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Lükes Liebes Leben

WM für Hausfrauen? Geschissen!

Donnerstag, 12. Juni 2014 | Text: Reinhard Lüke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ich bin nicht vom Fach und sowieso mal wieder viel zu spät dran. Ab heute ist ja Fußball WM. Da bin ich bei dem ein oder anderen Spiel gewiss auch wieder dabei. Daheim vorm betagten Röhrengerät. Oder ich lasse mir die Bilder ganz modern per Livestream in den Garten schicken. Monitor auf die Fensterbank, bequeme Sitzgelegenheit und lecker Vino auf die Terrasse. Ist ja heutzutage alles kein Problem mehr. Obwohl ich letztens gelesen habe, dass es beim Streamen zu Zeitverzögerungen von bis zu 90 Sekunden kommen könnte. Was ja ne Menge Holz ist. Jedenfalls ist die Vorstellung, dass rundum aus allen Fenstern Jubelschreie oder kollektive Stöhnsalven dringen, während man selbst noch belangloses Geplänkel im Mittelfeld verfolgt, irgendwie nicht so schön. Man wird sehen. Früher oder später. Stichwort: Mittelfeldgeplänkel! Ich weiß jetzt gar nicht, wer´s erfunden hat, aber vermutlich waren es die Spanier. Vielleicht sogar der nette Herr Pep?  Ich meine diese Nummer mit dem Ballbesitz als oberstem Gebot der Spielkultur. (Ich sag´ jetzt mal nicht „Philosophie“ dazu. Bin schließlich kein Trainer.) Mir leuchtet durchaus ein, dass der Gegner kein Tor erzielen kann, solange er das Spielgerät nicht in seinen Reihen hat. Andererseits schießt Ballbesitz allein aber auch keine Tore. Vielmehr führt das System in den meisten Fällen, auch bei Jogis Buben, bekanntlich zu einem technisch versierten, aber wenig ersprießlichen Ballgeschiebe im Mittelfeld ohne nennenswerte Torraum-Szenen. (Nun komme mir keiner mit Aserbaidschan!)

Hände hoch!
Um dieser Unsitte zu begegnen, hätte ich da mal einen Vorschlag: Liebe FIFA, könntest du nicht die Regel aus dem Hallenhandball übernehmen, mit der man da „passives Spiel“ (so heißt das offiziell!) unterbindet. Wenn einer der beiden Schiris während eines Spiels den Eindruck hat, die im Ballbesitz befindliche Truppe hätte nun schon seit geraumer Zeit keine ernsthaften Anstalten mehr gemacht, ein Tor erzielen zu wollen, hebt er einen Arm. Wodurch die Sportkameraden wissen, dass ihnen nur noch 10, 15 Sekunden bleiben, um die Pille aufs Tor zu werfen. Tun sie´s nicht, bekommt der Gegner den Ball. Einfache Sache. Bräuchte nichtmals mehr Personal oder die Einführung einer neuen Technik. Und der ominöse „falsche Neuner“ beim Fußball ist doch sowieso nix anderes als ein verkapper Kreisläufer. Könnte der Onkel Blatter doch mal drüber nachdenken. Aber der hat wahrscheinlich wieder gar keine Zeit für sowas. Und zugegeben, bin ich mit meinem Vorschlag auch spät dran. Zumindest für diese WM.

Fußball ist tot
Was mich bei diesen Welt- und Europameisterschaften auch immer wieder ungemein beeindruckt, ist die Kreativität abseits des Rasens. Vor allem die im deutschen Einzelhandel. Womit ich jetzt gar nicht die offiziellen Werbepartner des DFB meine. Der hat sich natürlich mal wieder Eifel-Plörre (alkoholfrei !) und Süßkram von Ferrero ins Boot geholt. Weshalb die Kinderchen auch diesmal 500 Riegel Duplo oder 55 Gläser Nutella futtern sollen, um an ein ödes DFB-Fan-Shirt zu kommen.  Zwar hat der gemeinnützige Verein auch was von „Förderung der Volksgesundheit“ in seinen Statuten stehen, juckt aber keinen. Da lob´ ich mir doch das Bestattungshaus Möller in Ehrenfeld, das sein Schaufenster zur WM mit Fußballutensilien dekoriert hat. Wofür es sich vom WDR „pietätlos“ schimpfen lassen musste. Kann ich nicht teilen. Der Mann sagt, Fußball gehöre nunmal genauso zum Leben wie der Tod. Ich muss nochmal drüber nachdenken, aber ich glaube, der Mann liegt richtig. Ums Sterben wird ohnehin zuviel Bohei gemacht. Andererseits: Wenn ich mit vorstelle, was er mit dieser Begründung noch so alles ins Fenster stellen könnte…. Klopapier , Dosen-Ravioli, Kondome, Kühlschränke…

