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Kultur

Akademiker auf Partnersuche

Samstag, 15. Februar 2014 | Text: Stephan Martin Meyer | Bild: Meyer Originals

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Eine komische Tragödie von Martin Heckmanns im Theater der Keller
Es ist eigentlich eine ganz normale Geschichte, die im Theater der Keller auf die Bühne kommt: Mann trifft Frau im Supermarkt. Sie verabreden sich, sie mögen sich. Sie gehen miteinander ins Bett. Sie zweifeln, sie trennen sich. Sie versuchen es noch mal. Vielleicht scheitern sie, vielleicht gelingt es ihnen, die Illusion der Unzertrennlichkeit eine Weile aufrecht zu erhalten.

Das 2011 in Mannheim uraufgeführte Stück „Einer und Eine“ von Martin Heckmanns bietet allerdings deutlich mehr als diese einfache Geschichte. Ein elementarer Konflikt dominiert das Geschehen: Die beiden Hauptfiguren sind Akademiker. Mehr noch: Sie sind Intellektuelle. Damit nimmt das in vielen Momenten urkomische Drama seinen Lauf. Denn der Doktorant und die Übersetzerin haben in ihren Köpfen fest institutionalisierte Dämonen. Diese sorgen selbst in banalen Situationen dafür, dass nichts Unüberlegtes geschieht, dass jede Handlung im Vorfeld mehrfach durchdacht wird und dass sich die Agierenden nicht auf ein niedriges Niveau herablassen.

Für die Kölner Innenstadt registriert das Amt für Statistik zwei Drittel der Haushalte als Einpersonenhaushalte. In keinem anderen Stadtteil leben so viele Singles. Der Kölner Durchschnitt liegt bei etwas mehr als der Hälfte der Haushalte. Dort, wo die Mietpreise hoch sind, dort wo vermutlich die meisten Akademiker ansässig sind, dort leben auch die meisten Menschen allein in einem Haushalt. Wie viele von ihnen tatsächlich Singles sind, das geben die Zahlen der Stadt leider nicht wider. (Stand: 2013. Quelle: Stadt-koeln.de) 

Martin Schulze greift in seiner Inszenierung ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema auf, das sich auf viele Bereiche des Lebens ausdehnt: Je mehr Menschen alleine in einer Wohnung leben, desto höher steigen die Mieten. Die Fragen nach der Versorgung im Alter und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden uns in den nächsten Jahren verstärkt beschäftigen. Allein leben, allein sein, das macht viele Menschen unglücklich. Allein leben bedeutet aber auch, die Wahrscheinlichkeit auf eigene Nachkommen zu reduzieren und dadurch im Alter niemanden an seiner Seite zu haben. All das kostet die Gesellschaft viel Geld. Und einer der Ursprünge für diese Fragen ist die Herausforderung der Partnersuche.

Auf der Bühne agieren Katharina Waldau (als Grete) und Marc Fischer (als Jakob) miteinander. Sie lernen sich zufällig an der Kühltheke eines Supermarktes kennen, verlieren dabei einen Teil ihrer Einkäufe, so dass sich zwischen ihren Füßen Himbeeren mit Joghurt mischen. Der Beginn einer wunderbaren Affäre. Könnte man denken. Da sie allerdings beide von ihren Dämonen, die aus Familie, Freunden, Ex-Partnern, Konventionen, Chefs und nicht zuletzt dem eigenen Ego bestehen, sorgfältig und engmaschig betreut werden, fallen sie nicht übereinander her. Sie sind gehemmt, sagen genau die falschen Dinge, verstummen.

Die Dämonen (Lissa Marilena Schwerm, Jonas Müller-Liljeström) lassen ihre Protagonisten nicht aus den Augen. Sie folgen ihnen überall hin. Bis ins Schlafzimmer. Sie nehmen am Akt des Entkleidens teil, sie kommentieren den Zustand des eigenen und des gegenüber stehenden Körpers und sie reden ohne Unterlass. Zudem können Grete und Jakob bereits nach kurzer Kennenlernphase auch den Dämonen des anderen hören. Im Ergebnis werden beide von einem unendlichen Redeschwall erschlagen, der eine ungezwungene Orientierung kaum noch möglich macht.

Romantik und Realität widerstreiten auf der Bühne des Theaters der Keller erfolgreich miteinander. Vier fulminante Schauspieler bringen die Zuschauer immer wieder zum Lachen. Die Figuren sind liebevoll und überzeugend ausgestaltet und ermöglichen durchgehend das Mitfühlen. Und dennoch sind sie manchmal so komisch angelegt, dass auch tragische Momente zum Schmunzeln anregen.

Mit der Aufführung von „Einer und Eine“ gelingt es dem Regisseur Martin Schulze, die ewige Suche nach dem perfekten Partner so plastisch vor Augen zu führen, dass der zuschauende akademische Single nahezu gezwungen wird, sich seine (selbstverschuldete) Situation vor Augen zu führen.

 

Einer und Eine
Regie: Martin Schulze ?Bühne und Kostüme: Silvie Naunheim
Mit: Marc Fischer, Jonas Müller-Liljeström, Lissa Schwerm, Katharina Waldau

Weitere Termine im Theater der Keller:
22./25. Februar 2014
6./18./25./29. März
5./12./26./29. April
 

Text: Stephan Martin Meyer

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