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Kultur

Der Witwe Wasserfall sei Dank…

Mittwoch, 25. April 2018 | Text: Calle Virnich | Bild: Marc Loecke

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Was es mit Frau Witwe Wasserfalls (unfreiwilliger) Rettungstat auf sich hatte, dazu später mehr. Es dreht sich um die allseits bekannte Bottmühle in der Kölner Südstadt. Allseits bekannt? Das Gebäude bestimmt, aber auch dessen bewegte Geschichte? Der imposante Turm hat nur bedingt mit dem Mittelalter zu tun. Und er war deutlich länger eine exquisite Privatwohnung als dass er Sitz der „Falken“ ist. Die längste Zeit war er allerdings tatsächlich eine Mühle, wie Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen, ehemaliger und langjähriger Vorsitzender der Kölner „Falken“, zu berichten weiß…

Falken-Flagge und Marx´ Manifest

Die Bottmühle in der Kölner Südstadt

Baustellenschilder, Flatterband, eine stählerne Baustellentreppe, überall am alten Gemäuer wird erneuert und restauriert, und dies bereits seit acht Jahren: „Sie kennen das mit alten Gebäuden, wenn man einmal damit anfängt“, erzählt Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen. Über eine steile Treppe gelangt man ins Gebäude, dessen mächtiges Mauerwerk imponiert. Den ersten großen Raum zieren Plakate, ein altes Sofa und Sessel erinnern an eine Art Jugendheim, und das ist es im Grunde ja auch. Im nächsten Raum eine kleine Bühne, links davor Tische. An der Wand die Flagge der Falken, gegenüber das Kommunistische Manifest Karl Marx´. Weiter um die Kurve (der Turm ist rund!) eine Theke, aus den kleinen Fenstern fällt der Blick auf die Gebäude der Karl-Korn-Straße, im Anschluss eine Küche. Eine steile, enge Wendeltreppe führt in die oberen Stockwerke. Sie sind zum Teil noch mit hölzernen Wandvertäfelungen früherer Zeiten verziert.

Ohne Kanonen kein „Bott“

Die Bottmühle in der Kölner Südstadt

Doch warum Bottmühle, und überhaupt Bott? Am Ende des 15. Jahrhunderts galt die Kölner Stadtbefestigung als eine der modernsten der Welt, zumindest deren südlicher Abschnitt: Gegen die damals aufkommenden schweren Artilleriewaffen hatte man verwundbare Bereiche mit massiven Bollwerken verstärkt. So etwa vor der Severinstorburg auf dem heutigen Chlodwigplatz: Reste des Bollwerks sind noch in der U-Bahnstation verbaut. Schon 80 Jahre später reichte dies längst nicht mehr aus: Die Artillerie hatte weitere Fortschritte gemacht, die Stadtmauer indessen war in die Jahre gekommen. Vor allem der Bereich auf halber Höhe zwischen Bayenturm und Severinstor galt als empfindliche Stelle. So sah es wohl der italienische Festungsbaumeister Alessandro Pasqualini (1493–1559), nach dessen Plänen man damals vielerorts in den Niederlanden und im Rheinland Befestigungsanlagen baute oder modernisierte, und jetzt auch in Köln: Um 1550 wurde unmittelbar stadteinwärts vor der Stadtmauer ein großer Wall aufgeschüttet. Er sollte als Wehrplateau, als so genannter Bott, dienen und die darauf in Stellung gebrachten Geschütze das Vorfeld der Stadtmauer verteidigen helfen.

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Kanonen zu Windmühlen

Die Geschützstellung erfüllte aber nur rund 30 Jahre lang ihren Zweck: Da die „feindlichen Kanonen immer weiter schießen konnten“, so Uellenberg-van Dawen, wurden weit vor der Mauer neue Verteidigungsanlagen mit Laufgräben und Bastionen angelegt, sogenannte „Vorwerke“, deren Geschütze den Feind auf Distanz halten sollten. Der Bott dagegen hatte als Geschützstellung keine Funktion mehr, wurde in den 1580er Jahren eingefriedet und fortan friedlich genutzt. Gemäß dem Motto „Kanonen zu Windmühlen“ errichtete der Mühlenmeister Peter von Gleuel 1587 dort eine Bockwindmühle nach holländischem Vorbild, auf der künftig Getreide für die Kölner Bevölkerung gemahlen wurde. 1677 ersetzte der Kölner Architekt und Stadtsteinmetz Andreas von Gülich die hölzerne durch eine dreigeschossige steinerne Windmühle mit Zeltdach und stützte sich beim Bau des aus Basalt und Tuffstein errichteten Mühlenturms auf die alten Entwürfe Pasqualinis. Im Kern ist es dieser Turm, den wir heute kennen.

