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Lükes Liebes Leben

Wir sind irre führend – Lükes liebes Leben

Montag, 2. Mai 2016 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Es gibt ja ständig irgendwelche Erhebungen zu Konsum- und sonstigem Verhalten der Menschheit. Ich les´ die meistens. Erst recht, wenn sie so profunde Erkenntnisse liefern wie die, dass männliche, rechtsrheinische, rothaarige Linkshänder im Alter häufiger von Gicht befallen werden als solche auf der anderen Seite des Flusses… Bisweilen ist diesen Untersuchungen aber durchaus Erhellendes zu entnehmen. Letztens stand beispielsweise zu lesen, dass wir Deutschen von allen Europäern -in Relation zum jeweiligen Durchschnittseinkommen- das wenigste Geld fürs Essen, bzw. Nahrungsmittel ausgeben. Nun gut, so überraschend kommt das eigentlich nicht, wenn man sieht, wie viele Leute mit fetten SUVs regelmäßig bei Discountern vorfahren. Aber die Erhebung hatte noch einen zweiten Teil. Der besagte, dass wir bei den Ausgaben für Kücheneinrichtungen und entsprechende Gerätschaften einsame Spitze in Europa sind. Nun bin ich persönlich nicht mit Menschen befreundet, die derlei Fetischen anhängen, aber bei gelegentlichen Einladungen aus dem verwandtschaftlichem Umfeld habe auch ich  schon einige dieser Küchentempel bestaunen dürfen. Arbeitsplatten aus poliertem Granit, Gerätefronten in gebürstetem Edelstahl, 8-flammiger Gasherd, sprechender Espresso-Vollautomat und alles, was das Herz eines Hobby-Kochs zu erfreuen vermag. Neurdings auch gern mit integriertem Flachbildschirm, auf dem sich wunderbar Kochshows verfolgen lassen. Lebensmittel, rumstehende Töpfe mit Küchenutensilien, angebrochenen Gemüse- und Obstpackungen oder andere Spuren menschlichen Lebens finden sich da allerdings so gut wie nie. Allenfalls mal ein kleidsames Töpfchen Basilikum.

Vollautomatisch selbst kochen
Und zunehmend häufiger steht da auch ein Thermomix. Ein monströses Gerät für mehr als tausend Euro, das nach Auskunft des Herstellers all dies kann: Zerkleinern, wiegen, vermischen, schlagen, rühren, mixen, mahlen, kontrolliert erhitzen, kochen, kneten, emulgieren und dampfgaren. Wobei mich ja besonders beeindruckt, dass dieser Alleskönner aus dem Hause Vorwerk kommt. In meiner dörflichen Kindheit produzierte das Unternehmen aus Wuppertal in erster Linie Staubsauger namens „Kobold“, die ausschließlich im sogenannten Direktvertrieb angeboten wurden. Und die Haustürverkäufer galten als besonders gewiefte Vertreter ihres Fachs. Zumindest erinnere ich mich, dass der Buschfunk immer panisch trommelte, die Vorwerk-Vertreter seien im Dorf und die Hausfrauen sollten doch besser Türen und Fenster geschlossen halten und das Klingeln an der Haustür stoisch ignorieren, bis Entwarnung gegeben werde. Schließlich kannte so ziemlich jeder eine bedauernswerte Opfer-Familie, der die einnehmenden Handlungsreisenden einen neuen Klopfsauger mit umfangreichem Zubehör andegreht hatten, obwohl der alte eigentlich noch völlig intakt war. Und nun ist Vorwerk plötzlich Fortschritt. Wegen Thermomix. Das Gerät gibt es im Prinzip zwar schon seit 1961, hat es jedoch erst vor ein paar Jahren zum Verkaufsschlager gebracht. Dank einiger technischer  Innovationen, aber vor allem auf Grund der neuen deutschen Lust am Kochen. Am vollautomatischen. Zutaten einfüllen, Knöpfchen drücken und heraus kommt eine vollwertige Mahlzeit. Auf Wunsch auch gern vegan. Und die Hochglanzküche bleibt sauber. Vor allem, wenn man die Zutaten in Form einer Kochkiste bezieht. Da tummeln sich im Netz inzwischen mehrere Anbieter, die die Zutaten für exlusive Mahlzeiten offerieren. Hab´ ich mich für ein Gericht entschieden, wird die gewünschte Kiste zeitnah geliefert und beinhaltet alles, was man zur Zubereitung braucht. Fleisch, Fisch (frisch im Extra-Styropor-Karton), Gemüse, Sättigungsbeilagen und Gewürze, alles fein säuberlich in Portionstütchen verpackt. Nutzer dieser neumodischen Art des Essens auf Rädern jubilieren, dass nicht nur das lästige Einkaufen entfalle, sondern man für das mitgelieferte Rezept alle Zutaten beisammen habe und sich auch nicht -von der Entsorgung des ganzen Verpackungsmülls mal abgesehen- um etwaige Reste kümmern muss. Wäre ja auch zu blöd, wenn da nach dem Kochen noch ein paar schnöde Kartoffeln oder Zwiebeln rumlägen und den keimfreien Gesamteindruck der Küchenzeile störten. Natürlich könnte man sich das Menü auch gleich fix und fertig liefern lassen, aber dann fehlte ja das total erhebende Gefühl, es in der heimischen Küche selbst zubereitet zu haben.

Unterwasserkerzen im Angebot
Mit Verständnisproblemen hab´ ich ja bisweilen auch beim geliebten Tele-Shoppimg zu kämpfen. Seit Jahren verfolge ich da beispielsweise die Entwicklung des Verkaufsschlagers der flammenlosen Echtwachs-Kerzen mit zunehmender Faszination. Prangte da zunächst statt des Dochtes ein simples LED-Birnchen für gefahrlose Heimeligkeit, nahm das Leuchtmittel irgendwann die Form einer Flamme an und im vergangenen Jahr hatte man das Produkt mit Hilfe eines kleinen Kugelgelenks dahingehend weiterentwickelt, dass Flämmchen bei Luftzug wie in echt zu flackern schienen. Bis dahin hab´ ich den Fortschritt im Sinne der Optimierung einer Illusion des Authentischen ja noch verstanden. Aber nun kamen die Ladies unlängst mit einem Kuriosum daher, bei dem ich nun wahrlich nicht mehr mitkomme: Eine flackernde, flammenlose Echtwachskerze, über die ein Springbrunnen plätschert. Bei den überwiegend betagten Kundinnen des Senders kam diese Absurdität offenbar dennoch blendend an. Sie habe gleich noch ein Exemplar für ihre Tochter mitbestellt, erklärte eine Dame am Telefon. Die sei ja auch ein totaler Fan dieser Kerzen. Und dann wollte sie noch wissen, ob der flackernde Springbrunnen denn auch für den Außenbereich geeignet sei. Von wegen Regen und so. Ist er, ist er. Wäre ja auch blöd, wenn so ein Springbrunnen mal nass würde und prompt den Geist aufgäbe. Batterien für Flamme und Pumpe sind übrigens im Lieferumfang enthalten. Nur das Wasser muss offenbar aus eigenen Beständen nachgefüllt werden. Da können die TV-Verkäufer von den Anbietern der Kochkisten noch was lernen. Wie auch immer, ich werd´ demnächst jedenfalls mal wieder in der Dämmerung durch Reihenhaussiedlungen in Kölner Vorsorten flanieren und schauen, in welchen Vorgärten es da überall lieblich leuchtend plätschert.

Text: Reinhard Lüke

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