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Neuigkeiten Politik

1.500 demonstrieren auf dem Chlodwigplatz gegen die Macht der Banken

Sonntag, 16. Oktober 2011 | Text: Wassily Nemitz | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Die „Occupy“-Bewegung hat am Samstag Köln erreicht. Nach Schätzungen der Polizei demonstrierten auf dem Chlodwigplatz zu Spitzenzeiten bis zu 1.500 Menschen gegen das Bankensystem und die Politik der Bundesregierung in der Finanzkrise.

 

Gegen 11 Uhr begann eine Kundgebung. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Veranstaltung von Mitgliedern der Anti-Globalisierungs-Organisation „Attac“ dominiert. Sie hatte nach Angaben der Polizei eine Kundgebung mit 60 Teilnehmern angemeldet. Durch einen Facebook-Aufruf unter dem Titel „Occupy Cologne“ schlossen sich mehrere andere Gruppierungen an und zahlreiche Einzelpersonen dem Protest an. Vertreten auf dem Chlodwigplatz waren unter anderem das Bündnis „Bildungsstreik“, die Gewerkschaften, sozialistische Organisationen und die Gruppe „Pappnasen“.

 

 

Zu Beginn der Aktion sangen eben jene „Pappnasen“ textlich abgewandelte Karnevalslieder durch ein mikroskopisch kleines Megaphon, was zur Erheiterung der zu diesem Zeitpunkt etwa 500 anwesenden Personen führte.

 

Im Anschluss daran sprachen mehrere Redner durch ein „offenes Mikrofon“ – das heißt, jeder, der sich äußern wollte, bekam dazu die Möglichkeit.

 

Ein Mitglied von „Attac“, Peter Weissenfeld, erklärte: „Meine Motivation ist es, meine Stimme gegen die Bundesregierung zu erheben – ich möchte nicht, dass es so weiter geht wie bisher.“ Eine konkrete Forderung von „Attac“ sei die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, Weissenfeld bezeichnete ein solches Mittel als „Urforderung“ seiner Organisation. Die Banken müssten sich darüber hinaus endlich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, forderte Weissenfeld, denn „90 % sind Spekulation“.

 

Mit den Administratoren des Facebook-Aufrufes habe man vor der Aktion keinen Kontakt gehabt, erklärte Peter Weissenfeld. Man wolle die Veranstaltung nicht dominieren, an einen auf Facebook propagierten Aufruf zu einer Besetzung des Chlodwigplatzes im Rahmen eines Camps habe sich „Attac“ jedoch nicht angeschlossen.

 

An den Lautsprechern gaben sich die Redner etwa eine halbe Stunde lang das Mikrofon in die Hand – Sprecher verschiedener Institutionen äußerten ihre Forderungen. Größtenteils wurde ihnen applaudiert, teilweise waren jedoch auch Buh-Rufe zu hören.

 

Während die meisten Redner eine Entmachtung der Banken und eine stärkere Beteiligung an wichtigen Entscheidungen durch die Bevölkerung forderten, sprachen manche Sprecher auch über andere Themen. So behauptete eine Rednerin namens Bärbel, dass „der Kapitalismus schuld an der Zerstörung des Klimas und der Natur“ sei.

 

Facebook-User Daniel hat nach eigenen Angaben im Rahmen des „Offenen Mikrofons“ mitbekommen, dass einem Obdachlosen mehrfach das Sprechen verweigert worden sei. Er fragt sich, „ob wir das gleiche Verständnis von Gleichberechtigung haben“. Er empfindet das Verhalten als „schizophren“, wenn gleichzeitig darüber „schwadroniert“ würde, dass in der Politik mehr Basisdemokratie benötigt werde.

 

In den Reihen der „Zuschauer“ herrschte weitgehend Einigkeit in der Frage, was der Anlass für den Protest sei. Teilnehmer Peter Taubert sagte im Gespräch mit „Meine Südstadt“, dass er darauf hin wirken wolle, dass „endlich etwas passiert.“ Manuela Krekeler-Marx möchte, dass die Bevölkerung wieder mehr politisches Bewusstsein entwickelt. Sie empfindet es als „nicht ok, dass erneut eine Bankenrettung stattfindet.“

 

Auch die 21-jährige Ellen möchte das System umbauen – sie rief den Menschen zu, dass sie „keine Angst“ haben dürften – insbesondere die jungen Menschen sollten einen eigenen Standpunkt entwickeln, forderte sie.

 

Während die Menge „Wir scheißen auf die Banken“ skandierte, forderte eine Demonstrantin, die lieber anonym bleiben wollte, „mehr Demokratie“ als Konsequenz aus den Ereignissen auf den Finanzmärkten. Sie habe Angst um die Zukunft ihrer Kinder und Enkel – man dürfe sich heute nicht bei den nachfolgenden Generationen verbürgen, befand sie. Unter „mehr Demokratie“ verstehe sie eine Direkte Demokratie, wie sie bereits in der Schweiz existiere.

 

Nach dem Ende der Kundgebung auf dem Chlodwigplatz bewegten sich die Demonstranten in einem Zug durch die Südstadt. Der örtliche Einsatzleiter der Polizei erklärte, der Demonstrationszug sei erst kurzfristig angemeldet worden.

Erste Station war vor der Filiale der „Postbank“. Sie wurde durch Polizisten geschützt, als Demonstranten in die Bank eindringen und dort ihre Forderungen kundtun wollten. Bis auf etwa zehn Personen, die eine Sitzblockade vor der Geschäftsstelle abhielten und lautstark ihren Forderungen Ausdruck verliehen, blieb es aber ruhig. Einem Kunden, der die Postbank besuchen wollte, hielten die Demonstranten entgegen: „Bist du Postbank-Kunde? Gute Wahl! Du gehst auch bald Pleite.“

 

Anschließend zog die Gruppe weiter über den Kartäuserwall und über die Ringe wieder zurück zum Chlodwigplatz. Dort löste sich der Zug etwas auf, einzelne Demonstranten blockierten die Straße und sonderten sich von der eigentlichen Veranstaltung ab.

 

Nach einer Abschlusskundgebung spielten im Laufe des Nachmittags noch einige Musiker, gegen 20:30 Uhr befanden sich noch 10 bis 20 Personen auf dem Chlodwigplatz, die mit einem Schild „Hupen für die Revolution“ Autofahrer zum Betätigen ihrer Hupe animieren wollten.

 

Für den kommenden Montag, ob um 17 oder 18 Uhr ist noch unklar, ruft die Bewegung zu einer erneuten Aktion auf – wie viele Leute dann wieder kommen, daran wird sich der Erfolg der Aktion wohl nachhaltig messen lassen.

 

Text: Wassily Nemitz

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