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Gesellschaft Verkehr

Wohnen in der Geisterbahn?

Freitag, 12. April 2013 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Visualisierung

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Studentenwerk plant provisorisches Wohnheim in KVB-Haltestelle unter dem Chlodwigplatz.

Die Kölner Hochschulen platzen aus allen Nähten und wie das im kommenden Wintersemester werden soll, wenn gleich zwei Abitur-Jahrgänge auf einmal Universität und Fachhochschulen stürmen, vermag man sich kaum auszumalen. Allein die Universität rechnet mit ca. 9000 Studienanfängern. Zu dem Gedränge in Hörsälen und Seminarräumen dürfte sich aber auch ein ohnehin schon gravierendes Problem noch drastisch verschärfen: Für die rund 100 000 Studierenden in Köln ist bezahlbarer Wohnraum bereits seit Jahren Mangelware. Nach jüngsten Erhebungen ist Köln inzwischen nach München die zweitteuerste Stadt für angehende Akademiker. Satte 9 Euro 20 pro Quadratmeter müssen Studenten im Durchschnitt monatlich an Miete berappen. Nicht für ein luxuriöses Loft, sondern für ein WG-Zimmer. Die 86 Wohnheime des Kölner Studentenwerks bieten zwar eine kostengünstige Alternative, doch mit ihren gerade einmal 4600 Plätzen können sie den Bedarf nicht annähernd decken.

 

Vor diesem Hintergrund sind inzwischen auch kurios anmutende Ideen wie Studentenzimmer in Altenheimen kein Tabu mehr. Und es sieht ganz danach aus, als könnten auch in der Südstadt ein paar hundert Stundenten zum Vorlesungsbeginn Mitte Oktober zumindest vorübergehend eine ungewöhnliche Bleibe finden. Wie Dr. Peter Schink, Geschäftsführer des Studentenwerks, gegenüber „Meine Südstadt“ erklärt, gebe es Gespräche mit den KVB, im fertigen, aber ungenutzten U-Bahnhof Clodwigplatz mobile Wohneinheiten zu schaffen, die preiswert an Studenten vermietet werden könnten. Schließlich wird die Station nach jetzigem Stand der Dinge frühestens im Jahr 2019 ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Vorher wird auf der Nord-Süd-Verbindung kein Zug fahren.

 

Trotzdem müssen die bereits fertigen Verkehrsbauwerke der südlichen „Geisterbahn“ aufwändig gewartet werden. So werden beispielsweise die Rolltreppen einmal pro Woche in Betrieb gesetzt, um ihre Funktionstüchtigkeit zu erhalten. Dafür fallen für die KVB jährlich Kosten von 1,7 Millionen Euro an. Ein Teil der Summe ließe sich einsparen, wenn die Treppen ab Herbst von Studenten genutzt würden, um zu ihren Wohnungen unterhalb des Clodwigplatzes zu gelangen. Zudem ließen sich auch andere Anlagen und Elektro-Installationen des U-Bahnhofs, für die in zwei Jahren die Gewährleistungspflicht der Hersteller abläuft, unter quasi Normalbedingungen besser testen als im mehrjährigen Ruhezustand. Bei den KVB hält man sich bedeckt, was diese Zwischennutzung des Verkehrsbauwerkes betrifft. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Überlegungen. Der finanzielle Aspekt hinsichtlich etwaiger Mieteinnahmen spielt bei unseren Überlegungen aber eine allenfalls untergeordnete Rolle. Wir sehen hier in erster Linie die Möglichkeit, ein konkretes Hilfsangebot an Bedürftige zu machen.“ ist aus dem Umfeld des Vorstands zu hören. Was dem arg ramponierten Image der KVB gewiss nicht schaden würde.

Grundriss eines Einzelzimmers im mobile Wohn-Container.

 

Das Wohnen im unterirdischen Wohnheim mag nicht unbedingt das sein, wovon Studenten träumen. Doch andererseits bieten mobile Wohn-Container, wie man sie von Großbaustellen kennt, inzwischen durchaus akzeptablen Komfort. Angeliefert werden könnten sie problemlos über die fertige Trasse von der der Schönhauser Straße aus. Und mit ein paar Kübelpflanzen ließe sich sogar für ein wenig Behaglichkeit sorgen. Wie viele dieser Einheiten, von denen jeweils zwei übereinander gestellt werden könnten, im geräumigen U-Bahnhof  Platz fänden, ist noch nicht klar. Beim Studentenwerk geht man jedoch davon aus, dass da rund 200 Studierende eine preiswerte Unterkunft finden könnten.

 

Hinsichtlich der Nachfrage hat man dort überhaupt keine Sorgen. Schließlich gilt die Südstadt auch bei Studenten als überaus attraktives Viertel und was die Verkehrsanbindung betrifft, kann man günstiger kaum wohnen. Mit gemischten Gefühlen stehen indes die Geschäftsleute des Viertels den Wohnheimplänen der KVB gegenüber. Stephanie Fox-Bluhme, Vorsitzende der IG Severinsviertel: „Neue Kunden sind uns natürlich immer willkommenen, aber in erster Linie kämpfen wir dafür, dass der südliche Teilabschnitt der U-Bahn bis zur Haltestelle Severinstraße so schnell wie möglich in Betrieb genommen wird. Das könnte 2015 der Fall sein. Aber wenn da unter dem Chlodwigplatz erstmal ein erstmal provisorisches Wohnheim steht, wird daraus kaum etwas werden.“
 

Text: Reinhard Lüke

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