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Gesellschaft

Deine Südstadt hilft: Eine Zukunft für Straßenkinder im Ost-Kongo

Dienstag, 18. Oktober 2016 | Text: Judith Levold | Bild: Tamara Soliz

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Dieser Text soll Startschuss sein, um den Radio-Autoren Georg Roloff und die Pädagogin Lisa Tepass dabei zu unterstützen, Straßenkindern in Kongos Großstadt Goma zu einem menschenwürdigen Leben zu verhelfen.

Mit Hilfe „meiner“ Südstadt geht das bestimmt, denke ich nach einem Treffen mit den beiden, mit Daniel Rabe von der KG Ponyhof, Hans Mörtter von der Lutherkirchengemeinde sowie Tamara Soliz von „Meine Südstadt“ im Alteburger Hof, wo Lisa und Georg uns bei einem Glas Wein ihre Geschichte erzählt haben.

 

Panik, dass er stirbt

„Das erste Mal war ich da als ganz junge Frau, Studentin noch“, beginnt Lisa, die im Agnesviertel lebt und das Reit-Therapieprogramm auf einem Gestüt in Refrath leitet. „Ich hab Afrikanistik studiert und hatte den Kopf voller Afrika-Klischees“, sagt sie. Die Reise habe ihr dann viele Einblicke in die Realität des schwarzen Kontinents beschert, und immer wieder habe es sie fortan dorthin gezogen, vor allem in den Kongo.

 

Als ihr damaliger Freund sei Georg dann mitgekommen und beim ersten Mal so schlimm krank geworden „dass ich wirklich Panik bekommen hab´, dass er mir stirbt.“ Diese Erfahrung in einem Land, in dem medizinische Versorgung und selbst trinkbares Wasser keine Selbstverständlichkeiten sind, habe sie geprägt. Wegen seines schlechten Zustands hatte Georg damals Blutkonserven benötigt – eine Blutbank ist jedoch im Kongo ebenfalls keine normale Einrichtung am Krankenhaus.

 

Lisa Tepass, Georg Roloff u.a. in Butembo, Ost-Kongo. Hier initiierten sie den Aufbau einer ersten Blutbank am Krankenhaus.

 

Und so haben Lisa Tepass und Georg Roloff, der den Kongo auch als Hörfunkjournalist fortan immer wieder bereiste, zusammen mit der staatlichen Blutbank in Kongos Hauptstadt Kinshasa und einem befreundeten Mediziner, in den Folgejahren eine Blutbank in Goma aufgebaut. „Bei den vielen Reisen, die wir zum Teil abenteuerlichst, auch während des Krieges dort, dahin unternommen haben, sind uns die unglaublich vielen Straßenkinder aufgefallen, die ich zuletzt dann auch für eine Hörfunkreportage intensiv begleitet habe“, erzählt Georg.

 

Jeder Gefahr ausgeliefert

 

Lisa fällt gleich ein „Und Straßenkind-Sein dort ist nicht vergleichbar mit dem hier – da gibt es nichts, einfach nichts, wohin sie sich wenden könnten oder ein bisschen Schutz erführen – sie schlafen wirklich auf dem nackten Steinboden, es ist bitter kalt nachts, sie sind jeder Gefahr ausgeliefert, werden krank, essen, wenn sie überhaupt etwas finden, die schlimmsten Dinge wie übelste Schlachtabfälle und dergleichen. Es gibt da ja keinen Müll, so wie hier, wo man vielleicht noch etwas Brauchbares drin finden kann.“

 


Goma, Straßenkinder beim Kochen; Schlachtabfall auf offenem Feuer.

Als ich Georg mit Fotografin Tamara in seinem Büro und Tonstudio Ecke Mainzer Straße/Oberländer Wall besuche, zeigt er uns Bilder, Fotos und Handyvideos, die er von den Straßenkindern gemacht hat – sie sind schockierend und verstörend und zugleich unglaublich beeindruckend, denn sie zeugen von einem Lebenswillen, einer Fröhlichkeit, die die Kinder trotz allem ausstrahlen. Ich denke dabei an den alten Slogan: Du hast keine Chance, also nutze sie!

 

Georg Roloff in seinem Studio mit Bildern aus dem Kongo.

Eins dieser Kinder haben Georg und Lisa in einer spontanen Hauruck-Aktion quasi von der Straße weg „gerettet“. „Wir haben gesehen, dass der Junge nicht laufen konnte und die anderen Kinder ihn getragen haben.“ berichtet Georg. Als sie die Gruppe angesprochen und nachgefragt hätten, habe sich gezeigt, dass der Junge eine schlimme, schon schwer infizierte Verletzung am Fuß und Fieber gehabt habe – ohne Hilfe und medizinische Versorgung wäre er gestorben.

 

Alles rund ums Schlossern und Metallwerken

 

Und so brachten die beiden ihn zuerst in ein Krankenhaus, bezahlten seine Behandlung, und brachten ihn anschließend dann zur Jericho Foundation. Mit dieser kleinen NGO, gegründet 2007, hatten Lisa und Georg schon zuvor Bekanntschaft gemacht und sich mit den dort arbeitenden Streetworkern angefreundet. Die Organisation betreibt ein kleines „Ausbildungszentrum“. Heimatlose Jugendliche können hier andocken und alles rund ums Schlossern und Metallwerken lernen.

