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Kultur Neuigkeiten

Arsch huh, Zäng ussenander!

Samstag, 12. Mai 2012 | Text: Nora Koldehoff | Bild: Karsten Schöne

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem legendären Konzert auf dem Chlodwigplatz, das als „Kölner Woodstock“ in die Musikgeschichte eingegangen ist. Weil man mit dem Konzert am 9. November 1992 vor rund 100.000 Zuschauern nicht allein ein kulturelles Statement abliefern, sondern gegen Neonazis und Rechtsextremismus demonstrieren wollte. Deshalb richteten sich das Motto der Veranstaltung und ihr Titelsong schon 1992; ganz direkt an die Zuhörer: „Arsch huh – Steht auf!“ und „Zäng ussenander – Sagt selbst, was Ihr wollt und was nicht!“

Untätig war die Arbeitsgemeinschaft „AG Arsch huh“ in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht. Immer wieder engagierte sie sich gegen Ausgrenzung und Rassismus und für ein friedliches Miteinander – zum Beispiel, als die Aktion „Köln stellt sich quer“ einen Aufmarsch der Rechtspartei „Pro Köln“ und „Pro NRW“ verhinderte.
Zum 20. Jubiläum in diesem Jahr soll’s nun noch mal etwas größer werden. Wieder am 9. November wird zum Jahrestag des ersten Konzertes die Urbesetzung ein weiteres Mal zusammen auftreten, erweitert um einige Gäste. Und so war es auch eine sentimentale Angelegenheit, als man sich am Freitag (11.05.2012) in der Severinstorburg traf: Mitglieder von BAP und Brings, die Bläck Föös und Zeltinger, Tommy Engel, Nick Nikitakis und Gerd Köster – bis auf die Höhner, die einen Auftritt hatten war die gesamte Kölner Musikprominenz gekommen, um für das neue alte Gemeinschaftsengagement zu werben: nicht für sich, sondern für eine lebenswertere, solidarischere Stadt.

AG-Sprecher Karl-Heinz Pütz.

 

Deshalb soll auch das Konzert auf jeden Fall wieder mitten in der Stadt gespielt werden, um die es allen geht. Der genaue Ort aber steht noch nicht fest. Nur, dass wohl diesmal nicht der Chlodwigplatz wird, scheint sicher. Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg gibt es für Großveranstaltungen inzwischen deutlich verschärfte Bedingungen. Noch heute, sagte bei der Pressekonferenz in der Severinstorburg AG-Sprecher Karl Heinz Pütz, müsse man im Grunde eine Kerze dafür anzünden, dass vor 20 Jahren trotz der unerwartet großer Menschenmenge nichts passiert ist.  „Wir standen auf dem Dach des Severinstors“, erinnerte sich Stephan Brings, „und wussten auch nicht, ob überhaupt jemand kommen würde. Und dann kamen plötzlich alle.“

Auch in diesem Jahr kommt man zum Revival aber nicht zusammen, um sich selbst zu feiern oder ein schönes Event zu wiederholen. Eine solidarische Stadtgemeinschaft und der Kampf gegen Fremdenangst und -feindlichkeit ist den Musikern und Organisatoren noch immer ein großes Anliegen. Die Veranstaltung versteht sich wieder als Demonstration gegen Ausgrenzung, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Und nicht allein als Einmal-Event, sondern als Anstoß für eine gemeinschaftliche Veränderung.

Dass die notwenig ist, zeige – so Karl Heinz Pütz – die neueste Studie des Bielefelder Sozialwissenschaftlers und führenden Extremismus-Forschers Wilhelm Heitmeyer: Die Hälfte der Deutschen sind seinen repräsentativen Umfragen zufolge der Ansicht, Deutschland sei „in gefährlichem Maß überfremdet.“ Daneben will „Arsch huh“ diesmal aber  auch auf benachteiligte gesellschaftliche Gruppen lenken, die in Köln wie anderswo seit längerem an den Rand gedrängt werden: Asylbewerber und Obdachlose zum Beispiel, Hartz IV-Empfänger und Langzeitarbeitslose. Das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, sich nicht spalten zu lassen, daran appellieren die Musiker. Anfangs habe auch er oft als sozialromantisch belächelten Lieder der Bläck Föös wie „In unsrem Veedel“ oder „Drink doch eene mit“ kritisch gesehen, bekannte BAP-Gründer Wolfgang Niedecken in der Severinstorburg: „Inzwischen weiß ich, dass es genau das ist, was unsere Liebe zu dieser Stadt ausmacht.“
„Arsch huh, wähle jonn!“ empfiehlt Peter Brings.

 

Bei der Veranstaltung im Herbst werden neue Lieder und neue Versionen älterer Lieder zu hören sein, Gäste sprechen – Kabarettisten, Schauspieler, auf keinen Fall aber Politiker – und Filme mit Statements von Jugendlichen zum Zustand ihrer Stadt und ihren eigenen Perspektiven zu sehen sein. 300.000 Euro wird „Arsch huh 2012“ kosten. Zusammenkommen soll das Geld – wie schon vor 20 Jahren – durch den Verkauf eines eigens produzierten Albums aller Beteiligten. Dieses wird zwar als Download erst Ende Oktober und als CD dann Anfang November erhältlich sein. Wer Konzert und Projekt unterstützen will, soll das aber schon jetzt tun, indem er ab Mitte Mai bestellt und bezahlt, damit sein Exemplar schon sicher hat und sich aktiv an der Realisierung des Projektes beteiligt. Die CD wird 11 € kosten, der Download 10 €. Dass die persönliche Verantwortung nicht erst im Herbst beginnt, war zum Schluss der Pressekonferenz Peter Brings ein besonderes Anliegen – für den Sonntag lautet seine Aufforderung: „Arsch huh, wähle jonn!“

 

Weitere Informationen zur „Arsch huh, Zäng ussenander!“ Protest-Aktion unter: www.arschhuh.de

Text: Nora Koldehoff

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