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Gesellschaft

Corona macht auch vor der Südstadt nicht halt: Schock und Erleichterung

Mittwoch, 25. März 2020 | Text: Alida Pisu | Bild: privat

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Vor zwei Wochen war alles noch anders. Da war das Coronavirus eine vage Bedrohung in Asien oder sonst wo. Ganz weit weg jedenfalls. Dachte ich zumindest. Bis ich zu einer Geburtstagsfeier ging. Mir fiel der Kuchen von der Gabel, als plötzlich jemand erzählte, dass eine Person, nennen wir sie Herr X, sich am Coronavirus infiziert hatte und in Quarantäne war. Der Herr X, mit dem ich in den vergangenen Tagen mehrmals Kontakt hatte? Ja, genau der. Verdammt, wie nahe hatten wir zusammen gestanden und uns unterhalten? Sehr nah. Und dann hatte er mir auch noch ein Buch gegeben. Gespickt mit Viren?

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Um Gottes willen, das durfte doch nicht wahr sein! Wenn ich das nur ein paar Stunden eher gewusst hätte, dann hätte ich doch am Vormittag keine Besuche im Seniorenheim gemacht. Ich kramte fieberhaft in meinem Gedächtnis und erinnerte mich, dass ich mir vor Betreten des Hauses die Hände desinfiziert, auch die alte Dame, die ich besuchen wollte, nicht berührt, nur mit ihr geredet hatte. Aber das Schwätzchen auf dem Flur und die Schokolade, die einer Bewohnerin runtergefallen war und die ich ihr hilfsbereit aufgehoben und angereicht hatte. Wenn ich womöglich unwissentlich jemanden infiziert hatte, was dann?

Listen mit Kontaktpersonen

Natürlich telefonierte ich sofort mit Herrn X und erfuhr, dass er für das Gesundheitsamt Listen mit den Namen enger Kontaktpersonen hatte anlegen müssen. Nein, mein Name wäre nicht dabei gewesen, weil wir uns ja nur zweimal gesehen hätten und auch nur kurz. Aber er könne mich nachmelden, wenn ich wollte. Ich wollte und bat ihn, den Arzt anzurufen, der ihn positiv getestet hatte, weil ich zur Risikogruppe (60 + mit eingeschränkter Lungenfunktion) gehöre, vor allem aber auch, weil ich große Angst hatte, vielleicht jemanden angesteckt zu haben.

Besondere Umstände

Dann ging alles sehr schnell. Der Arzt rief mich an und fragte, ob ich irgendwelche Symptome hätte. Das hatte ich mich auch schon gefragt, bis auf leichte Kopfschmerzen, die alle möglichen Gründe haben konnten, ging es mir aber gut. Ohne Symptome würden eigentlich keine Tests gemacht, aufgrund der besonderen Umstände würde er den Test aber doch machen, so der Arzt. Ich müsste nur jemand schicken, der das Röhrchen in der Praxis abholen und unverzüglich zurückbringen könne, weil der Fahrer fürs Labor bald käme.

Ganz hinten im Rachen

Das ließ sich organisieren, ich sah mir auf YouTube ein Video an, wie man einen Rachenabstrich macht (ganz hinten im Rachen, so dass ein Würgereiz kommt) und dann ging das Röhrchen zurück in die Praxis. Als ich abends ins Bett ging, fragte ich mich, was der nächste Tag bringen würde und ehrlich gesagt: meine Angst vor dem Test-Ergebnis war groß. Sogar riesengroß. Mein Herz raste und meine Gedanken drehten sich im Kreis. Die Angst saß mir in den Knochen. Glücklicherweise unbegründet. Denn der Test war negativ. Mir fiel ein Stein vom Herzen. „Dann darf ich wieder rausgehen?“ „Nein“, sagte der Arzt, „das dürfen Sie nicht! Sie müssen die Inkubationszeit abwarten. Solange sind Sie in Quarantäne. Das Gesundheitsamt wird Sie anrufen.“

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Der Anruf kam früher als erwartet, eine freundliche Mitarbeiterin erkundigte sich nach meinem Befinden und ob ich Beschwerden hätte. Als ich die Frage verneinte, war sie zufrieden und ich auch. Ich war sogar richtig glücklich, weil mir bis zum Ende der Quarantäne zweitägige Anrufe angekündigt wurden und ich das Gefühl hatte, dass das Gesundheitsamt alles im Griff hatte und sich bestens um mich kümmerte.

Geld im Umschlag vor der Wohnungstür

Die Anrufe wurden meine persönlichen Highlights. War ich anfänglich noch froh, mal meine Ruhe zu haben, wurde es mir doch bald langweilig. Man kann sich nicht zehn Stunden am Tag durch die Mediatheken gucken. Sie ersetzen nicht den sozialen Kontakt, den ich rasch vermisste. Da wurde das Handy zum Trost in der Not. Es sprach sich schnell herum, dass ich in Quarantäne war. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Menschen mir anboten, Einkäufe für mich zu machen. Danke Euch allen!
Eine Freundin brachte mir Klopapier (natürlich!) und ein paar Lebensmittel. Ich hatte ihr einen Umschlag mit dem Einkaufsgeld vor die Tür gelegt. Sie schellte, stellte mir alles vor die Türe, lief die Treppe hinunter und dann führten wir ein Abstand-Balkon-Gespräch. Ich stand auf dem Balkon, sie auf dem Bürgersteig und auf der anderen Straßenseite stand eine Familie, die mir herzlich zuwinkte. Das war einfach nur herzerfrischend.

Ein Lied für das Gesundheitsamt

Am letzten Tag der Quarantäne kam der Anruf des Gesundheitsamtes nicht wie gewohnt gegen 12 Uhr, was mir Anlass zur Spekulation gab. Und mich dazu zwang zu entscheiden, wann ich aufstehe. Da der Tag lang war, hatte ich ihn so strukturiert, dass ich im Bett blieb, bis das Gesundheitsamt angerufen hatte. Nun war es aber schon entschieden später. Also raus aus dem Bett! Mit einer leichten Enttäuschung. Sollte das Gesundheitsamt mich vergessen haben? Nein, hatte es nicht. Es rief erst am Nachmittag an. Und dann machte ich das, was ich mir vorgenommen hatte. Als der Mitarbeiter sich meldete, sang ich: „Liebes Gesundheitsamt, wie schön, dass Du anrufst! Auf dich ist Verlass. Danke, ich freue mich! Danke, dass du dich um mich gekümmert hast.“ Das Gesundheitsamt freute sich mit mir und kümmert sich nun um andere.

Text: Alida Pisu

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