 

„Damit haben sie Chancen, einen Job zu finden, vor allem bei den Werften“ erklärt Georg, denn Goma liegt an den Ufern des riesigen Kivu-Sees. Pfarrer Pasteur Safari, der sich so gut er kann um die Straßenkinder kümmert, hatte allerdings bei Georgs und Lisas letztem Besuch im Frühjahr ein riesen Problem: die kleine Halle samt Hof, in der das Zentrum Werkstatt und Büro betreibt, kostet 350 US-Dollar Miete im Monat, und der bisherige Spender dieser Summe hat seine Zahlungen aufgekündigt. (Foto: Kevin nach seiner Genesung mit zwei seiner neuen Familienmitglieder.)

Bringen die Mitarbeiter der  Jericho Foundation um Pfarrer Pasteur Safari und Rechtsanwalt Lucien das Geld nicht auf, können sie ihre Arbeit -im Alltagshorror der vielen Kriegswaisen Gomas einen kleinen Lichtblick zu bieten- nicht fortsetzen. Diese Arbeit heißt auch: Straßenkinder in Pflegefamilien vermitteln und ihnen damit zu einem Platz in einer Gemeinschaft, einem Dach über dem Kopf und Schulbildung zu verhelfen. Darum kümmert sich die Jericho Foundation seit Neuestem und will mithilfe von Georg Roloff und Lisa Tepass eine entsprechende Struktur aufbauen.

 

Viele stehen Straßenkindern abergläubisch gegenüber

 

„Achtzig Euro braucht man pro Monat, um ein Kind in einer Pflegefamilie zu finanzieren.“ sagt Georg. „Da sind dann der Lebensunterhalt, die Schuluniform und das Schulgeld drin“ – und natürlich auch ein winziger Betrag für die Organisation durch die Jericho Foundation sowie ein bisschen für die Pflegefamilie. „Denn das sind ja meist ebenfalls sehr arme Familien mit vielen Kindern, für die das eine Möglichkeit ist, neben den Ausgaben für das Pflegekind auch noch ein paar Euro übrig zu haben, um die gesamte Familie besser ernähren zu können.“ fügt Lisa hinzu. „Außerdem würde sonst auch niemand ein Straßenkind aufnehmen, denn sie sind nicht gut angesehen, viele Menschen stehen ihnen abergläubisch gegenüber“, ergänzt Georg.

 

Hof und Arbeitsstätte der Jericho Fundation in  Goma.

„Achtzig Euro“ für ein Kinderleben im Monat, überlegt Daniel Rabe, der wie immer sehr praktisch und unumständlich reagiert, „Mensch, da kann man sich doch mit ein paar Freunden zusammen tun und mal überlegen: was sind 80 Euro geteilt durch, sagen wir 6? Das sind zwei Schachteln Zigaretten oder ein paar Kölsch weniger abends, das muss doch zu stemmen sein, oder?“

Im Spendengremium der Karnevalsgesellschaft KG Ponyhof e.V. hat er von dem Projekt erzählt, und die Ponys haben sofort dafür gestimmt, für die Miete des Jericho Foundation-Zentrums schon mal eine Anschubfinanzierung aus ihrem Spendentopf zu leisten – für ein halbes Jahr haben die Mitarbeiter der NGO in Sachen Miete jetzt also erstmal Ruhe.

 

Es soll nachhaltig sein

Auch Pfarrer Hans Mörtter ist sofort im Boot, mit einem kleinen Geldbetrag und vor allem damit, dass er das Konto bei der Evangelischen Kirche dafür eingerichtet hat – jedeR SüdstädterIn, der oder die mit helfen will, kann völlig einfach und unbürokratisch unter dem Stichwort „LK-Kongo Straßenkinder“ überweisen und wird hier laufend über den Fortgang des Projekts informiert.

Georg Roloff und Lisa Tepass haben Kevin nicht nur vor dem sicheren Tod gerettet und ihn in eine Familie bringen können. Sie bezahlen für ihn auch weiter seine Unterhaltskosten an die Pflegefamilie – es soll ja nachhaltig sein. Mitglieder der Jericho Foundation besuchen ihn regelmäßig, um sich ein Bild von seiner Eingliederung und seinen neuen Lebensumständen zu machen und sie berichten auch monatlich davon.

 

Georg Roloff mit obdachlosen Jungs von der Straße.

 

„Das ist uns wichtig“ sagt Georg, „Eine Transparenz, so dass wir sehen können, wie es den Kindern in Zukunft ergeht. Und dass das eben auch wirklich Zukunft hat. Die Jericho Foundation könnte aus dem Stand hundert Kinder in Familien vermitteln, aber wir haben gesagt, wir wollen erst mal schauen, ob wir hier Mitstreiter gewinnen, die auch sagen: Ja, wir sind dabei, wir bauen jetzt alle zusammen langsam diese Struktur auf, damit die dann auch dauerhaft tragfähig ist.“

„Meine Südstadt“ will auch dazu beitragen, mit einer Spende der gesamten Redaktion, mit Berichterstattung zum Fortgang des Projekts und mit dem Appell: sei mit dabei, wenn Deine Südstadt hilft!
 

 

Text: Judith Levold

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