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Gesellschaft

Begegnung und Beratung im Severinsviertel: Der Vringstreff

Donnerstag, 19. Mai 2011 | Text: Gastbeitrag | Bild: Dirk Gebhardt

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Mein erster Besuch im Vringstreff führte mich nicht gerade durch ein schönes Stück Köln. Ich ging über den Waidmarkt – früher oft auch ohne einen Cent in der Tasche – vorbei am eingestürzten Archiv durch den Innenhof des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums, dessen letzte Sanierung schon lange zurücklag und auf dessen Modernisierung man wohl ohne den Einsturz des Archivs noch lange hätte warten müssen. Für mich beginnt das Severinsviertel aber erst in der Severinsstraße auf Höhe der Spielmannsgasse. Begrenzt durch Bayenstraße im Osten, Ubierring, Karolingerring und Ulrichgasse im Westen. Den Vringstreff hinter der Severinskirche hätte ich beinahe übersehen. Pünktlich betrete ich den großen Raum mit Schaufenster und Theke – hier bin ich mit Jutta Eggeling, Geschäftsführerin und Sozialarbeiterin des Vringstreff, verabredet.

Zur Geschichte des Vringstreff
Um Wohnungslosen, von Wohnungslosigkeit Bedrohten und sozial Schwachen einen Raum in der Südstadt zu bieten, engagierten sich in den 90er Jahren die Bürgerinitiative Südliche Altstadt, die Kirchengemeinden des Viertels, die evangelische Studentengemeinde und der Johannesbund, Träger des Johanneshaus in der Annostraße. Mit Erfolg: 1997 war die Grundsteinlegung und 1999 wurden die Räumlichkeiten des heutigen Vringstreffs in ihren jetzigen Stand gesetzt.

Auslöser des Engagements war die Konzentration Wohnungsloser im Vringsviertel. Mit dem Johanneshaus in unmittelbarer Nachbarschaft – vielen Bewohnern des Viertels als „Obdachlosenheim“ bekannt – und seinen damals nahezu 500 Bewohnern, musste eine Einrichtung her, um dessen Bewohnern am Tag eine Alternative zu bieten. Diese Konzentration in einem Viertel und der verständliche Wunsch vieler Wohnungsloser, ihrem Wohnort – dem Johanneshaus, am Tage den Rücken zu kehren, machten diese Einrichtung erforderlich.

 


Foto: Dirk Gebhardt

 

Zur Konzeption des Vringstreff
Wer zu den regulären Öffnungszeiten diese Begegnungsstätte für Wohnungslose und sozial Schwache besucht, den erwartet die Atmosphäre eines scheinbar normalen Cafés oder eines Restaurants. Man trifft sich auf einen Kaffee oder genießt sein Mittagessen. Wer alles probiert hat und noch etwas Abwechslung sucht, kann am Poolbillard sein Geschick am Queue testen. Vielleicht auch, um seinen Spielpartner oder seine Gegner kennen zu lernen. Ein Notebook steht zur Verfügung und kann genutzt werden, um nötige Korrespondenz zu erledigen oder um sich im Internet zu informieren.
Der Vringstreff ist als Begegnungsstätte und Fachberatungsstelle für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten konzipiert.. Er ist offen für alle Besucher, ob Anwohner oder Wohnungslose. Essen und Trinken – natürlich keinen Alkohol – zu moderaten Preisen, für Bedürftige subventioniert, ist das Rezept, Bewohner des Viertels zusammen zu bringen. Ziel dieser Staffelung ist die Teilhabe Bedürftiger am Leben im Viertel.  Darüber hinaus bietet man die Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen, Ferienfahrten und weiteren  Angeboten wie Computer- oder Malkursen. Nach außen betrachtet, erscheint der Vringstreff überhaupt nicht als Treffpunkt von Obdachlosen – sicher das Besondere an dieser Einrichtung, offen für alle Bewohner der Südstadt zu bleiben. Vielleicht deshalb erscheint das Ambiente besonders freundlich und die vielen Angebote für Bedürftige drängen sich nicht auf. Wer möchte, kann Informationen erhalten, Hilfsangebote nutzen oder sich an die Sozialarbeiter wenden. Ob Fragen zur Grundsicherung, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder zum drohenden Wohnungsverlust, auf der Suche nach Unterstützung bei der Bearbeitung der Unterlagen für Jobcenter und Agentur für Arbeit, bis hin zur Einrichtung einer Postadresse bei Wohnungslosigkeit: Das Spektrum zu Beratung und Hilfen ist umfassend.

