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Südstadt

Vom Küchentisch an die Wand: „Was bisher geschah“

Mittwoch, 15. April 2026 | Text: | Bild: Jeannette Fentroß

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Zwischen Kaffeeduft, leisen Gesprächen und dem Klappern von Geschirr, sind sie für vier Wochen zu sehen: Kleine, vielschichtige Bildwelten, die sich manchmal erst auf den zweiten Blick vollständig erschließen.

Betritt man derzeit das Café Zikade in der Kurfürstenstraße, begegnen einem nicht nur Cappuccino, Croissant & Salate, sondern auch Collagen aus dem künstlerischen Kosmos unserer Kollegin Nora Koldehoff. Für sie ist es die erste Ausstellung überhaupt – ein Schritt, der lange auf sich warten ließ.

Nora Koldehoff am ersten Abend ihrer ersten Ausstellung (Bild: Jeannette Fentroß)

„Im Verborgenen gewachsen

Zur Vernissage verwandelte sich der Raum in einen lebendigen Treffpunkt für Kunstinteressierte, Freund*innen und Bekannte. Aber auch für Nachbar*innen und Neugierige. Gespräche über Techniken, Motive und künstlerische Inhalte mischten sich mit ehrlicher Anerkennung. Für Nora war es mehr als nur eine Eröffnung – nämlich ihr Bekenntnis zu etwas, das lange schon im Verborgenen gewachsen war.

Aus Platzgründen sehr eng gehängt – Nora Koldehoffs Arbeiten in der „Zikade“ (Bild: Jeannette Fentroß)

Der Titel der Ausstellung ist bewusst gewählt: „Was bisher geschah“ wirkt wie ein Zwischenstand, kein Abschluss. Tatsächlich versteht Koldehoff die Schau als Momentaufnahme eines Prozesses, der gerade erst wieder Fahrt aufgenommen hat. Insgesamt 42 Arbeiten sind zu sehen – Collagen, Drucke, künstlerische Experimente. Viele davon entstanden erst vor kurzem – es ist ein Rückblick, aber auch ein Ausblick.
Am Vernissage-Abend konnte sie schon freudig die ersten roten Punkte an ihre Werke kleben – für eine allererste Ausstellung ein besonders schöner Moment.

Ein langer Umweg zurück zur Kunst – Kleine Formate mit großer Wirkung

Noras künstlerische Reise ist keine geradlinige. Sie beginnt früh mit dem Wunsch, an eine Kunstakademie zu gehen, mit Kursen bei der Künstlerin Diemut Schilling in Wuppertal, Experimenten mit neuen Techniken wie der Monotypie. Später folgen Designstudium, Begegnungen mit dem Aktzeichnen, plastisches Gestalten. Und dann „kam das Leben dazwischen“, sagt Koldehoff rückblickend. Kinder, Umzüge, Ehrenamt und inzwischen freie Autorin, unter anderem tätig für den Deutschlandfunk, verschob sich ihr kreativer Ausdruck Richtung Schreiben. Doch die Sehnsucht, sich bildnerisch auszudrücken, bleibt. Und wird stärker, als die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind.

Blick in eins Noras Skizzenbüchern (Bild: Jeannette Fentroß)

Intuitiv arbeiten, weniger denken

Mit dem Wiedereinstieg beginnt sie bewusst niedrigschwellig. Kleine Formate, tägliche Übungen, Collagen ohne großen Anspruch – Hauptsache, den Kopf frei machen. „Jeden Tag eine Minicollage“, so beschreibt sie ihr Projekt, das sie am 1. Januar 2025 startete und seither in kleinen Skizzenbüchern sammelt. Diese Praxis wird zum Schlüssel: Intuitiv arbeiten, weniger denken, mehr machen. Über kreative Challenges in sozialen Netzwerken findet sie Anschluss an eine internationale Szene – und den Mut, ihre Arbeiten erstmals öffentlich zu zeigen.

Skizzen, Collagen&Co am Küchentisch (Bild: Jeannette Fentroß)

Kunst aus der Küche: Experiment statt Perfektion

Was Noras Arbeiten besonders macht, ist ihre Herangehensweise. Gedruckt wird mit einfachen Mitteln: Nudelmaschine, Kochlöffel, manchmal sogar mit dem eigenen Körpergewicht. Große Maschinen? Fehlanzeige. Gerade diese Improvisation eröffnet Spielräume. Zufälle werden Teil des Prozesses, Fehler zu gestalterischen Elementen. Eine Monotypie entsteht etwa aus Restfarbe – ein Nebenprodukt, das sich als eigenständiges Werk behauptet.

Sammeln, schneiden, erzählen: Die Welt der Collagen und Kunst im Alltag

Auch in ihren Collagen zeigt sich diese Haltung. Nora Koldehoff sammelt: Alte Zeitschriften, Fotografien, Figuren aus vergangenen Jahrzehnten. Sie kombiniert, verfremdet, setzt neu zusammen. „Die Sucherei dauert oft länger als das eigentliche Bild“, sagt sie. Ihre Werke erzählen keine eindeutigen Geschichten – sie laden dazu ein, eigene zu entdecken.
Die Hängung im Café stellt eine besondere Herausforderung dar. Wenig Platz, viele visuelle Reize. Statt klassischer Galeriepräsentation entsteht eine dichte Anordnung. Gerade das passt zum Ort. Denn hier trifft Kunst auf Alltag. Menschen, die vielleicht nie eine Galerie betreten würden, begegnen ihr beiläufig beim Kaffee, im Gespräch oder Vorbeigehen zur Theke.

Warum ein Café der richtige Ort für Kunst ist

Dass die Ausstellung „was bisher geschah“ überhaupt stattfinden kann, ist auch dem Engagement des Teams im Café Zikade zu verdanken. Koch Oliver Strobel, Initiator der Reihe, wollte die zuvor lange leeren Wände wiederbeleben: „Früher hingen hier Bilder, dann waren die plötzlich weg – und es blieb leer. Dabei ist es doch einfach schöner mit Kunst.“ Über Kontakte zum Kollektiv des Kunstmarkts StandArt entstand schließlich die Idee, monatlich wechselnde Künstler:innen auszustellen. „Wenn man einmal anfängt, kommen die Leute auch von selbst“, sagt Oli. Besonders wichtig ist ihm dabei die Mischung: etablierte Positionen neben Newcomer*innen – und die Chance, Kunst niedrigschwellig zugänglich zu machen.

Im Café sein und Kunst sehen – das Konzept der Zikade. (Bild: Jeannette Fentroß)

Zikade: Ort für lokale Kunst Community

Auch Servicekraft und Künstlerin Roxy, die selbst bereits in der Zikade ausgestellt hat, erlebt das Format als besondere Gelegenheit: „Es war das erste Mal, dass ich einfach frei und ohne Kosten ausstellen konnte – und direkt so viele Leute zusammenkamen.“ Ihre Vernissage sei nicht nur gut besucht gewesen, sie habe auch Werke verkauft. Vor allem aber schätzt sie die Atmosphäre: „Das ist kein klassischer Galerieraum, sondern ein Ort, an dem Kunst einfach passiert.“ Für sie steht fest: Weitere Ausstellungen sollen folgen – und die Zikade bleibt ein Ort, an dem sich eine lebendige, lokale Kunst-Community weiterentwickeln kann.

Die Ausstellung „was bisher geschah“ im Café Zikade läuft noch bis zum 13. Mai 2026.

Text: Jeannette Fentroß

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