die Flitsch. Heute kommen die Bands mit den großen Verstärkern. Wir waren eher leise. Weil die Leute heute bei jedem Rhythmus sofort mitklatschen, gehen die Texte meistens unter.“ Nach dem Colonia-Duett war Hans Süper noch ein paar Jahre mit Werner Keppel als Süper-Duett unterwegs. Heute macht er sich rar in der Öffentlichkeit: „Ab und zu mache ich noch was alleine. Beerdigungen, Hinrichtungen und so.“ Das Gelächter des Publikums ist ihm immer noch sicher.

Angeln an den tollen Tagen

Die Auswüchse am 11. im 11. hat er nicht mitbekommen. „Ich gehe an solchen Tagen zum Angeln. Das traut mir keiner zu, weil ich so hibbelig bin. Aber in der Natur genieße ich die vollkommene Ruhe. Herrlich.“ An dieser Stelle schaltet sich Cornel Wachter ins Gespräch ein. „Früher wurde mindestens genauso ausgelassen gefeiert. Wenn nicht schlimmer. Schon in den 50er Jahren hat es Schlägereien mit Verletzten gegeben. In den 70er Jahren hat beispielsweise die Wirtz-Kneipe an den Karnevalstagen gar nicht erst aufgemacht. Auch der Laden, in dem heute das Früh am Chlodwigplatz ist, war geschlossen. Die wollten an Karneval nicht weiter zugucken, wie in der Kneipe Kinder gezeugt wurden.“ Anwohner hätten alte Matratzen aus ihren Kellern geholt, auf denen Sanitäter die Verletzten gelagert hätten. „Es ist eben“, so Wachter, „immer die Frage, wie man auf die Zeit guckt.“ Heute würde über die sozialen Medien alles öffentlich und tausendfach verbreitet.

Ötze war ne Kölsche

Süper lenkt sofort den Blick wieder auf das Wesentliche: Er erzählt einen Witz. Beim Streit über die Nationalität von Ötzi zwischen Italienern und Österreichern hätte man sich geeinigt, die Gletschermumie aufzutauen. Je nachdem, welche Sprache sie spreche, sei die Frage nach der Nationalität geklärt. Kaum aufgetaut, erwies sich Ötzi als „ne kölsche Jung“. Sein erster Satz: „Mät die Nikuta immer noch das Mottolied?“ Es hätte nicht viel gefehlt, und die Journalistenrunde hätte eine „Rakete“ gestartet. Aber Kommando eins hieß in diesem Fall langsam rausschunkeln. Auf Süper wartete der nächste Termin. Er guckt jeden Tag ab 14.10 Uhr mit seiner Frau die ARD-Serie „Rote Rosen“.

Süper - Müllers AAP - Meine Südstadt Köln

„Ring frei – Peter Müller zum 60!“

Bei der Film-Matineé am Sonntag wird auch der Klassiker „Ring frei – Peter Müller zum 60!“ gezeigt. Der Sülzer Jung, den alle nur „Dä Aap“ nannten, wurde fünfmal deutscher Meister im Mittelgewicht. Berühmtheit erlangte er, als er während eines Kampfes den Ringrichter KO schlug. 1953 boxte Müller in den USA. Weil niemand in der Lage war, die Hymne zu spielen, ließ sich Müller eine Mundharmonika in den Ring bringen und intonierte das Horst-Wessel-Lied, das er für die deutsche Hymne hielt. Der Eintritt zur Matineé kostet 7,50 Euro.

Text: Stefan Rahmann

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