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Sport

Ein Latte Macchiato auf 120 Kilometer

Montag, 24. Juni 2019 | Text: Desiree Gorges | Bild: Desiree Gorges

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Der Latte Macchiato der Scuderia Südstadt entfaltet seine volle Wirkung auf der Deutzer Brücke: Die Pedalkurbel ist heiß getreten, der Puls ist oben, die Puste knapp, das Klischee der rasenden Reporterin Realität geworden. Maximal zehn Minuten hat es bis zu diesem Punkt gedauert.

Kurz zuvor…

Den Latte Macchiato gönne ich mir an einem Sonntagmorgen um 10 Uhr mit einer Thekenmannschaft für Radsport. Zweimal wöchentlich ruft die „Scuderia Südstadt“ vor der Severinstorburg Vereinsmitglieder, Gleichgesinnte und Interessierte zusammen, um gemeinsam auf dem Rennrad in die Umgebung auszuschwärmen. „Freunde fahren mit Freunden“, beschreibt der Vereinsvorsitzende Ole Buckendahl die Idee hinter der Scuderia, die neben den sonn- und dienstäglichen Ausfahrten auch in Teams bei sogenannten Jedermannrennen antritt.

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Zum lieblich klingenden „Ortsschild- und Plaudersprintründchen“ haben sich an diesem Morgen rund 40 Radsportfreunde vor der Severinstorburg versammelt. Einige tragen Trikots der Scuderia, Mitglieder anderer Vereine und befreundete Mitfahrer sind ebenfalls vertreten, auch ein Gast aus dem fernen Saarland und Mitglieder eines argentinischen Teams sind dabei. Mit der offiziellen Ansage läutet Guide Jonathan schließlich die weitere Aufteilung ein, an den Start gehen die Gruppen Latte Macchiato (flott), Cappuccino (flotter) und Espresso (sehr flott). Dass ich der Latte Macchiato Gruppe für „regeneratives und gemütliches Pedalieren unter 26 Kilometern pro Stunde“ hinterherheckeln werde, ist schon mit Blick auf mein einfaches Stadtfahrrad klar. Ebenso klar ist, dass ich das Ziel Dhünntalsperre im Bergischen Land nicht erreichen werde, 120 Kilometer Gesamtstrecke und 1.300 Höhenmeter wären bei aller Gemütlichkeit dann doch etwas viel.

Safety first

Die Liebe zur italienischen Lebensart hat die Scuderia Südstadt offenbar nicht nur in ihren Namensgebungen und dem Motto „Dolce Velo“ verankert. Meine Missachtung der vereinsgesetzten Helmpflicht wird freundlich, aber deutlich kommentiert und ausnahmsweise geduldet. Wie groß das Thema Sicherheit geschrieben wird, kann man auf der Website der Scuderia in elf goldenen Regeln nachlesen. In einem Blogbeitrag vom vergangenen Herbst erfährt man zudem, warum ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept vonnöten war. Der Verein hat in den letzten Jahren starken Zulauf erfahren, zu den Feierabendrunden am Dienstagabend kommen im Sommer laut Ole Buckendahl schon mal bis zu 100 Leute zusammen.

Die 2010 erstmals in Erscheinung getretene und seit 2015 als Verein eingetragene Scuderia Südstadt zählt aktuell 149 Mitglieder. Den Altersdurchschnitt schätzt Buckendahl auf Mitte bis Ende Dreißig. Kinder und Ältere seien auch dabei, aber deutlich weniger. Auch wenn es nicht das Ziel sei, ein riesengroßer Verein zu werden, liegt die Nachwuchsgewinnung der Scuderia doch sehr am Herzen: „Wir sind da idealistisch und möchten die Idee und Begeisterung für den Radsport weitertragen.“ Aktuell geschieht dies mit dem Aufbau einer Jugendabteilung und einer Rad AG, die Ole Buckendahl mit zwei Sportlehrern am Deutzer Gymnasium in der Thusneldastraße initiiert hat. Losgehen soll es damit nach den Sommerferien, vorausgesetzt die laufende Crowdfunding-Aktion erreicht bis zum 28. Juli genug Unterstützer, um Rennräder und Ausstattung im Wert von 5000 Euro zu finanzieren. Genutzt werden sollen die Räder sowohl von der AG als auch von der Jugendabteilung.

Überdurchschnittliche Frauenpower

Mit 19 weiblichen Mitgliedern kann die Scuderia Südstadt mittlerweile einen Frauenanteil von 13 Prozent verbuchen. Anna, heute eine von vier Frauen inklusive mir, gehört seit drei Jahren der Scuderia Südstadt an. Seit der Follerstraße ist sie meine „persönliche Eskorteuse“, die mit mir das Schlusslicht bildet. Den gestiegenen Frauenanteil im Verein kann sie aus eigener Erfahrung bestätigen, einen möglichen Grund sieht sie im generellen Sport- und Fitnesstrend. Von ihren Vereinskollegen weiß sie zudem, dass in den ersten Jahren Frauen schnell wieder abgesprungen sind, weil sie mit dem Tempo der Männer nicht mithalten konnten. „So blöd das klingt, aber das Tempo war ein Thema“, sagt auch Ole Buckendahl und erklärt, dass sich diese Problematik mit der Einführung der Latte-Macchiato-, Cappucchino- und Espresso-Gruppen erledigt hätte und mittlerweile sogar Frauen mitgefahren sind, die alle anderen abgehängt haben.

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Wie weit ich selbst noch vom Level der „gemütlichen“ Latte Macchiato Gruppe entfernt bin, ist mir bereits auf den ersten Metern durch die Annostraße aufgegangen. Als ich schließlich neben der auf dem Rennrad dahingleitenden Anna den Bogen der Deutzer Brücke hinauf strampele, sehne ich mich endgültig nach einer Gangschaltung, als wir den Bogen hinabfahren für den Bruchteil einer Sekunde sogar nach einem Helm. Als wir am Bahnhof Deutz Richtung Mülheim abbiegen, kehrt schließlich wieder Entspannung in meine gestressten Glieder ein. Neben Anna fährt nun auch Scuderia Mitglied Gerd am Ende mit, der Rest der rund 20 Köpfe zählenden Latte Macchiato Gruppe ist längst außer Sichtweite. Ungewohnt ist für mich nach wie vor die Tatsache, mitten auf der Straße zu fahren und den nachfolgenden Verkehr (gefühlt) zu blockieren.

Doch Anna kann mich wieder beruhigen, auf die Besonderheit der StVO, nach der ein Verband von 16 Radfahrern wie ein eigenes Fahrzeug behandelt wird, hatte sie mich schon auf der anderen Rheinseite hingewiesen. In diesem Moment fahren wir zwar nur zu dritt, doch das Auto, das auf dem Auenweg hinter uns her kriecht, wirkt weder nervös, noch macht es Anstalten, uns zu überholen. Als wir im Mülheimer Wohngebiet schließlich auf die wartende Gruppe treffen, ist es 10.30 Uhr und meine Fahrt zu Ende. Langsam mache ich mich auf den Rückweg – erschöpft, aber mit dem guten Gefühl, heute schon richtig was getan zu haben.

Informationen zur Scuderia und Ausfahrten bekommt Ihr hier. Die Crowdfunding-Aktion für die Rad AG und Jugendabteilung kann hier noch bis zum 28. Juli 2019 unterstützt werden.

Text: Desiree Gorges

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