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Kultur Südkids

100Prozent Köln – eine Stadt spielt sich selbst

Dienstag, 8. November 2011 | Text: Beate Fechtig | Bild: Pressefoto 100% Köln

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Wie lernt man in 70 Minuten einhundert Kölnerinnnen und Kölner kennen? Ganz leicht: Im Schauspielhaus. Da ist der Schwede Mikael, Chiropraktiker aus Bayenthal. Und seine fünfjährige Tochter Dilara. Luis aus der Innenstadt, der Lehrer. Und der alter Herr Langer, der in russischer Kriegsgefangenschaft war und zum Gehen einen Rollator braucht. Und Dorian, 45, der beruflich Photovoltaik-Anlagen verkauft. Auch Marie-Rose, wohnhaft in Zollstock, Mutter von drei Söhnen. Die fünfjährige Pia aus der Südstadt -sie hat ihren Hund und ihren Roller dabei. Und Eslem und Vincent und Mojo und Ursula und Melina und und und.

Einhundert Kölner spielen in dem Stück „100 Prozent Köln“ sich selbst , jeder einzelne ein Repräsentant seiner Generation, seines Geschlechts, seiner Lebensumstände, seiner Herkunft. Aber vor allem: der Stadt Köln. In dem Stück „100Prozent Köln“ bekommt die städtische Statistik ein Gesicht, hundert Gesichter. „Ich bin aus Bayenthal“, sagt die junge Frau ins Mikrophon, „und Studentin. Ich gehöre zu der Gruppe der gesund Lebenden und ihr erkennt mich an der Farbe lila.“ Jeder und jede wird sich kurz vorstellen: Asle ist Journalistin und trägt Schmetterlinge im Haar als Erkennungszeichen. Sie hat ihre Mama mitgebracht, die 65jährige Gülay, die eigentlich aus Istanbul stammt und 25 Jahre in einem Kindergarten in Nippes gearbeitet hat – und die ihr türkisches Teeglas zeigt. Die Türkin hat Mikael dabei, ihren schwedisch-kölschen Schwiegersohn mit dem schicken Hut. Denn jeder Teilnehmer durfte in einer „Bekanntenkreis-Kettenreaktion“ einen anderen mitbringen – sofern er oder sie in die Statistik passt. Ein paar Monate mussten die Regieassistentinnen Christine und Lena nach den hundert passenden KölnerInnen suchen – in sechs Vorstellungen stehen sie ab Donnerstag auf der Bühne. Als Stadt Köln.

Julia Stefanovici aus der Südstadt ist ein bisschen skeptisch, ob dieses Gesamtbild tatsächlich alle Kölner wiederspiegelt. „Ziemlich viele Studenten hier und wirklich wenig Auszubildende“, sagt die Studentin der Medienkunst an der KHM, „irgendwie hat man doch immer das Gefühl, unter seinesgleichen zu sein.“ Sie ist schwanger und die vierstündigen Proben sind anstrengend. Dazu saust ihre kleine Tochter Pia kreuz und quer über die Bühne, die Kinder halten sich nicht so gerne an Regieanweisungen. Alle Proben finden mit dem gesamten Ensemble statt, die Regisseure Daniel Wetzel, Stefan Kaegi und Helgard Haug können sich nur per Mikrofon verständlich machen. Zügig hintereinander müssen die Einzelnen sich vorstellen, eine Massen-Polonaise wird zur darstellerischen Herausforderung. „Diese Gruppe dreht sich 90 Grad nach rechts und die andere 90 Grad nach links“, erklärt ein Regisseur, „dann drei Schritte nach links.“ Großes Durcheinander auf der Bühne, aber am Ende klappt es gut. Selbst die Rollatoren der Senioren werden in die Polonaise integriert. Köln bewegt sich, das sieht gut aus.


In Karlsruhe und Berlin hat die Künstlergruppe „Rimini Protokoll“ dieses Stadt-Projekt schon umgesetzt, immer mit Laien aus den entsprechenden Städten, weil die Regisseure in ihnen die „Experten des Alltags“ sehen. Und den wollen sie zeigen. „Was macht Köln um 8 Uhr morgens?“ wird als Frage in den Raum gestellt und einhundert Kölner geben pantomimisch Auskunft. Um 9, um 10, um 11? Hinterher ist man schlauer. Wer arbeitet schon früh, wer geht wann ins Bett, wer steht wann auf -das ist interessant. Und dann stehen sie alle im Kreis – und für jedes Jahrzehnt in Köln sollen sie einen Schritt Richtung Mitte gehen. Einer ist schon 90 Jahre hier – wow! Fast alle sind gerne in ihrer Stadt, erfährt man per Multiple-Choice-Frage, aber warum sind sie hier? Wegen der Liebe? Wenn ja, stellen sie sich hinter dem „Liebes-Schild“ auf. Oder hinter dem Schild auf dem „Arbeit“ steht.. Ein paar wenige stehen auch hinter dem Schild mit der Aufschrift. „Schon immer da.“ Im Geiste stellt man sich als Zuschauer dazu, hinter der passenden Pappe. Und erfährt vielleicht, dass man nur einer von vielen ist. Oder die statistische Ausnahme.

„Für mich ist das sehr interessant“, sagt Mikael Molin. Der 43jährige ist Schwede und mit einer Deutsch-Türkin verheiratet, wohnt in Köln-Bayenthal. Er hat seine Frau Asl? dabei, seine Schwiegermutter und seine fünfjährige Tochter. Nur Asya, die 8jährige, fehlt aus seiner Familie – sie passte leider nicht in die Statistik. „Aber sie ist bei den Proben dabei“, erzählt er, „die Kinder haben hier wirklich Spaß zusammen, sie spielen miteinander und fühlen sich wohl.“ Achtung aufpassen, gilt dann auch für sie: Kölns Stadtbezirke werden an die Wand projiziert, und alle müssen sich in ihrem „Veedel“ aufstellen. Wir sehen: In Mülheim wohnen die meisten Kölner, rund 144 000. Wer hätte das gewusst? Überhaupt lebt das Stück viel von der durchgehenden Projektion an der Rückwand: Auf der Bühne sind sie eine Gruppe von vielen, in der Großaufnahme der erkennbar einzelne Mensch – das ist die Message.

Und natürlich darf der Karneval nicht fehlen, wir sind ja (in) Köln. Wieviel Geld gibt der Durchschnittskölner im Karnval aus? Nix? Bis zu 50 Euro, bis 500 Euro oder gar 5000 Euro?
Antworten ab 10. November im Schauspielhaus. Wir sind gespannt.

Termine: Donnerstag, 10.11.2011 URAUFFÜHRUNG/ 11.11./ 12.11./13.11./15.11./ 16.11. jeweils 19.30 Uhr, im Schauspielhaus Köln
 

Text: Beate Fechtig

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