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Kultur

8 Filme in 4 Tagen: meine erste Berlinale

Sonntag, 17. Februar 2013 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Jörg-Christian Schillmöller

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Ein guter Taxifahrer ist das halbe Leben. Gerade ist der ICE aus Köln in den Berliner Hauptbahnhof eingefahren, und meine Kollegin Kathrin steht am Gleis. Wir haben nicht viel Zeit: In einer guten Stunde beginnt der erste Film im „Cubix 9“ am Alexanderplatz, und wir müssen noch die Online-Tickets abholen – und zwar am Potsdamer Platz. So wollen es die Berlinale-Spielregeln. Aber: Zum Glück fährt uns ein echter Berliner. Das heißt: Er redet gern, der Dialekt ist erträglich, er kennt jeden Winkel seiner Stadt und chauffiert uns so passgenau zum Ticket-Center, dass wir uns vorkommen wie im Drive-In.

Keine fünf Minuten später sind wir wieder an Bord, mit den Tickets – und steigen kurz darauf am Alexanderplatz aus (nicht ohne die Visitenkarte unseres Fahrers). Dann geht es los: Mein erstes Mal bei den „Internationalen Filmfestspielen Berlin“. Acht Filme in vier Tagen: Für eingefleischte Cineasten ist das wenig, für mich ist das mehr als im ganzen Jahr. Die Mischung: Wir wollen ein paar Blockbuster sehen – und ein bisschen was Abseitiges. Und: Wir würden gern, wenn wir denn Karten bekommen, einmal im Berlinale Palast sitzen. Tatsächlich gibt es dann von allem in den nächsten Tagen mehr als genug. Sogar eine Weltpremiere ist dabei – und, sehr rührend: Wir erleben Ennio Morricone, live und in Farbe.

Teil eins, Cubix 9, 14.30 Uhr: „Hayatboyu“, von Asli Özge. Ein türkischer FIlm, der in Istanbul spielt. Leider ein Reinfall. Es ist die Geschichte eines Paares, das sich nichts mehr zu sagen hat – und das 110 Minuten lang. Dauernd laufen beide in ihrem Designer-Haus die Metalltreppen rauf und runter, und das ist fast das einzige, ernstzunehmende Geräusch in dem Film. Ernüchternd. Dafür sehe ich vorher zum ersten Mal den kurzen Berlinale-Trailer, der vor jedem Film läuft – sogar vor einer Doku über die Maori in Neuseeland (die wir wirklich sehen werden). Ein feierliches Gefühl, wenn der Berlinale-Bär sich in dem Trailer aus einem Wirbel goldener Sterne einen Moment lang zusammensetzt und dann wieder in Sterne zerfällt.

Nach dem lauen Auftakt folgt Tag zwei – ein Tag wie aus dem Kino-Bilderbuch. Ein Tag, an dem alles stimmt. Kathrin wohnt fußläufig zum Friedrichstadtpalast – diesmal haben wir schon Karten aus dem Vorverkauf. Der Film, den wir um 12.30 Uhr sehen, ist ein Highlight: „Before Midnight“, Teil drei der Geschichte von July Delpy und Ethan Hawke („Before Sunrise“, „Before Sunset“). Der Friedrichstadtpalast – eigentlich ein Revue-Theater – fasst laut Wikipedia 1895 Plätze und ist richtig voll. Diesmal haben wir 108 Minuten lang Spaß, fiebern mit – und sind beeindruckt, dass es zwischendurch minutenlange, ungeschnittene Dialogszenen gibt, in denen der Kameramann rückwärts vor den beiden Hauptdarstellern herläuft. Die Story: July Delpy und Ethan Hawke leben inzwischen seit Jahren zusammen, haben Kinder und trennen sich. Fast.

„Er sollte hier sein!“. Solidarität mit Jafar Panahi.

 

Danach dann das nächste Highlight – und das unverhofft. Wir fahren zum Potsdamer Platz, wo um 16 Uhr die Weltpremiere von „Pardé“ läuft. „Pardé“ („Closed Curtain“) ist ein Film des iranischen Regisseurs Jafar Panahi, der in seiner Heimat zu einem 20-jährigen Berufsverbot verurteilt wurde und es trotzdem geschafft hat, einen Film zu drehen und nach Berlin zu schmuggeln. Ärgerlich, dass wir keine Karten haben und der Film im Vorverkauf und online seit Tagen ausverkauft ist. Wir malen uns – auf Deutsch und auf Farsi – zwei Schilder („Suchen Karten“) und sind bereit, vor dem Berlinale Palast Schlange zu stehen. Die Tageskasse ist direkt gegenüber, und eigentlich schauen wir dort nur vorbei, um uns zu vergewissern, dass es tatsächlich keine Karten mehr gibt. Fünf Minuten später geschieht ein kleines Wunder: Es gibt noch Karten. Kaum zu glauben. Die Schilder haben wir umsonst gemalt.

