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Bildung & Erziehung

„Die haben den Omas die Taschen aus der Hand gerissen…

Donnerstag, 10. Januar 2019 | Text: Judith Levold | Bild: COMEDIA Theater/Judith Levold

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

…um sie ihnen nach Hause zu tragen.“, beschreibt Regisseur Manuel Moser einen Effekt, den das Rechercheteam des COMEDIA-Theaters bei seinen Vor-Ort-Besuchen auf Kölns Straßen und Plätzen an Kindern und Jugendlichen beobachten konnte. Aufgabe für diese war nämlich gewesen: Suche den Helden in Deinem Viertel, und: Vollbringe selbst eine „Helden“-Tat.
Vor der Premiere des Stücks „Heldenzentrale“, für das Kinder und Jugendliche aus ganz Köln dem Rechercheteam wichtigen Input gaben, haben wir mit Manuel Moser, seit 1. Januar diesen Jahres Leiter des Kinder- und Jugendtheaters an der COMEDIA, und mit Pressefrau Astrid Hage gesprochen.

Meinesuedstadt: Heldenzentrale ist jetzt das vierte, so genannte Rechercheprojekt im COMEDIA Jugendtheater, was ist das Besondere daran?

Manuel Moser: Das Besondere daran ist, dass wir ´rausgehen, dass wir die Kinder und Jugendlichen besuchen, statt nur zu erwarten, dass sie herkommen. Wir öffnen das Theater in die Stadt, treffen Jugendliche, die noch nie im Theater waren. Natürlich wollen wir damit ZuschauerInnen gewinnen, uns aber auch der großen Aufgabe stellen, die Relevanz von Theater zu zeigen. Die Leute müssen wissen, wer wir sind. Wir machen also die COMEDIA in der Stadt bekannt als Haus der Kultur für Kinder und Jugendliche…
Astrid Hage: Das Besondere ist auch dieser Dreiklang aus Recherche, dem gewonnen Input und der Tatsache, dass dann ProfischauspielerInnen in dem von Profi-AutorInnen geschriebenen Stücken spielen. Denn nur so können die Geschichten ja weiter erzählt werden, wir behalten sie zwei Jahre im Spielplan und das ginge ja mit jugendlichen Darstellern gar nicht. Und diese Kinder, zuvor ohne jede Berührung mit Theater, kommen dann teilweise zu unseren Proben und finden auch Elemente dessen, was sie eingebracht haben, im fertigen Theaterstück wieder.

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Aus dem, was das Rechercheteam „von der Straße“ mitbringt, wird also ein Stück geschrieben?

Manuel Moser: Ja, genau. Es war ein 5er-Team, das mit dem LKW, der im Stück auch eine zentrale Rolle spielt, an öffentliche Plätze in Mülheim, Kalk, Ehrenfeld und so, oft in Nachbarschaft zu Jugendzentren gefahren ist, und da mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet hat – über ein Jahr hinweg haben wir zwanzig solcher Fahrten unternommen. Vergleichbar mit der „aufsuchenden“ Sozialarbeit waren wir das aufsuchende Theater.

Und was habt Ihr dann vor Ort mit den Kids gemacht?

Manuel Moser: Wir hatten vorher eine Ralleye entwickelt mit dem Motto „Suche den Helden in deinem Viertel“. Also mit der Fragestellung „Was für Helden, für Vorbilder habt ihr?“ „Wie ist man Held?“. Die Kinder sind dann losgezogen und das Tolle war: Sie haben sie gefunden, die Helden in ihrem Viertel, das kann ein Kioskbesitzer gewesen sein, ein Nachbar, jemand, der sich für sein Viertel oder die Kinder einsetzt.

Und selbst „Held“ sein sollten die Jugendlichen auch?