Auf Bälle kacken
Womit wir endlich beim Einzelhandel wären. Wer mit FIFA- und DFB-Logos nicht werben darf, setzt in seinen Reklameblättchen einfach eine Deutschlandfahne neben ein Produkt und schon denkt der Kunde: „Aha, ein WM-Artikel! Muss ich haben!“ So zum  Beispiel „Meyers Deutsches Mais-Hähnchen“, HKL. A, tiefgefroren zu 3,99 Euro bei REAL.  Knaller: Beim Kauf eines toten Vogels gibt’s „1 WM-Deutschlandfahne gratis“ dazu. Es fehlen leider jegliche Angaben zu Materialbeschaffenheit und Größe des Lappens und eine offizielle „WM-Deutschlandfahne“ gibt es meines Wissens auch nicht. (Müsste Pfarrer Gauck die einsegnen?) Aber egal. Da lasse ich im WM-Fieber doch gern mal das unbeflaggte brasilianische T-Bone-Steak liegen und greife zum deutschen Mais-Hähnchen. Mit Fähnchen. Praktisch finde ich ja auch bei LIDL die Packung „Hakle Toilettenpapier mit Fußballdekor“, 3-lagig. Wobei so ein Ball nicht nur auf der Verpackung, sondern auch auf jedem einzelnen Blatt des Hygiene-Artikels prangt. Was ja irgendwie total clever gedacht ist. Das kaufen die Fans, weil sie auch am Örtchen nicht mehr auf Bälle verzichten müssen und die Fußballhasser („Scheiß auf Fußball!“) erst recht. Gleich daneben in der Anzeige die „Carefree-Slipeinlagen“. Noch ohne Ball. Gibt´s aber vermutlich zur nächsten Frauen-WM.

In dieselbe Kerbe (Darf man das in diesem Zusammenhang so sagen?) haut der HANDELSHOF. Unter dem Titel „Treffsicher in die Fußballzeit!“ offeriert der Großhandel „Zewa Soft“ Toilettenpapier (16 x 150 Blatt) zu 3, 35 Euro oder Tempo-Taschentücher (42 x 10 Tücher) zu 2, 79 Euro. Was da jetzt konkret von wem getroffen werden soll? Rätselhaft.  Im selben Laden der HOMANN Kartoffelsalat „Weltmeister“ („Mit Schinkenwurst & Ei“; 400 g Becher zu 1, 49 Euro) und die Ponnath-Bratwurst „Viererkette“ in verschiedenen Geschmacksrichtungen zu jeweils 1,99 Euro. Wie viele Würste da drin sind? Erraten!  Zu solch einer Weltmeister-Wurst pfeif ich mir dann am liebsten einen ordentlichen Scotch ein. Gern die Marke „Golden Shoe“ aus der 0,7 Flasche in Form eines Fußballschuhs. Feilgeboten im „Geschenkkarton“. (Auch HANDELSHOF)

Anzing und Anatolien
Dass Großbildfernseher, Grills und Rostbratwürste derzeit offensiv mit WM-Folklore beworben werden, versteht sich von selbst. Wobei ich mich schon frage, ob es wirklich Verbraucher gibt, die beispielsweise nur deshalb zu Ariel greifen, weil Sepp Meier („Die Katze von Anzing“) jetzt einen Werbevertrag mit Procter & Gamble hat. Rechnet sich das für so ein Unternehmen? Meines Wissens war der Sepp nicht dafür bekannt, zu seiner aktiven Zeit seine Torwartkluft immer selbst und nur mit Ariel gewaschen zu haben. Aber ich kann mich natürlich irren. Enttäuscht bin ich in diesem Kontext jedenfalls von ALDI und REWE. Die Süd-Filialen des Großdiscounters verkaufen unter dem Etikett „Qué Gusto!“ neben brasilianischen Eintöpfen und Bettwäsche mit unseren Buben drauf eigentlich nur den üblichen Krempel und bei REWE heißt es zwar „Ramba Zamba do Brasil“ , aber besondere WM-Preziosen gibt’s da auch nicht. Und dann wurde mir am letzten Wochenende auf der Keupstraße ein Prospekt eines türkischen Möbelhauses mit Sitz in Mühlheim in die Hand gedrückt. Angenehm frei vor WM-Werbung. Was nicht verwundert,  weil die Türken ja die Quali nicht geschafft haben. (Sparen wir uns ein paar Autokorsi in der Südstadt.) Jedenfalls pries die Firma AKASLAN in dem bunten Faltblatt Möbel an, die ich mir nicht für umsonst vom Sperrmüll mitgenommen hätte. Aber das ist immer Geschmacksache. Mitten auf einer Seite jedoch prangte da diese Mitteilung: „Finanzierungsangebote bis 12 Monaten auch für Hausfrauen“. Geht´s da um anatolische Familienstrukturen, Schufa-Einträge oder noch Ärgeres? Keine Ahnung. Ich werde Kollegin Asli um Aufklärung bitten müssen.

Text: Reinhard Lüke

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