„Filzengraben Thor“

Die Bottmühle in der Kölner Südstadt

Gut 220 Jahre lang wurde auf der Bottmühle im städtischen Auftrag Getreide gemahlen, bis sich das zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der beginnenden industriellen Revolution nicht mehr lohnte. Damals wurde der Turm um eine Etage aufgestockt, erhielt den Rundbogenfries und ein mit steinerner Balustrade abgeschlossenes Flachdach. Vermutlich hat die Stadt das Gebäude zunächst vermietet, 1835 schließlich für 1.500 Taler an die “Witwe Wasserfall“ verkauft. Und das sollte sich als echter Glücksfall erweisen: „Wir sind ja als Falken nicht unbedingt für Privatisierung, aber die Privatisierung hat die Bottmühle gerettet“, erklärt Uellenberg-van Dawen. Denn als die Stadt Köln 1881 die Befestigungsanlagen vom preußischen Staat kaufte, um sie im Anschluss bis auf wenige Ausnahmen abreißen zu lassen, entging die Bottmühle als Privatbesitz diesem Schicksal!
Ob Witwe Wasserfall das Gebäude bewohnte, wissen wir nicht. Ganz sicher tat dies der ihr nachfolgende Besitzer Jakob Flamersheim, der die Bottmühle seit 1883 umfänglich instand setzte und ausbaute: Auf die beiden Enden der verbliebenen Stadtmauersetzte er zwei Lusttürmchen, die leider nicht mehr erhalten sind. Den sockelartigen Hügel des Mühlenturms gestaltete er als parkähnlichen Garten. Den Abschluss zur Straße bildete, wie heute, eine niedrige Mauer. Erhalten ist auch das ursprünglich zinnenbekrönte, backsteinerne Rundbogentor als Eingang. Wer genau hinschaut, erkennt auf dessen Innenseite den Schriftzug „Filzengraben Thor“.

Die Bottmühle in der Kölner Südstadt

Jakob Flamersheim hatte die Reste des zuvor abgebrochenen Tores, das am Filzengraben zum Rhein hin stand, erwerben und verbauen können. Auch die grotesken, steinernen Masken, die das Sockelgeschoss zieren, stammen vom alten Filzengrabentor.

Von der ATV Markomannia Westmark zu den Falken

1921 gelangte die Anlage wieder in den Besitz der Stadt Köln, und das ist sie bis heute. Ob Flamersheim oder seine Erben den Turm verkauft hatten, ist unklar. Seit 1911 jedenfalls nutzten die „Akademische Turnverbindung Markomannia-Westmark“ und weitere studentische Verbindungen die Bottmühle als eine Art Vereinsheim. Das blieb so bis nach Ende des Zweiten Weltkriegs, bis die damalige britische Militärverwaltung die Bottmühle 1946 der „Deutschen Jungenschaft vom 1. November 1929“, kurz „DJ 1.11“ übergab, einem Zweig der bündischen Jugendbewegung, der im klaren Widerstand zum Nationalsozialismus gestanden hatte. 1970 schließlich übergab die Stadt Köln die Bottmühle dem “Sozialistischen Jugendverband Deutschland – Die Falken“ zur Nutzung für ihre Jugendarbeit.

Kein Karneval

So ist es bis heute geblieben, auch wenn immer wieder mal Andere Ansprüche an die Bottmühle stellten, zum Beispiel Karnevalsvereine: „Die haben es immer wieder mal versucht“, erinnert sich Wolfgang Uellenberg-van Dawen. Unterstützung gegen solche Pläne fanden die Falken auch von kirchlichen Jugendverbänden, denn die „konfessionellen Jugendverbände und die Falken haben immer darauf bestanden, dass es eigenständige Jugendarbeit gibt, und dazu braucht man die erforderlichen Gebäude“. Letztlich entscheidend war wohl, dass die Räume einfach zu niedrig sind: „Wenn der Tanzmajor sein Mariechen hochhebt, stößt es mit dem Kopf an die Decke“. Damit bleibt die Bottmühle eines der wenigen Überbleibsel der Kölner Stadtmauer, das nicht von Karnevalsvereinen genutzt wird. Obwohl, so richtig zur Stadtmauer hat die Bottmühle ja ohnehin nie gehört.

Die Aussicht

Text: Calle Virnich

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