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Kolumne

Drei gute Gründe, zur Frauenfußball-WM zu gehen

Mittwoch, 22. Juni 2011 | Text: Beate Fechtig

Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten

Jetzt ist mal drei Wochen lang alles so, wie es sich Fußballerinnen in Deutschland erträumen – Frauenfußball in allen Blättern. Der Express erzählt uns die rührende Geschichte der jungen Stürmerin Alexandra Popp, die Mama und Papa nach einer Privatinsolvenz miternährt.

Jetzt ist mal drei Wochen lang alles so, wie es sich Fußballerinnen in Deutschland erträumen – Frauenfußball in allen Blättern. Der Express erzählt uns die rührende Geschichte der jungen Stürmerin Alexandra Popp, die Mama und Papa nach einer Privatinsolvenz miternährt. Die Süddeutsche beschäftigt sich über eine dreiviertel Seite mit Nadine Angerer, der deutschen Super-Torfrau, und erkundet deren kraftfahrzeugtechnischen Vorlieben: ganz früher Feuerwehrbus, dann  VW-Bus, heute nur noch Mannschaftsbus. Und die Sport-Bild bemüht den ewigen Frauen-Männer-Vergleich: Birgit Prinz verdient rund 72 000 Euro im Jahr, Miro Klose sieben Millionen. Interessant.

Drei Tage vor Start der Frauen-WM in Deutschland ist die Realität etwas verzerrt. Jeder und jede ist plötzlich ein Frauenfußball-Fan. Wo sind sie hin, die Machos mit den Stammtischsprüchen (Trikottausch, hoho) und die Alles-Kampflesben-Schreier? Im Internet, ah, da sind sie noch, und fast ist man erleichtert, dass die massive DFB-Imagecampagne pro Frauenfußball doch nicht gehirnwäschenartig funktioniert. „Frauenfußball ist wie Pferderennen mit Eseln“, lästert dort einer und teilt mit, dass jedenfalls er „Fußball auf Niveau einer D-Jugend“ nicht im Fernsehen verfolgen möchte. Macht nix.

Die Karten sind jedenfalls verkauft. 700 000 von 900 000 an den Mann und die Frau gebracht, das wären bei 32 Spielen im Schnitt über 20 000 pro Spiel. Stimmt nur leider nicht: Zwar möchten alle gerne die Deutschland-Spiele sehen, aber wer bezahlt schon zwischen 30 und 50 Euro für ein Match zwischen Kolumbien und Schweden? In Bochum und Leverkusen läuft der Vorverkauf so schleppend, dass Großsponsor Telekom 5000 Schüler aus Köln und Umgebung zu zwei Vorrundenspielen einlädt. Selbst der Bustransfer wird gestellt, allerdings muss das ganze als Schulausflug mit entsprechender Aufsicht beantragt und etikettiert werden, bei großer Nachfrage wird gelost.

Der Westen verkauft nicht, hier hat man´s nicht so dicke. Und hier gibt es Schalke04 (Pokalsieger) und Borussia Dortmund (Meister) und überhaupt Spitzenfußball satt. Und dann diese faden Spiele:Statt Brasilien mit Weltfußballerin Marta nur WM-Debutantin Kolumbien, statt der Weltranglistenersten USA nur ein Youngster-Team aus Australien. Da freut man sich in Bochum schon fast auf die Exotinnen aus Äquatorial-Guinea (3.7. gegen Australien), die angeblich Männer in ihren Reihen haben sollen. Oder auf den real existierenden nordkoreanischen Fußball-Sozialismus (6.7. gegen Kolumbien), bei dem man stets in Sorge ist, auf ein verlorenes Spiel könnte das Straflager folgen.

Machen wir uns nichts vor, für einen echten Fußballfan (in der Regel männlich) gibt es nur drei gute Gründe, zu einem Frauenfußball-Länderspiel zu gehen. Erstens: Man bekommt die Karten geschenkt. Zweitens: Deutschland spielt. Drittens: Es ist ein WM-Endspiel. Selbst aufgeklärte Südstadt-Männer sind bekennende Nur-Kerle-können-kicken-Typen, Namen wollen wir nicht nennen. Auf die Frage, ob er neulich das (Männer-)Länderspiel gegen Aserbaidschan gesehen habe, antwortete einer von ihnen: „Gegen Aserbaidschan? Da kann ich ja gleich Frauenfußball schauen.“ War natürlich nicht despektierlich gemeint.

Auch Ex-Bundestrainer Rudi Völler outete sich im Mai als Macho, als er politisch unkorrekt dem Bundesliga Schiedsrichter Deniz Aytekin lautstark empfahl „doch beim Frauenfußball zu pfeifen“, weil er  „jeden Mückenstich“ moniere. Das kostete ihn dann 5000 Euro Strafe, wegen Schiedsrichter-, nicht wegen Fußballerinnen-Beleidigung. Und trotzdem: Lieber ehrlich geschimpft, als kollektiv gelogen. Irgendwie nimmt man es den Jogi Löws und Franz Beckenbauers nicht ab, dass sie Frauenfußball plötzlich „unglaublich sympathisch“ (Löw) finden. Löw ja vor allem deshalb, weil auch die Frauen sein 4-2-3-1-System spielen – das sagt er immerhin dazu.
Zur WM-Eröffnung wird Bundestrainer Löw am Sonntag jedenfalls anreisen, überhaupt erwartet man zum Auftaktspiel der deutschen Frauen gegen Kanada die komplette Fußball- und Politprominenz im Berliner Olympiastadion. 75 000 Zuschauer sind auch da, Rekordkulisse. Um 18 Uhr geht’s los, und dann gilt das Motto eines schönen Witzes, der zur Zeit kursiert:
„Und wie findest du Frauen-Fußball?“ „Find ich beides gut.“

Beate Fechtig

Text: Beate Fechtig

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