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Südstadt

38.000-Euro-Rechnung für das Paradies – Und Ketan rockt das Eierplätzchen

Mittwoch, 29. März 2017 | Text: Stefan Rahmann | Bild: Stefan Rahmann

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Er ist wieder da. Alles ist eine Nummer kleiner als im „Paradies“ am Eifelwall. Und auch die Idee, die dahinter steht, ist leicht verändert. Rolf „Ketan“ Tepel hat sich vorgenommen, aus dem ein wenig ungemütlichen Eierplätzchen einen Ort zu machen, wie ihn sich die Menschen wünschen. Klingt paradiesisch. Ist auch so gemeint. Und weniger als irgendwas auf dem Niveau von Garten Eden kann er einfach nicht.

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„Ich mache hier ja quasi eine Bodenstudie“

Als ich Ketan treffe, sitzt er am Rand des Eierplätzchens vor einem großen Steinquader und schlägt Kronkorken platt. „Ich mache hier ja quasi eine Bodenstudie“, beschreibt er, was er in den vergangenen Wochen hauptsächlich gemacht hat. Er hat den Platz gefegt, geharkt und gesäubert. Dabei hat er 1800 Kronkorken von Bierflaschen gesammelt. Platt geschlagen verkauft er die an Passanten für 13 Euro das Stück. Mit den Einnahmen will Ketan den Platz attraktiver machen: „Ich nenne die Kronkorken Eierplätzchen-Doller, damit das Eierplätzchen doller wird.“

Für die Müllmänner, mit denen er gesprochen hat, ist der Platz jetzt schon doll genug: „Für die ist das hier der Brüsseler Platz 2.0“. Dreck überall, die Nachbarn riefen regelmäßig die Polizei, weil das Eierplätzchen bei schönem Wetter des Nachts zum Kicker-Paradies werde. Ball hochhalten bis zum Morgengrauen. Ketan hat Ideen, die aus seiner Sicht weniger Konflikte in sich bergen. „Frieden“ bleibt das große Thema des Mannes, der bereits in seinem „Paradies“ am Eifelwall den „WeltFried“ mit konsequenter Gewaltlosigkeit als großes Ziel ausgegeben hatte. Nun diskutiert er mit Passanten auf dem Eierplätzchen über die Platzgestaltung. „Ich bin hier ja auch sozusagen Landschaftsmaler.“ Aber auch über andere Fragen wird gesprochen: „Wie gestalten wir den Frieden? Dass wir Krieg können, haben wir hinlänglich bewiesen.“ Mitreden kann übrigens jeder. Der „Friedstifter“ ist nahezu täglich in der „Kernzeit“ von 12 Uhr bis 13 Uhr auf dem Platz am – wo sonst? – Friedenspark zu sprechen.

Rechnung über 38.000 Euro

Ketan sucht Unterstützer. Denn es ist natürlich doppelt anstrengend, ein neues Paradies zu schaffen, während man das alte noch abwickeln muss. Die städtische Gebäudewirtschaft hat ihm über eine Rechtsanwaltskanzlei für die Räumung des „Paradieses“ am Eifelwall vor zwei Jahren eine Rechnung über rund 38.000 Euro präsentiert. Die Kanzlei droht mit Zwangsvollstreckung. Ketan sagt, er kenne das Schreiben seit zwei Wochen. „Meine Südstadt“ hat die Gebäudewirtschaft um eine Stellungnahme gebeten.
Wir sollten die Fragen schriftlich einreichen. Hier sind sie: Warum wird die Forderung erst zwei Jahre nach der Räumung erhoben? Beauftragt die Stadt bei derartigen Verfahren immer externe Anwälte? Ist das Vorgehen im Umgang mit Tepel verhältnismäßig, wenn man bedenkt, dass für das Autonome Zentrum neue Räumlichkeiten gesucht werden sollen? Wir haben zwei Tage lang auf die Antwort gewartet und veröffentlichen diesen Text jetzt ohne städtische Stellungnahme. Sollte die irgendwann kommen, reichen wir sie nach.

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88 Steinblöcke aus der Eisenbahnbrücke

Das Eierplätzchen ist übrigens das Zentrum eines stadtweiten Projektes, das Ketan vor 13 Jahren angestoßen hat. Rückblende: Damals hat er gesehen, wie die alte Eisenbahnbrücke über die Bonner Straße neben der Shell-Tankstelle abgerissen wurde. „Die Brücke war denkmalgeschützt. Das hat sie trotzdem nicht vor dem Abriss bewahrt. Ein Entsorgungsunternehmen sollte die Steinblöcke fortschaffen. Ich habe dem Unternehmer 88 Blöcke für 500 Euro abgekauft.“ Die stehen jetzt über die ganze Stadt verteilt – symbolhaft. Der Block im Kölner Westen im Innenhof der Nippeser Feuerwache repräsentiert das Wasser, der Block an der Zirkusschule in Riehl, der mit Unterstützung des Sponsors e.on aufgestellt wurde und Mittelpunkt eines Kinder-Kultur-Sommers war, steht für Erde. Der Block auf dem Hof der Grundschule Weimarer Straße für Luft und Bildung, der Steinquader im Baui am Friedenspark für Feuer. Dazu kommen sollen noch zwei Schluss-Steine an beiden Enden der Stadt, wo der Rhein nach Köln herein- und wo er wieder hinausfließt. Standorte sollen irgendwann einmal der Weißer Rheinbogen und Stammheim sein.

Protektoren aus Stein für die Linden

Ketan verfügte vor 13 Jahren über Räume in der Nähe der Brücke. Er wollte die Erinnerung an das Bauwerk zumindest mit den Steinkolossen bewahren. „Die Brücke war vor 120 Jahren die meist befahrene Güterzugbrücke Europas. Über die wurden zwei Weltkriege versorgt. In Deutz wurden europaweit die ersten Motoren gebaut und über diese Brücke in aller Herren Länder transportiert.“ Der Entsorgungsunternehmer hat ihm damals nach Feierabend geholfen, die Steine stadtweit zu verteilen. Auf dem Eierplätzchen wurde vor den zwölf Linden je einer aufgestellt. „Die Bäume sollten Protektoren bekommen“, sagt Ketan. Das Ensemble geriet in arge Unordnung, als für eine Erdleitung das Plätzchen aufgerissen wurde und die Steine vorübergehend umziehen mussten. Sie wurden zwar zurückgebracht, aber nicht an ihre Originalplätze vor den Bäumen. Auch das will Ketan ändern.

Werkzeugstiele in Schwarz-Rot-Gold

Immer wieder Anlass für Pro und Kontra bei den Gesprächen mit den Passanten geben die Werkzeugstiele von Harke, Besen und Hammer. Ketan hat sie schwarz-rot-gold bemalt. Schwarz unten, in der Mitte Rot, oben Gold. „Das Schwarz steht für die Erde, auf der wir stehen, das Rot für das Leben und das Gold für den Geist. Unten mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend sind es oben mein Geist und meine Achtsamkeit, die das Umfeld verändern. Ich bin verantwortlich“, formuliert der Künstler im Geiste der Fluxus-Bewegung und erinnert an Joseph Beuys: „Jeder ist ein Künstler am Gesamtkunstwerk Erde.“ Wer daran mitmodellieren möchte, ist jederzeit eingeladen. Sonntags bei Kaffee und Kuchen.

Text: Stefan Rahmann

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