Arbeit als Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
Ein Café mit Mittagstisch benötigt helfende Hände in der Küche und im Service. Diese Aufgabe übernehmen Menschen, die im Rahmen von Integrationsjobs den täglichen Betrieb des Vringstreff sichern. Bis zu sieben Mitarbeiter werden im Rahmen der „Ein-Euro-Jobs“ beschäftigt und werden in diesem Rahmen auch qualifiziert. Diese Mitarbeiter im Service und in der Küche haben allzu oft keine Chance mehr, im regulären Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dass sie dennoch arbeiten und sich eine Verlängerung ihrer Tätigkeit wünschen, hängt damit zusammen, dass der Vringstreff seine Mitarbeiter auf freiwilliger Basis beschäftigt. Wer auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig ist, für den sichert die Arbeit nicht nur den täglichen Unterhalt und vielfältige weitere Bedürfnisse, sondern er wird auch die Herausforderung und daraus resultierende Anerkennung schätzen. Arbeit ist mehr als nur Broterwerb, sie ist Verwirklichung und Erfüllung, für einige sogar Statussymbol. Arbeit strukturiert den Alltag und sichert darüber hinaus auch wichtige soziale Kontakte. Für sie, wie auch den größten Teil der Bevölkerung, ist Arbeit ein zentraler Bestandteil des Lebens. Wer aus welchen Gründen auch immer, seinen Arbeitsplatz verliert oder keine Chance hat, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden, dem fehlen diese wichtigen sozialen Kontakte und auch die Möglichkeit, seinen Tag sinnvoll zu strukturieren. Für die Mitarbeiter des Vringstreff sind besonders die zuletzt genannten Kriterien wichtig. Wenn Anerkennung und ein kleines Stück Selbsterfüllung bei angenehmen Arbeitsklima zusammen kommen, dann entsteht der Wunsch nach einer Kontinuität.

 

Huddel und Brassel – Soziale Dienstleistungsagentur
Dass Arbeit ein zentraler Bestandteil der Einrichtung ist, zeigt sich auch in dem Angebot der Inititative „Huddel und Brassel“. Dieses Angebot des Vringstreff wurde als Konzept im Jahr 2002 erarbeitet und startete ein Jahr später. Die Idee entstand als Weiterentwicklung der Konzeption. Gesellschaftliche Teilhabe sollte auch für den Bereich Arbeit ermöglicht werden. Arbeit für Menschen, die auf dem ersten  Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben oder nicht mehr vermittelbar sind. Bei „Huddel und Brassel“ orientiert man sich an den gesetzlichen Zuverdienstmöglichkeiten mit der Vorgabe, keine Konkurrenz zu Handwerk und Dienstleistern zu sein. Ob nun der Einkauf für ältere Menschen oder das Aufräumen in der Garage – angeboten werden stundenweise Tätigkeiten.

Auch bei diesem Angebot steht die Schaffung von Tagesstruktur, die Anerkennung durch Kunden, soziale Kontakte und besonders die angemessene Entlohnung im Vordergrund, wie Swen Knott – auch Sozialarbeiter des Vringstreff – erklärt.


Eine Maßnahme für Kinder

Gerade wird ein neues Projekt konzipiert, das sich „Workstreet – faire Chance für Straßenkids“ nennt  und das sich besonders Kölner Straßenkindern annehmen soll.
Viele Straßenkids haben kaum eine legale Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Straßenkids sind häufig gezwungen auf kriminelle Handlungen, wie Diebstahl, Drogenhandel oder Prostitution zurückzugreifen. Workstreet ist ein niederschwelliges Angebot mit dem Ziel, Straßenkids an einen geregelten Tagesablauf heranzuführen, um ihnen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu erleichtern. Der Vringstreff möchte, gemeinsam mit den Service Designern von minds & makers, mit dem neuen Angebot „workstreet“, Straßenkids einen Ausstieg aus der Kriminalität ermöglichen und sie ergänzend zu anderen Hilfs- und Unterstützungsangeboten über Arbeit langsam an einen geregelten Tagesablauf heranführen und ihnen den Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu erleichtern.

Autor: Herbert Linne

Vringstreff e.V.?

Im Ferkulum 42?

50678 Köln?

Tel.: 0221-2785656?

www.vringstreff.de

Öffnungszeiten: Mo. – Do. 11.30 – 17.00 Uhr?, Fr.: 9.00 – 12.00 Uhr

Mittagessen: Mo. – Do. 12.00 bis 14.00 Uhr
Frühstück: Fr. 9.00 – 11.00 Uhr

Huddel und Brassel – Soziale Dienstleistungsagentur

An St. Magdalenen 15

50678 Köln
Mo. – Fr. 9.00 – 12.00 Uhr
 

Im DRAUSSENSEITER – Das Kölner Strassenmagazin werden in loser Folge alle Kölner Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe vorgestellt, die sich im engagierten AK Umbruch zusammengeschlossen haben. Dieser Artikel ist erstmals in der DRAUSSENSEITER-Ausgabe 110/2011 erschienen.

Mehr dazu unter www.draussenseiter-koeln.de

Text: Gastbeitrag

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