16 Uhr, Berlinale Palast. „Pardé“ ist ein Film über das schwierige Filmemachen im Iran, und Jafar Panahi tritt trotz seines Berufsverbotes selbst auf. Den Film hat er in einem Haus am Meer gedreht (das Kaspische Meer? der Persische Golf?), und als er selbst vor die Kamera tritt, gibt es Szenen-Applaus. Ohne Frage, es ist ein Low-Budget-Film, den wir da sehen, und die Ästhetik ist ausgedünnt. Aber dass dieser Film, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, dennoch im Wettbewerb läuft, das ist beeindruckend. Sogar Kulturstaatsminister Bernd Neumann ist im Saal – für ihn dürfte der Kinobesuch in diesem Falle ebenso ein Statement sein wie für viele andere Besucher.

Ennio Morricone betritt die Bühne – nach dem Film „The best offer“ mit seiner Filmmusik.

 

Eigentlich sind wir danach müde. Sehr müde. Aber um 21 Uhr wartet noch „The best offer“ von Giuseppe Tornatore, wieder im Friedrichstadtpalast. Nach einem schnell zusammengekochtem Nudelessen sind wir wieder unterwegs – mit dem heimlichen Zugeständnis: Wenn der Film fade ist, können wir ja währenddessen schlafen. Doch „The best offer“ entpuppt sich als großes Kino. 131 Minuten Spannung, mit der Geschichte eines alternden Auktionators (Geoffrey Rush), dem eine mysteriöse junge Frau anbietet, den Nachlass ihrer Eltern zu versteigern. Es geht um Original und Fälschung in diesem Film (auch was die Gefühle betrifft), aber der Gänsehautmoment wartet nach dem Abspann: Nacheinander betreten Giuseppe Tornatore, Geoffrey Rush und Jim Sturgess die Bühne im Friedrichstadtpalast – und dann folgt tatsächlich auch Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“), der die Musik geschrieben hat. Ein ergreifender Moment,. Und ein krönender Abschluss eines proppenvollen Festival-Tages.

 

Am nächsten Tag, 11 Uhr vormittags in Kreuzberg: Im HAU, dem Theater „Hebbel am Ufer“ spricht der britische Regisseur Ken Loach zwei Stunden lang über seine Arbeit. Spannend: Er gibt den Schauspielern viel Freiheit – und das Drehbuch bekommen sie nie vor den Dreharbeiten. Vielmehr erhalten sie ihre Dialoge oft erst am Tag vorher.  Instinkt: Darauf setzt Ken Loach. Nachmittags sitzen wir dann um 17 Uhr im Souterrain der „Schwangeren Auster“, dem Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten. Es folgen drei ältere und schwierige Dokumentarfilme – einer über einen Maori-Aufstand, einer über zwei Ärzte der Aborigines und einer über den Selbstmord eines Waisenkindes in Kanada. Die Bandbreite der Filmfestspiele ist groß: Vom Glamour im Berlinale Palast ist hier nichts zu spüren – aber auch hier läuft zum Auftakt der schöne Trailer mit dem Sternen-Bär.

Das Wahrzeichen der Berlinale, überall präsent.

 

Donnerstag. Endlich dürfen wir mal so richtig lange warten auf Karten. Es ist 12.19 Uhr im kleinen Verkaufsraum des Friedrichstadtpalastes, und die Kasse hat zwar geöffnet, aber die letzten Karten für den „Nachtzug nach Lissabon“ werden erst ab 14 Uhr verkauft. Wir sind so früh, dass wir die Nummer eins in der Schlange sind. Schnell bildet sich eine freundschaftliche Stimmung unter den Wartenden: Wir lernen Felix kennen, der für seine schwangere Freundin und sich noch Karten sucht, und Barbara aus der Schweiz. Die Zeit bis 14 Uhr vergeht schnell, und tatsächlich bekommen wir tolle Tickets, Parkett, freie Platzwahl, 10 Euro das Stück. Der Film selbst ist dann ordentlich, aber nicht großartig – trotz der Starbesetzung: Jeremy Irons, Bruno Ganz, Martina Gedeck. Es ist aber keiner von ihnen im Kino dabei.

Endspurt – ein Film noch, praktischerweise gleich im Anschluss und wieder im Friedrichstadtpalast. „Frances Ha“ von Noah Baumbach, ein lustiger Schwarz-Weiß-Film vo 86 Minuten über eine junge Frau in New York, die ständig auf Wohnungssuche ist und eigentlich Tänzerin werden will. Der Regisseur und die Hauptdarstellerin (Greta Gerwig) sind im Saal, aber Noah Baumbach ist auffallend wortkarg: Als der Moderator ihn vor dem Film auf die Bühne bittet und fragt: „A few words?“, entgegnet Baumbach: „I hate doing this. Enjoy the movie“. Das Publikum klatscht begeistert – und während des Films wird dann auch viel gelacht. Ein schöner Schlusspunkt für vier Tage Berlinale – und als ich am Freitag wieder im ICE nach Köln sitze, ist bereits beschlossene Sache: 2014 sind wir wieder dabei.

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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