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Südstadt

Die Pracht am Rhein – Pilze in der Südstadt

Sonntag, 24. August 2014 | Text: Jörg-Christian Schillmöller | Bild: Jörg-Christian Schillmöller

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Vielen Südstädtern dürften sie aufgefallen sein, die kräftigen Pilze mit dem brauen Hut an der Rheinuferstraße zwischen Marienburg und Südbrücke. Da standen sie im Gras an der Allee, direkt neben dem Radweg und brachten uns auf die Frage: Was für Pilze wachsen in der Stadt? Normalerweise fährt man ja zum Sammeln raus auf’s Land, in den Wald – entweder in die Eifel oder ins Bergische.

 

Doch auch in der Stadt gibt es viel zu entdecken – zum Beispiel den Hexenröhrling. Denn um ihn handelt es sich bei den braunen, dickfußigen Familien am Rheinufer. Hexenröhrlinge haben ihren Namen von einem einfachen Umstand: Sie haben einen ziemlich roten Schwamm unter dem Hut, und ihr gelbes Fleisch verfärbt sich beim Anschneiden in Sekunden tiefblau. Sieht verhext aus.

 

Am Rhein stehen jedes Jahr Netzstielige Hexenröhrlinge, und da fangen die Probleme schon an. Denn dieser Röhrling gilt nicht als hervorragender Speisepilz, sondern als unsicherer Genosse. Mal macht er Bauchweh, mal nicht: Über seine Verträglichkeit gibt es die verschiedensten Hypothesen. Also: Finger weg für den Laien. Abgesehen davon, dass die vierspurige Rheinuferstraße mit ihren Abgasen ein schlechter Standort ist. Pilze haben eine Vorliebe für Schwermetall.

 

Kleiner Einschub: Was wir als „Pilz“ bezeichnen, ist in der Fachwelt als „Fruchtkörper“ bekannt. Der eigentliche Pilz lebt im Untergrund – als Zellgeflecht (Myzel), das oft sehr groß werden kann. Beim Hallimasch (einem sehr leckeren Familienpilz, der auf toten Baumstämmen wächst) kann das Myzel Quadratkilometer groß werden. Darum gilt der Hallimasch – und nicht Blauwal oder Redwood-Mammutbaum – auch als größtes Lebewesen der Welt.

 

Zurück in die Stadt. Echte Pilzkenner wie Dr. Reiner Hintzen aus Sankt Augustin bei Bonn stoßen auch hier auf viele Arten. Sankt Augustin? Ja, denn in Köln gebe es zwar Topleute, sagt Reiner Hintzen am Telefon. Aber es gibt zur Zeit keinen Sachverständigen, der das Zertifikat von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie hat und auf deren Seite zu finden ist. Reiner Hintzen hat eins.

 

„Wer seine Augen trainiert, der sieht auch in der Stadt vieles, das er vorher nicht gesehen hat“, erzählt Reiner Hintzen. Pilze in der Stadt kann man im Grüngürtel finden, in der Peripherie also. Sie wachsen in Parks, auf Friedhöfen, auf stillgelegten Bahnhofsgeländen – und gerne dort, wo es einen alten Baumbestand gibt, Eichen etwa.

 

Welche Sorten kann man denn – mit dem trainierten Auge – finden? „Steinpilze, Hexenröhrlinge, in Graslandschaften auch Parasol-Pilze“, zählt Reiner Hintzen auf. „Und Saftlinge, das sind schöne, bunte Pilze. Ich finde im Moos auf Waldfriedhöfen auch Erdzungen. Die sind aber nicht leicht zu bestimmen.“

 

Was an Pilzen wächst, hängt stark vom Boden ab: Auf kalkhaltigen Böden wachsen ganz andere Pilze als auf sauren Böden. Reiner Hintzen wechselt jetzt ins Lateinische, die Namen klingen herrlich. „Man kann zum Beispiel in der Stadt auf den Pulveroboletus lignicola treffen, den Nadelholz-Röhrling. Oder auf Amanita strobiliformis, den Fransenwulstling.“

 

Pilzfamilie an der Bonner Straße

 

An der Bonner Straße wiederum stand diese Tage gleich eine ganze Familie von Agaricus bitorquis. Das ist der normale, essbare und leckere Stadt-Champignon: Weiße Kappe, die bei alten Exemplaren etwas bräunlich wird, rosa Lamellen unter dem Hut, die im Alter dunkelbraun werden. Letztes Jahr leuchteten auf der Wiese am Friedenspark in Richtung Rheinuferstraße gleich 150 Stück, allesamt schneeweiß, frisch und knackig.

 

Die paar Exemplare an der Bonner Straße dürften allerdings den maximalen Abgaswert erreicht haben – erstaunlich, dass sie dort trotzdem und trotzig wachsen. Von der Menge her hätte der Fund eine leckere Nudelsoße ergeben. So aber muss das Foto reichen – und der Blick unter die Kappe bestätigt es: Ja, das hier ist ein Klassiker. Stadt-Champignon, kaum zu verwechseln. 

 

Eines zum Schluss, das für alle Pilze gilt. Finger weg, wenn man sich nicht auskennt. Die Berichte über Pilzvergiftungen gibt es jedes Jahr. Pilzvergiftungen sind alles andere als lustig und führen in wenigen Fällen (Grüner Knollenblätterpilz) sogar zum Tode. Also im Zweifelsfall nicht probieren, nicht zubereiten. Fachleute fragen.

 

Weswegen es ja Sachverständige wie Dr. Reiner Hintzen gibt. Sie sind dafür da, eine herbstliche Ausbeute aus dem Wald zu begutachten und alles auszusortieren, was nicht in die Pfanne gehört. Sein Hobby ist längst eine Leidenschaft geworden – und an Jahreszeiten hält er sich schon lange nicht mehr, denn Pilze wachsen immer. „Der normale Pilzsammler geht ja nur in der klassischen Hochsaison im Herbst. Aber wenn man das so halbwissenschaftlich betreibt wie ich, dann hat man ständig die Augen auf. Ich kann nichts dagegen tun“.

 

 

Mehr im Netz

 

Alles über Pilzsachverständige hier.

Hier ist die Liste von A bis Z, Suche geht auch nach Postleitzahl.

Und das hier ist eine sehr schöne Fachzeitung.

 

Und das hier mailte uns Reiner Hintzen über seine Arbeit:

„Ich biete unterhaltsame und informative Pilzwanderungen an für das Forstamt Koblenz und das Umweltbüro der Stadt Sankt Augustin. Für Ihre Kölner Bürger ist die Fahrt nach Koblenz sicher recht weit, erfahrungsgemäß haben wir dort aber deutlich mehr Pilze (und Teilnehmer). Bei Interesse beim Forstamt anrufen.“

 

Termine für das Umweltbüro der Stadt Sankt Augustin sind:

Sonntag 28.09.14 von 10.00 – 13.00 Uhr für Erwachsene

Sonntag 12.10.14 von 14.00 – 17.00 Uhr für Erwachsene und Kinder

 

 

 

Text: Jörg-Christian Schillmöller

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