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Kultur

Kleiner großer Mann

Donnerstag, 12. November 2015 | Text: Reinhard Lüke | Bild: © W-film / Ullabritt Horn

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Sehenswerter Dokumentarfilm über den Nazi-Ankläger und Völkerrechtler Benjamin Ferencz

Man kann als Dokumentarfilmer einen noch so tollen Menschen mit einer ebenso bewegten wie bewegenden Biographie entdecken, doch wenn der lebende Protagonist nicht in der Lage ist, seine Geschichte(n) vor der Kamera überzeugend zu erzählen, schriebe man besser ein Buch über ihn. Oder wie Filmemacherin Ullabritt Horn bei der Vorstellung ihres Dokumentarfilms es am Dienstag letzter Woche im Odeon sagte: „Es nützt die tollste Story nix, wenn menschlich die Chemie nicht stimmt.“ Vor diesem Hintergrund hat sie mit Benjamin Ferencz einen ausgesprochenen Glücksgriff getan. Denn dem heute 95jährigen würde man vermutlich auch 90 Minuten lang zuhören, wenn er in seinem ganzen Leben als Sachbearbeiter nur Akten abgeheftet hätte. Mit Akten hat sein außergewöhnliches Leben durchaus zu tun. Aber nicht mit irgendwelchen. Und lediglich abgeheftet hat er sie schon gar nicht.

Benjamin Ferencz, der mit seinen Eltern als Baby vom Balkan nach New York kam, war Chefankläger in den Nürnberger Prozessen. Nicht in jenen Verfahren, in denen die prominenten Parteigrößen der Nazis abgeurteilt wurden, sonden im sogenannten Einsatzgruppenprozess, in dem jene Kriegsverbrecher zur Veratwortung gezogen wurden, die unmittelbar für die Massenmorde in Russland und anderswo verantwortlich waren. Ein Großteil der Akten, die für die Verurteilung der Angeklagten, die sich allesamt für „nicht schuldig“ erklärt hatten, unabdingbar waren, hatte Ferencz in den Jahren zuvor selbst  zusammengetragen. Bei Prozessbeginn in Nürnberg war der Chefermittler gerde einmal 27 Jahre alt. In den folgenden Jahren verhandelte Ferencz als Direktor der Jewish Resitution Successor Organization mit der BRD über Reparationszahlungen an Israel und wandte sich anschließend dem Bohren noch dickerer Bretter zu. Weil es eigentlich keine gesetztliche Grundlage gab, um Kriegsverbrechern weltweit juristisch beizukommen, verschrieb der Jurist sich der Mammutaufgabe, ein internationales Völkerrecht zu entwickelt und einen entsprechenden Gerichtshof zu installieren, der solche Vergehen ahnden sollte. Über Jahrzehnte reiste Benjamin Ferencz um den Globus, um Verbündete für sein Vorhaben zu finden. Dass 2002 der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag seine Arbeit aufnahm, war nicht nur, aber vor allem anderen das Verdienst des kleinen Anwalts aus New York.

 

Benjamin Ferencz /Bild: © W-film / Ullabritt Horn

Die Dokumentation begleitet Ferencz zu den ehemaligen Stätten seiner Arbeit wie etwa in den Gerichtsaal in Nürnberg (heute ein Museum), lässt Zeitzeugen und Weggefährten zu Wort kommen und wartet überdies mit zahlreichen Archivbildern seines reichen (Arbeits-)Lebens auf. Doch das Salz in der Suppe ist fraglos der Protagonist selbst. Weit entfernt davon, als verbitterter alter Mann auf die Greueltaten der Welt zu blicken, präsentiert sich Ferencz als sympathischer, überaus humorvoller Zeitgenosse, der zwischendurch immer wieder einen Scherz auf Lager hat. Bisweilen übermannt ihn aber auch die Rührung. Etwa, wenn er sich an seine Lehrerin in im Armenviertel von Manhattan erinnert, die ihm den Weg aufs College ermöglichte. Regisseurin Ullabritt Horn im Odeon über ihren Filmhelden: „Diese Mischung aus Ernst und Humor hat mich von Beginn an fasziniert. Und da Ferencz auch noch druckreif spricht, war mir bei  jeder Szene, die dem Schnitt zum Opfer fallen musste, fast zum Heulen zumute.“ Ferencz war zur Premeire seines Filmporträts zwar nicht nach Köln gereist, hatte aber eine launige Videobotschaft geschickt. Quasi als Vertretung war zudem sein Sohn Donald, ebenfalls Anwalt, im Odeon dabei. Und der verriet dann auch, was es mit der Marlene-Dietrich-Geschichte auf sich hat, über die Vater und Sohn in der Schlussszene des Films, quasi im Weggehen, scherzen. Demnach hatte Benjamnin Ferencz seinerzeit an der Front mitbekommen, dass Marlene Dietrich, wie viele andere US-Stars als singende Truppenbetreuerin unterwegs, in seinem Regiment Station machte und vor ihrem Auftritt noch ein Bad zu nehmen gedachte. So schlich er sich dann unter einem Vorwand in die Nasszelle und erhaschte einen exklusiven Blick auf die Diva im Evakostüm.

 

A MAN CAN MAKE A DIFFERENCE, ab 12.11.2015 im Odeon.

Text: Reinhard Lüke

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