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Auf ein Kölsch mit... Kultur

Auf eine Tasse Tee mit Mary Waldermann.

Mittwoch, 13. März 2013 | Text: Kathrin Rindfleisch | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Als ich sie zum ersten Mal erlebe, sitzt Mary Waldermann auf einer kleinen alten Schulbank und liest aus einem ihrer Bücher vor. Dass mir ein paar Wochen später diese kleine, bemerkenswerte Frau mit einem Hang zur Farbe Lila bei einer Tasse Tee im Wippn´bk aus ihrem Leben erzählen würde und von ihrer Zeit als Lehrerin, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen. Dass mir relativ schnell klar war, dass ich sie kennen lernen möchte, allerdings schon. Nie zuvor hatte ich eine solch intensive Lesung erlebt: Eine Handvoll Mütter saß im Rahmen des Eltern-Cafés der Grundschule Mainzer Straße bei Kaffee und Brötchen erst quatschend beisammen, dann verstummten alle, um schließlich andächtig an Lippen zu hängen. An ihren Lippen, die da erzählen, vom Traumkind Murmelchen, das Kinder nachts mit auf die Reise in den Zoo nimmt. Dort sucht und findet es Antworten auf Fragen und Konflikte, die die Kinder tagsüber beschäftigen. Und zwar mit Hilfe der Tiere, die nur nachts sprechen können und dem Menschen ungefährlich sind. Die Einfühlsamkeit und Liebe, mit der Mary Waldermann die Kinder zweifeln und zum Teil verzweifeln lässt und ihnen in gleichem Maße Lösungsvorschläge bietet und ihnen damit Trost und Ruhe spendet, sind so ergreifend, so wahrhaftig, lebensbejahend und klug, dass man ihr ewig zuhören möchte. Geht natürlich nicht. Stattdessen sitzen nach einer Stunde Murmelchen mit Mary Waldermann sechs Frauen am Tisch und trocknen ihre Tränen. Weil sie ergriffen sind. Weil da jemand ist, der in Kinderseelen blicken kann.

Die Mutmacherin

Mit diesem ersten Eindruck also sitze ich Mary Waldermann nun gegenüber. Bei einer Tasse Tee im Café Wippn´bk am Ubierring. Zwei Bücher hat sie bisher geschrieben, „Aus der Tiefe der Nacht“ – Geschichten um das Traumkind Murmelchen, und eine Sammlung von Geschichten von unterwegs „…denn jetzt hat  meine Sehnsucht Bilder“. Beide Bücher sind im Engelsdorfer Verlag erschienen, einem Selbstverlag und nicht nur einmal denke ich an diesem Tag, dass es da ganz andere Bücher in namhafte Verlage geschafft haben – und frage mich, wer die von Mary Waldermann bisher übersah. Im Laufe der Begegnung dann erfahre ich so viel über ihr Leben, das, 77 Jahre lang prall gefüllt, hauptsächlich eine Sinn hatte, nämlich den Einsatz für Schwächere. Mir wird klar, dass die eigenen Geschichten für Mary Waldermann nie im Vordergrund standen. Angefangen hat sie mit 16 Jahren mit einem Volontariat beim Euskirchener Tagesblatt , später dann bei der Kölnischen Rundschau, sie hatte Veröffentlichungen in der Soziologie Heute, dem Stadtanzeiger und dem Tierfreundemagazin Stadtgeschnupper. Das Schreiben begleitet sie durch ihr ganzes Leben. Aber eben nicht als Hauptaufgabe. Die fand sie in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Als Dorfschullehrerin und über Jahre hinweg in ihrer Tätigkeit als Schulleiterin und dann, nach einem späteren Studium der Soziologie und Psychologie als Ausbilderin für angehende Lehrer. Bei ihrer Arbeit stieß sie immer wieder an den einen Punkt, der ihr bis heute am Wichtigsten erscheint im Umgang mit jungen Menschen: das Mutmachen! Mut machen zu sich selbst. Die Geschichten von ehemaligen Schülern, die dank ihrer Aufforderung, an sich zu glauben, heute erfolgreiche Erwachsene sind, erzählt sie gerne. Dass diese sich noch heute dafür bei ihr bedanken, erfährt man nur ganz nebenbei. Dabei ist „nebenbei“ so gar nicht Mary Waldermanns Art. Vor allem dann nicht, wenn es um andere geht. So war sie maßgeblich beteiligt an der ersten Literatur über Legasthenie in deutscher Sprache. Durch eine Pflegetochter, die an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche litt, befasste sie sich mit dem Thema, ließ sich als Therapeutin ausbilden und arbeitete in den 80er Jahren in der Kinderklinik Göttingen, wo sie Untersuchungen zu der bis dahin noch unzureichend bekannten Hirnstörung durchführte.