Manuel Moser: Ja, das war dann die nächste Aufgabe, erstmal das Viertel erkunden und dort selbst eine „Heldentat“ bringen. Viele Kinder, in Kalk zum Beispiel, kennen nur bestimmte Wege, von zu Hause zur Schule und in die Kalk-Arkaden, wo sie rumhängen und ihre Freizeit verbringen. Die kannten ihr Viertel gar nicht und sind jetzt aber losgelaufen, um etwas Gutes zu tun, die haben dann mancher Oma die Einkaufstüten regelrecht aus der Hand gerissen, um sie in deren Wohnung zu schleppen. Da gab es auch Momente der Irritation, wenn dann so eine ältere Dame plötzlich von dieser Hilfsbereitschaft „überfallen“ wurde. Immer aber kamen dann ganz schöne Sachen dabei raus, Begegnung im besten Wortsinn. Denn darum geht es ja, wir leben hier alle zusammen, wie machen wir was Gutes daraus?
Bühnenbild bei Probe zu heldenzentrale
Und wie wurde dann aus all´ dem Input der Kinder und Jugendliche ein Stück, das jetzt mit drei Profischauspielern auf die Bühne kommt?

Manuel Moser: Ja, es war die Vorgabe an Autorin Charlotte Fechner, wirklich eine Geschichte daraus zu machen, nicht etwas Collagenartiges. Sie hat dann die Geschichte zweier Jugendlicher geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein türkischer Junge, der Gedichte schreibt und ein Mädchen aus so einem überbehüteten Zuhause. Beide suchen und finden Rückzugsort in einem leer stehenden LKW – der spielt auch auf der Bühne immer mit – und erleben am Ende die Erkenntnis: Jeder, der will, kann ein Held sein…

Aber nicht so Marvel-mäßig, oder?

Manuel Moser: Nein, eher alltäglich. Obwohl es auch in der Rolle des Erzählers im Stück was „Marveliges“ gibt. Das Stück ist auch sprachlich und formal sehr interessant und auch die Geräuschebene ist sehr präsent.

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Und jetzt kommen auch genau die Kinder und Jugendlichen, denen Ihr begegnet seid und die Euch Input gegeben haben, in die COMEDIA?

Astrid Hage: Ja, bei den vorangegangenen Recherche-Theaterstücken war das definitiv so, teilweise auch schon zu Proben sind sie gekommen und waren einfach geflasht, was daraus entstanden ist, woran sie ja irgendwie mitgewirkt hatten. Und natürlich werden sie ja bei den Rechercheterminen in den Vierteln schon eingeladen, auch über die oft dort ansässigen Jugendzentren. Diese Art der Theaterarbeit ist Alleinstellungsmerkmal der COMEDIA, das Stück wird ja nicht nur von unserem Förderkreis finanziert, sondern auch noch zusätzlich vom Land NRW…
Manuel Moser: …Ja, und da auch nicht aus dem großen generellen Kultur-„Topf“, sondern aus dem Bereich kulturelle Bildung, das läuft unter „Bildung“, und das finde ich wichtig.
Astrid Hage: Wir senken die Barrieren für den Zugang zu Theater…
Manuel Moser: Genau, wir haben auch das Bühnenbild und die Requisiten alles so konzipiert, dass das einfach zusammenzupacken ist und in den LKW geladen werden kann. Wir wollen damit dann wieder auf die Straße, zum Beispiel an den Platz Kalk Post. Und dann spielen wir da, auf der Straße oder so. Das haben wir den Kindern und Jugendlichen auch so gesagt: Wir holen uns was ab bei Euch, aber wir bringen auch was zurück!

Frau Hage, Herr Moser – Danke für das Gespräch.

Manuel Moser schaute schon während unseres Gesprächs ständig auf die Uhr, springt beim Abschluss dann sofort auf und verabschiedet sich lachend in die nächste Probe – am Samstag, den 12. Januar steigt die Premiere von „Heldenzentrale“ um 18h im COMEDIA Theater in der Vondelstraße, weitere Vorstellungen siehe hier.

Text: Judith Levold

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