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Südstadt

Dackel, Sex und Bahnhofs-Pralinen

Sonntag, 18. November 2012 | Text: Reinhard Lüke | Bild: Jan Schmidt / flickr.com/people/421

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Mir ist zu Ohren gekommen, dass es vor zwei Wochen zu einigen Missverständnissen hinsichtlich des Titels meiner Ergüsse gekommen ist. Da stand eindeutig „liebes leben“, aber irgendwie glaubten da offenbar doch einige Leser, es solle hier regelmäßig um meine libidonöse Befindlichkeit gehen. Dem ist nicht so. Auch nach der letzten Rechtschreibreform schreibt man „Liebesleben“ m. W. immer noch zusammen. Aber nun gut, ich bin kein Unmensch. Also diesmal: Sex und Liebe.

Ich bekenne, ich hatte schon immer ein melancholisches Faible für Bahnhöfe am späteren Sonntagnachmittag. Vor allem im Herbst. Für all diese kleinen Dramen, die sich da auf unwirtlichen Bahnsteigen abspielen. Nicht für die Paare, die ihre (Schwieger-) Mütter zum Zug bringen und froh sind, dass sie endlich wieder weg sind. Eher für jene (wie auch immer) Liebenden, für die in diesen Stunden mal wieder die einwöchige Trennung anbricht, weil der Zwang zum Leben/Arbeiten in der Fremde nun mal die Abwesenheit erfordert. Da stehen sie dann, mache eng umschlungen, andere im Abstand, sich stoisch in ihr Schicksal fügend und dann sind da noch die allein Reisenden mit kleinem Handgepäck. Ist der dazugehörige Partner der Wochenendbeziehung nicht mit zum Bahnhof gekommen, weil beide (oder nur er oder sie) melodramatische Abschiede hassen? Oder gab es womöglich Verstimmungen, weil das Wochenende doch nicht so toll war, wie es in dieser Beziehungsform unbedingt immer sein muss, wenn sonntags schon nach dem Frühstück der Countdown beginnt? Ich war mal genötigt, so eine Fernbeziehung ein halbes Jahr lang führen zu müssen. Ich brauch´ das nicht noch mal.

Allerheiligen war ich mal wieder am Hauptbahnhof. Dabei stand mir der Sinn nicht nach Paar-Spotting und es war auch zu früher Morgenstunde. Ich musste schlicht auf Reisen gehen. Da ich es hasse, auf den letzten Drücker auf Bahnsteige zu hetzen, war ich wieder einmal viel zu früh da. Also ab in den Zeitschriftenladen. Und wie ich da so durch den Blätterwald flaniere, sehe ich hinten rechts in der Ecke einen mit Hut und Trenchcoat seriös gekleideten älteren Herrn stehen, der da nicht uninteressiert in einer „Praline“ blätterte. Meine Güte, die gibt´s noch!? Spätgeborenen muss man es vermutlich erklären: „Praline“ ist kein Hochglanzmagazin für kulinarische Süßwaren, sondern eine Sexpostille aus den frühen 70ern. Nackedei-Fotos, brisante Reportagen („Heiße Nächte in Radevormwald“) und einschlägige Kontaktanzeigen, gedruckt auf Billigstpapier. In meiner Jugend auf dem Lande neben vergleichbaren Publikationen wie „Wochenend“ und „Schlüsselloch“ ein schier unverzichtbares Aufklärungsmagazin. Irgendwie rührten mich dieser Herr und seine „Praline“ seltsam an. Es hatte etwas wehmütiges Ungleichzeitiges. Wo heute jede erdenkliche pornografische Leibesübung in Bewegtbildern nur zwei Klicks entfernt ist, steht da einer an Allerheiligen morgens um 9 im Bahnhof und erfreut sich in einer stillen Ecke an Nackigen auf Papier. Was unweigerlich zu der Frage führt, womit eigentlich Sex-Shops heute noch ihr Auskommen haben. Ich hätte da so einen Verdacht.   
 
Eine Szene, die man selbst jedem Comedy-Autor als völlig überzogen und realitätsfern um die Ohren hauen würde. Aber ich habe sie erlebt. Im vergangenen Jahr schlenderte ich an einem trüben Herbsttag (bei mir ist gern immer Herbst!) aus dem Süden über die Hohe Pforte Richtung Innenstadt, als aus dem großräumigen Sex-Shop in Ecklage ein Herrchen mit einem Dackel ins Freie trat. Während der Mann sich Mühe gab, so neutral dreinzuschauen, als sei er gerade aus einem Baumarkt gekommen, hing seinem Rüden an der Leine der erigierte Unten-Schwanz raus. Zunge sowieso. In so einem Moment hält man inne, schaut sich unwillkürlich um, ob da nicht längst ein Heer von Passanten die Handy-Kameras gezückt hat, um die Fotos morgen bei Youtube einzustellen. Aber nichts da. Keiner hatte es gesehen. Wir waren nur zu dritt. Der Mann, sein Vierbeiner und ich. Wobei ich mir eigentlich fast sicher bin, dass selbst Herrchen von der freudigen Erregung seines Kumpels gar nichts mitbekommen hatte. Haben diese Sex-Shops in Anbetracht stetig sinkender Umsätze jetzt womöglich spezielle DVDs, Zeitschriften und Toys für Hunde im Angebot? Gibt´s so was inzwischen auch bei „Fressnapf“? Tut sich da ein Markt auf, auf dem ich mein mühsam Erspartes investierten sollte? Bastelt der senile Hugh Hefner womöglich schon an einem „Playdog“-Format, für das er noch kompetente Autoren sucht? Ich muss das schleunigst rausfinden. Auch wenn ich nur eine sterilisierte Katze daheim habe. Aber wahrscheinlich war sowieso alles wieder nur ein alberner Zufall. Brauchen Hunde überhaupt Anschauungsmaterial um ihre Unten-Schwänze auszufahren oder schicken sie die einfach regelmäßig nur so zum Lüften raus? Haben die dann einen Ständer oder `nur´ einen Hänger? Keine Ahnung.  Dennoch bin ich nach dieser seltsamen Begegnung eine Zeitlang mit etwas anderen Augen durch die Stadt gegangen und habe zu meinem Erstaunen bemerkt, dass es noch immer relativ viele dieser Sex-Shops gibt. Nicht nur die großen, grell erleuchteten, die vor allem Artikel für Ehehygiene und Spielzeug für untenrum feilbieten, sondern auch die kleinen, schmuddeligen in Seitenstraßen, die noch immer mit Filmvorführungen in Einzelkabinen locken. Warum? Weil Hunde keinen Internetzugang haben.

Text: Reinhard Lüke

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