 


 

Kinder, Tier und die Frage, was das Leben ist

1988 kommt sie durch einen Aufruf des Fördervereins des Kölner Zoo an eine Tätigkeit, die ihr Leben bis heute sehr prägt: Die Arbeit als ehrenamtliche Zooführerin. Neben Menschen, besonders den hilfebedürftigen, sind es Tiere, die Mary Waldermann wichtig sind. Und so gibt es in den letzten 25 Jahren kein Tier im Kölner Zoo, das sie nicht genauestens kennt, mit all seinen tierischen Macken und Eigenarten. Am meisten wachsen ihr die Primaten ans Herz und in ihrer unvergleichlichen Art, anderen Menschen diese Liebe zu vermitteln, lernt sie das krebskranke Mädchen Darefa kennen, das in den Zoo kommt, um sich einen letzten Wunsch zu erfüllen – eine Führung zu ihren Lieblingstieren. Mary Waldermann gewinnt schnell Darefas Herz und das 12-jährige Mädchen wünscht sich instinktiv von ihr das, was sie den Menschen ihr Leben lang zu geben versucht: Mut. Da schreibt Mary ihr eine Mutgeschichte, die Geburt des Traumkindes Murmelchen, der Hauptfigur ihres ersten Romans.? Über das Mädchen Darefa lernt die Frau, die eben gar nichts nebenher macht, die Kinderkrebsklinik Bonn kennen und mit ihr viele kleine Menschen, deren Schicksale, Ängste und Stärken. Sie ist dabei, wenn die Kinder eine überstandene Krankheit feiern und auch, wenn die Krankheit obsiegt und die gemeinsame Trauer und Erinnerung an einen Menschen das Einzige ist, was Mut macht. Mit der Zeit entstehen viele, ganz persönliche Mutgeschichten und ihr Buch „Aus der Tiefe der Nacht“, in dem sie gesammelt sind, wird in Grundschulen vorgelesen und zu Hause in Familien. Und immer wieder hört Mary Waldermann dasselbe: was die Kinder am meisten beeindruckt ist die Geschichte von dem Mädchen Apfelbäckchen, das die Löwin fragt, was denn eigentlich das Leben sei. Die Antwort, die Mary Waldermann der weisen Löwin in den Mund legt, entspringt der Lebenserfahrung dieser ungewöhnlichen Frau, die statt einem, gefühlt vier Leben gelebt und mindestens noch zwei vor sich hat: „Die Kraft, die alles, was sich wiederspricht, so zusammenführt, dass es doch zueinander passt und ein Ganzes wird, ist das Leben.“ (aus Mary Waldermann „Aus der Tiefe der Nacht“, S. 59, Z. 8-12, Engelsdorfer Verlag 2008).

Wunscherfüllung nach einem reichen Leben

Viele verschiedene  Begegnungen, Tätigkeiten und Aufgaben haben Mary Waldermann in 77 Jahren geprägt, gemeinsam haben sie alle die Suche nach den Menschen und zusammen ergeben sie ihr Leben! Und das ist weiterhin sehr aktiv. Für andere, aber auch immer mehr für sie selbst. So hat sie sich im letzten Jahr ihren großen Traum erfüllt und ist nach Alaska gereist, zuvor hatte sie Cello-Unterricht genommen, ein Kindheitswunsch, der ihr ob ihrer „Puppenhände“ verwehrt blieb und den sie nun endlich verwirklichte. Und momentan sitzt sie an ihrem nächsten Buch „Miniaturen einer Kindheit“, so der Arbeitstitel. Ein Buch, in dem sie in karger Form und Sprache ihre eigene Kindheit aufarbeitet. Und vielleicht ist es das, was nach einem bewegten Leben im Dienste anderer jetzt ansteht: die Erfüllung der eigenen Wünsche. Denn was gibt es Schöneres, als dass man nach der Erfüllung von Lebensträumen sagen kann „Die Sehnsucht ist geblieben, die Wünsche sind weg!“

Mary Waldermann hat für ihre unermüdlichen und herausragenden Tätigkeiten für Menschen das Bundesverdienstkreuz erhalten, sie lebt in der Südstadt, ist dort weiterhin sozial und politisch aktiv, hat das Leben unzähliger Menschen bereichert und sagt über ihr eigenes Leben mit 77: „In den nächsten 16 Jahren muss noch was stattfinden. Tüddelich im Sessel sitzen kann ich noch früh genug!“
 

Text: Kathrin Rindfleisch

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